Rhein-Pfalz Kreis „Das ist kein Beruf für Farbenblinde“

Schwierig wird es, wenn ein Feiertag auf einen Wochentag fällt. Dann verschiebt sich die Müllabfuhr um einen Tag, und wir müssen auch am Samstag los. Wenn beide Weihnachtsfeiertage auf Wochentage fallen, fehlt uns nach hinten heraus was. Wir können den Müll ja nicht am Sonntag abholen und müssen in der Folgewoche nachfahren. Außerdem fallen im Winter mehr Fahrer krankheitsbedingt aus, und es springen Leute ein, die das Gebiet nicht so gut kennen und etwas übersehen können. Nach dem Fest quillen die Mülleimer über. Wie schaffen Sie es, mit dem Leeren hinterherzukommen? Unsere Sammelfahrzeuge packen auch größere Mengen, aber es ist schon eine Herausforderung: Die Fahrer müssen sich gegenseitig absprechen, damit sie sich helfen und alle Wagen gleichmäßig voll laden, bevor sie mit der Tour fertig sind. Denn wenn ein Fahrzeug zwischendurch von Dudenhofen aus einen Abstecher zur Verbrennungsanlage in Ludwigshafen machen muss, fehlen bis zu zwei Stunden, die bis in den Abend in Extratouren nachgeholt werden müssen. Unabhängig von den Weihnachtstagen: Hat die Müllmenge zugenommen? Beim Restabfall ist die Tendenz in den letzten Jahren leicht steigend: Pro Person wächst die Menge jedes Jahr um ein Kilo. Sperrmüll verändert sich kaum, da gibt es nur im Dezember einen Riesenanstieg, weil die Bürger zum Jahresende noch eine kostenlose Sperrmüllabholung nutzen wollen. Von den rund 60.000 Haushalten bestellen aber nur etwa die Hälfte pro Jahr Sperrmüll. Beim Grünabfall kommt es darauf an, wie stark die Pflanzen durch die Witterung wuchern. Nach dem feuchten Frühjahr fällt die Grünabfallmenge diesmal überdurchschnittlich groß aus: rund 100 Kilo je Einwohner. Und die gelben Säcke werden auch immer mehr genutzt. Die Leute werfen nicht nur Verpackungen mit dem grünen Punkt rein, sondern zunehmend andere Kunststoffabfälle wie Folien, Gießkannen oder Salatschüsseln. Es macht ja eigentlich auch Sinn, gleiche Stoffe gemeinsam zu entsorgen. Aber nur das Entsorgen von Verpackungen mit grünem Punkt wird von der Industrie bezahlt. Machen sich denn auch die vielen Kartons durch den Versandhandel bemerkbar? Papiermüll hat in den letzten drei Jahren abgenommen. Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber das hängt damit zusammen, dass Druckmedien durch Online-Nutzungen ersetzt werden. Gleichzeitig wächst der Anteil der Kartonagen. Die Anteile verschieben sich. Papier ist aber auch ein begehrter Wertstoff, oder? Ja, der Preis für Druckpapier befindet sich derzeit auf einem Höhenflug. Es ist viel wertvoller als die Kartonagen und wird auf dem Markt mit 120 Euro pro Tonne gehandelt. Für Kartons mit kurzfaserigem Material bekommt man 80 Euro. Auch das bringt uns einen wirtschaftlichen Vorteil. Die Sortieranlage in Schifferstadt kann die Materialien sauber trennen. Dann sollte man den Biomüll also doch nicht mit kostbaren Zeitungen abpuffern? Für die Biotonne ist Papier ein wichtiges Hilfsmittel und wird im Kompostwerk letztlich ebenfalls verwertet. Wir hatten allerdings befürchtet, dass durch das Einführen der Biotonne die Papiermenge zurückgeht, aber dieser Effekt ist nicht eingetreten. Wir hatten außerdem die Sorge, dass die Anzahl der Leerungen beim Restmüll durch die Biotonne sinkt. Der Restabfall ist der Hauptkostenträger, der die – gefühlt kostenfreien – Dienste wie den Wertstoffhof oder das Schadstoffmobil mitfinanziert. Die Zahl der Restmüllbehälter ist aber nur um 400 auf 60.153 zurückgegangen. Viele haben ihre 60-Liter-Tonne behalten und die Biotonne dazugenommen und damit das Volumen vergrößert. Das ist auch ein optimaler Puffer für die Feiertage. Im neuen Jahr müssen viele Kreisbürger die Restmülltonnen an einem anderen Wochentag rausstellen. Wenn man das vergisst, bleibt man dann auf seinem Müll sitzen? Die meisten orientieren sich ja an den Nachbarn und sehen die Tonnen auf dem Bürgersteig, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen. Das funktioniert ganz gut. Am Anfang haben wir nach so einer Umstellung trotzdem vermehrt Reklamationen. Dann versuchen wir den Grund zu ermitteln. Wenn der Termin versäumt wurde, ist es ein zu großer wirtschaftlicher und ökologischer Aufwand, wegen einzelner Tonnen zwei Tage später erneut loszufahren. Besser die Leute warten den nächsten Termin ab und behelfen sich mit einem roten Zusatzabfallsack, falls ihre Tonne überquillt. Mit drei Euro ist der Sack nicht teuer – schließlich hat man sich ja eine Leerung gespart. Und man bekommt ihn an Ausgabestellen, die unter www.ebalu.de aufgelistet sind. Wenn eine Tonne voll ist, ist das kein Entsorgungsnotstand. Und wenn der Fehler bei Ihnen lag, leeren Sie dann nachträglich? Uns können Fehler passieren, wenn eine Tonne hinter einem parkenden Auto übersehen wird oder die Restmülltonne mit der Biotonne verwechselt wird – gerade in der Winterzeit kann das um sechs Uhr in der Dunkelheit passieren, denn sie unterscheiden sich nur durch einen grauen und braunen Deckel. Das ist kein Beruf für Farbenblinde. Welche Tonnen geleert wurden, können wir grundstücksgenau nachvollziehen. Denn jede Leerung wird mit Datum, Uhrzeit und GPS-Daten abgespeichert. Dadurch können wir auswerten, wo Probleme auftreten. In den Müllfahrzeugen gibt ein Navigationsgerät eine Route vor, die der Fahrer nicht beeinflussen kann. Wenn er Punkte übersieht, bekommt er eine Warnmeldung. Müssen die Leute sonst noch etwas beim Umstellen auf den neuen Plan beachten? Es gibt einige Besonderheiten in Harthausen, Hanhofen und Fußgönheim: Nach dem Terminplan für 2016 wäre Restmüll in Harthausen und Hanhofen am 29. Dezember zu fahren und nach dem geänderten Plan dann unmittelbar wieder am 2. Januar – der aber mangels Masse entfällt. Dafür sind Fahrzeuge außerplanmäßig in Fußgönheim am 2. Januar unterwegs sein, damit die Zeit zwischen der letzten Abholung am 21. Dezember bis zum neuen Termin am 16. Januar nicht zu lang wird. Gefühlt werden die Straßen immer enger, weil mehr dicke Autos am Rand parken. Wie schaffen es die Müllwagen, durch enge Dorfstraßen zu manövrieren? Seit diesem Jahr haben wir Fahrzeuge mit lenkbaren Hinterachsen, die besser um die Kurven kommen. Allerdings gibt es manche Straßen, die nicht angefahren werden können, wenn dort geparkt wird. Da gibt es dann Haltebeschränkungen an bestimmten Tagen. Noch Fragen? Wer noch keinen Abfallkalender für das Jahr 2017 bekommen hat, kann ihn ab Januar in seiner Gemeindeverwaltung bekommen oder unter www.ebalu.de im Internet herunterladen. Dort wird auch der Service angeboten, dass man per E-Mail an Tag und Art der Abfuhr erinnert wird. | Interview: Antje Landmann