Speyerer Umland
Das Ende eines Ehrenamts
Feldgeschworene waren Männer, die mit den landwirtschaftlich genutzten Flächen vertraut waren und dem Geometer des Vermessungs- und Katasteramts bei der Feldvermessung halfen. Zudem hatten sie auf die jeweiligen Standorte und die Erhaltung der Grenzsteine zu achten. „Verrückte“ Markierungen erkannten sie, wenn sie die Steine ausgruben: Unter dem ursprünglichen Standort hatten die Feldgeschworenen besonders geformte Tonscherben oder Metallstückchen, manchmal auch Tierknochen, später Kunststoff-Keile versteckt, von denen nach der „Verrückung“ einige verschwunden waren.
Die Bezeichnung „Feldgeschworene“ kommt von dem Schwur, den die Männer bei ihrer feierlichen Vereidigung vor dem örtlichen Bürgermeister ablegten. Bis ungefähr zur Jahrtausendwende galt das auf Lebenszeit. Eine kleine Summe sollte dazu beitragen, die Feldgeschworenen für den Lohnausfall in ihren eigentlichen Berufen zu entschädigen.
In den 1980er-Jahren wurden in Speyer und den nahen Gemeinden rund 120 Feldgeschworene gezählt. 2003 gab es in Dudenhofen sechs Feldgeschworene, fünf in Harthausen, je drei in Berghausen und Mechtersheim, zwei in Heiligenstein, sieben in Waldsee und neun in Otterstadt. In Speyer war keiner mehr vermerkt.
Heute ist das Ehrenamt in Speyer und Umgebung überall verschwunden, wie RHEINPFALZ-Anfragen ergaben: „In unserer Verbandsgemeinde gibt es keine Feldgeschworenen“, sagt Monika Klohe, stellvertretende Fachbereichsleiterin „Zentrale Dienste“ der Verbandsgemeinde-Verwaltung Römerberg-Dudenhofen. Auch Detlef Schneider, Büroleiter bei der Verbandsgemeindeverwaltung Rheinauen, berichtet: „In unserer Verbandsgemeinde gibt es keine amtlich bestellten Feldgeschworenen mehr. Deren Zuständigkeit und Aufgaben haben sich mit der Neustrukturierung der Katasterämter und der Entwicklung der Vermessungstechnik ohnehin weitgehend geändert.“
Ergänzend dazu schreibt Enno Heeren, Behördenleiter des Vermessungs- und Katasteramts Rheinpfalz in Landau: „Die Institution der Feldgeschworenen stirbt aus. Zum einen waren diese kommunalen Ehrenbeamten zuletzt in einem mehr oder weniger fortgeschrittenen Alter, zum anderen machten wirtschaftliche Aspekte den Einsatz bei Vermessungsarbeiten schwierig. Selbstverständlich können Kommunen auch heute noch Feldgeschworene ernennen, allerdings sind die Einsatzmöglichkeiten bei der Unterstützung der Landvermessung sehr beschränkt“.
Zur Sache: Feldgeschworene
In der Pfalz sind Feldgeschworene ein Relikt aus der Zeit, als die Region bayerisch war. Die Bayern setzten von 1837 bis 1942 in ihrem „Rheinkreis“ um, was Napoleon I. zur Unterhaltung seiner Militärmacht angeordnet hatte. Nämlich Haus- und Grundbesitz zwecks Besteuerung vermessen zu lassen. Das Bestreben, den Bestand an Grundstücken unverändert zu sichern, geht allerdings auf das Mittelalter zurück. Dazu musste die Größe der Felder kenntlich gemacht werden. Das wurde Abmarkung genannt. Damit wurden des Lesens und Schreibens kundige Bürger betraut. Je nach Region gibt es auch andere Bezeichnungen für Feldgeschworene, wie Siebner, Landscheider oder Untergänger.