Rhein-Pfalz Kreis Das Lächeln der Maria

Werner Neumann hat sein Hobby aufgegeben, umgibt sich aber immer noch gern mit seinen Werken.
Werner Neumann hat sein Hobby aufgegeben, umgibt sich aber immer noch gern mit seinen Werken.

«Bobenheim-Roxheim.» Im Heim der Neumanns gibt es einige Hundert Mitbewohner aus Holz, mit ausdrucksvollen Gesichtern und lebhaften Gesten. Fast vier Jahrzehnte lang hat Werner Neumann Figuren geschnitzt. Jetzt hat der Bobenheim-Roxheimer sein Hobby an den Nagel gehängt und zeigt seine Werke in der Adventszeit Senioren und behinderten Menschen.

„Schnitzen, das geht nicht mehr“, sagt der 79-Jährige und zeigt seine Hände, denen das Rheuma zu schaffen macht. Die über 50 Schnitzmesser hat er im Keller eingemottet. Aus jedem Winkel des Neumann’schen Wohnhauses blicken einen die in all den Jahren entstandenen Tiere und Menschen an. Jedes Jahr im Advent unternehmen die Neumanns mit ausgewählten Figuren kleine Reisen – ins Frankenthaler Hieronymus-Hofer-Haus und zu den Behindertenwerkstätten der Lebenshilfe in Bad Dürkheim. „Es ist schön, wenn die Alten und Behinderten meine Figuren anfassen und sich freuen“, sagt Werner Neumann. „Dann kommen sie ins Reden, erzählen Geschichten aus ihrem Leben und fragen mich über die Kunst des Schnitzens aus.“ Als Aussteller hat der Holzschnitzer den Bobenheim-Roxheimer Weihnachtsmarkt von Anbeginn seit 1994 treu begleitet. Dieses Jahr sei er das letzte Mal dabei gewesen, meint er. Doch zwei seiner Werke sind weiterhin in der Gemeinde zu sehen: In der St.-Laurentiuskirche seine Heilige Elisabeth, und im katholischen Kindergarten in Bobenheim breitet eine von ihm gefertigte Marienfigur ihren Mantel schützend über Kindern aus. Das Haus der Neumanns ist ein wahres Museum. Im Flur steht ein schmunzelnder Genussmönch neben einem Holzfäller. Eine Putte schaut andächtig von der Wohnzimmerwand herab, während im Esszimmer die Heilige Familie das Christkind bestaunt und auf einem filigran gestalteten Wandrelief das letzte Abendmahl in Anlehnung an Leonardo da Vincis Meisterwerk gefeiert wird. Ehefrau Gisela Neumann führt uns in den ersten Stock zur Schnitzwerkstatt. „Wenn ich Werner gesucht habe, wusste ich genau, wo ich ihn finde“, sagt die 79-Jährige lachend. In zwei antiken Kleiderschränken stehen dicht gedrängt Madonnen, Bauersleute, Hirten und Winzer. Was Ausdruck und Gestik seiner Figuren anbelangt, so sei seine Frau stets seine beste Kritikerin gewesen, sagt Werner Neumann. „Man ist ja als Künstler bei der Arbeit immer subjektiv. Da braucht es einen, der das Werk von außen beurteilt.“ Das Anspruchsvollste sei stets das Gesicht mit all seinen Falten und der individuellen Mimik, erklärt der ehemalige Laborangestellte, der schon als Schulbub vom lebenden Material Holz fasziniert war. Und in den Gesichtern wiederum seien die Augen die größte Herausforderung. „Dazu braucht es sehr viel Geduld“, sagt Neumann, der sein Handwerk in drei Schnitzkursen in Deutschland und Österreich erlernt hat. In den Kursen erfuhr er viel über die Technik des Schnitzens. Aber auch, dass der Künstler den menschlichen Körper gedanklich in zwölf Teile teilt, um eine Skulptur richtig proportionieren zu können. Die größeren Figuren Neumanns bestehen aus Lindenholz, das wegen seiner Weichheit und geringen Maserung geschätzt wird. Kleine Figuren wiederum sind aus dem hellen, edlen Ahorn geschnitzt, der sehr hart ist und sich für feinste Details sehr gut eignet. Wie viele Arbeitsstunden in einer Figur stecken – vom Schnitzen übers Beizen, Grundieren, Kolorieren bis zum Einölen mit Bienenwachs – wurde er immer wieder gefragt. Und nie konnte Neumann eine Zahl nennen, „Ich habe nie am Stück gearbeitet, habe immer wieder Pausen gemacht und weitergemacht, wenn ich eine Inspiration hatte.“ Unterm Strich könne er mit dem Verkauf seiner Werke nicht reich werden, auch wenn die größten Figuren einige Hundert Euro kosten. „Das Holz, das ich in Oberbayern gekauft habe, ist teuer. Und wenn ich den Aufwand dazurechne, ist es ein magerer Stundenlohn.“ Die Holzschnitzerei hat Neumann gegen das Ehrenamt eingetauscht, anderen seine Figuren und die Kniffe seines Kunsthandwerks zu zeigen. „Das Schnitzen ist eine Kunst, die in Vergessenheit geraten ist“, sagt er. „Oft sind die Leute verblüfft, dass die Skulpturen aus Holz bestehen. Sie denken, sie seien aus Ton geformt oder gegossen.“

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