Rhein-Pfalz Kreis Das Kreuz mit der Teilzeit-Falle

LUDWIGSHAFEN. Kornelia Barnewald weiß, dass sie als neue Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Pfalz-Kreises eine Stelle übernommen hat, „die nicht einfach und die nicht so gern gesehen ist“. Frauenpolitisch war die 43-jährige Diplom-Verwaltungswirtin bisher nicht aktiv. Doch ihr ist klar, dass Frauen in vielen Bereichen nach wie vor nicht die gleichen Möglichkeiten haben wie Männer.
Die Kreisverwaltung ist für Barnewald vertrautes Terrain. Hier hat die gebürtige Ludwigshafenerin nach dem Abitur 1990 ihre Ausbildung absolviert und in verschiedenen Abteilungen gearbeitet. Als 2002 ihr Sohn geboren wurde, nahm sie zwei Jahre Elternzeit und arbeitet seitdem in Teilzeit. Nach der Geburt des zweiten Kindes 2007 ging sie erneut in Elternzeit und war bis zur Übernahme des Postens der Gleichstellungsbeauftragten in der Schulabteilung tätig. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung und durch die Kontakte zu anderen Müttern „liegt mir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders am Herzen“, sagt Barnewald, die mit Mann und Kindern in Mutterstadt lebt. Es seien fast ausschließlich die Mütter, die wegen der Kinder ihre Arbeitszeit reduzierten „und dann in der Teilzeit-Falle sitzen“, sagt Barnewald. Die Frauen, die in Teilzeit wechseln, hätten keinen Anspruch auf ihren bisherigen Arbeitsplatz. Frauen, die eine Führungsposition hätten, müssten diese meist aufgeben, und es gebe kaum eine Chance, als Teilzeitkraft Karriere zu machen. „Männer trifft das nicht“, sagt sie. Die in einigen skandinavischen Ländern häufige Praxis, dass Mütter und Väter ihre Arbeitszeit jeweils auf eine Dreiviertelstelle reduzieren, sieht Barnewald als gute Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren. „Bis wir dahin gekommen sind, ist es aber noch ein langer, langer Weg.“ Sie will dazu beitragen, dass dieser Weg gegangen wird. Auch weil sie nichts davon hält, schon kleine Kinder ganztags in Betreuung zu geben. Die „Teilzeit-Falle“ ist ihrer Meinung nach nicht der einzige Missstand. „Es ist schlimm, wie häufig Frauen nach wie vor Gewalt ausgesetzt sind“, sagt Barnewald. Dieses Thema will sie als Gleichstellungsbeauftragte ebenfalls angehen und die Forderung nach gleichem Lohn für Männer und Frauen. Die Veranstaltungen zum „Equal Pay Day“, die ihre Vorgängerin Monika-Isis Ksiensik eingeführt hat, sollen fortgesetzt werden. Ohnehin wolle sie deren Arbeit erst einmal fortführen, „im Lauf der Zeit werde ich eigene Akzente setzen“. „Bei dieser Stelle werden einem gern Steine in den Weg gelegt“, weiß die Diplom-Verwaltungswirtin. Als sie sich um die Nachfolge der in den Ruhestand gegangenen Ksiensik beworben hat, hätten ihr einige männliche Kollegen deutlich gesagt, dass diese Stelle unnötig sei. Von den Kolleginnen seien positive Reaktionen gekommen, etwa die, dass sie für diese Stelle geeignet sei. Auch Barnewald traut sich zu, sich durchzusetzen. Die Gleichstellungsstelle habe sie schon immer interessiert. „Hier kann man kreativ sein, auf Missstände aufmerksam machen, etwas gestalten und etwas erreichen.“ Wichtig für ihre Arbeit sei der Kontakt zu den Gleichstellungsbeauftragten in den Kreisgemeinden sowie zu Frauengruppen und -verbänden im Kreis. Derzeit sei sie dabei, diese Kontakte zu knüpfen, um so ein Netzwerk zu bilden, berichtet Barnewald. Auch zu Firmen und Einrichtungen im Kreis will sie Kontakte aufbauen. Barnewald weiß, dass es Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten ist, sich für die Gleichstellung von Männern und Frauen einzusetzen: „Doch ich wüsste nicht, was da für Männer noch zu tun ist.“ (ann)