Rhein-Pfalz-Kreis
Dämonenjäger drehen im Kreis für Amazon-Serie
Ein Stein belegt es: Das Anwesen wurde 1786 errichtet, vor knapp 250 Jahren! Das ist eine sehr lange Zeit, in der sehr viel in einem Haus am Rande eines Dorfs passieren kann: Gutes, Böses, Schicksalhaftes. Dämonisches? Genau das wollen Daniel Jansen, Stephan Winter und Julia Humm aus Koblenz in einer sehr kalten Frühjahrsnacht in dem leerstehenden Bauernanwesen im Rhein-Pfalz-Kreis mit Kameras und etlichen Geräten herausfinden. Es soll der Stoff ihrer achte Episode für die Serie „Die Dämonenjäger“ werden, die bei Amazon Prime gestreamt werden kann und eine große Fangemeinde hat. „Für jeden Serienteil verbringen wir eine Nacht an einem verlassenen Ort, dem eine düstere Legende nachgesagt wird“, erklärt Daniel Jansen, der Regie führt und das Filmmaterial schneidet.
„Die Dämonenjäger“ ist das zweite Projekt: Mit der Serie „Die Geisterakten“ hatten sie auf Amazon Prime Video ihr Debüt, die fünfte Staffel erscheint schon bald. „Beides sind Reality-Mystery-Serien, bei denen der Zuschauer mittendrin ist, wie ein Teil des Teams“, sagt Jansen. Es gibt kein Drehbuch und kein Skript, denn die Drei wissen vorher selbst nicht, was passiert. In den einzelnen Episoden dokumentieren und kommentieren sie ihre Ermittlung, wie sie es nennen. Die Orte, die in ganz Deutschland sind, suchen sie zuvor mit einer Historikerin aus. Für „Geisterakten“ sind es solche, an denen Geisterhaftes geschehen sein soll. „Zum Beispiel gibt es in vielen Burgen Erscheinungen von einer weißen Frau“, erzählt Daniel Jansen.
Wütende Seelen inklusive
Für die neue Serie „Dämonenjäger“ suchen sie das Böse, gehen in Häuser, in denen Verbrechen geschehen sind oder von denen die Besitzer tatsächlich glauben, dass dort Dämonen ihr Unwesen treiben. Warum das alte Bauernhaus im Rhein-Pfalz-Kreis ins Visier der Filmemacher gerückt ist, wollen sie vor der Veröffentlichung nicht verraten. Nur so viel: Die Region sei ja bekannt für ihre Keltenhügel und -gräber. Auch der genaue Drehort soll geheim bleiben: „Leider haben wir es schon erlebt, dass nach unseren Dreharbeiten in die Häuser eingebrochen wurde.“ Die Gebäude, in denen sie eine Nacht oder mehrere Nächte ermitteln, sind unbewohnt – doch nur scheinbar. Dort suchen sie nach Präsenzen, nach gestaltlosen Wesen aus unsichtbarer Materie, die sich etwa als Energiefelder zeigen oder mit fürs menschliche Gehör unhörbaren Stimmen kommunizieren und manchmal die Kraft haben, Dinge zu bewegen – oder sogar zu werfen. Etwa wenn sie wütend sind auf die Jäger, die in ihre Sphären eindringen wollen, sie stören und mit Fragen behelligen – wie in Episode 2 der „Dämonenjäger“ .
Dämonen? Im beschaulichen Rhein-Pfalz-Kreis? Ernsthaft?! Rufen wohl spätestens jetzt alle Skeptiker, die voller Überzeugung sagen: Ich glaube nicht an Geister und Seelen und Übersinnliches. Doch sehr viele Menschen tun es. Und die Faszination an dem Gedanken, dass nach dem Tod nur der Körper vergeht, aber nicht die Seele, ist unbestritten weit verbreitet. Wobei die Drei sich da gar nicht festlegen wollen: „Wir wissen nicht, was es ist, aber wir möchten es herausfinden“, sagt Stephan Winter. Mit dieser Neugier sind sie nicht alleine. Der Erfolg der Serie dürfte ein Beweis dafür sein. „Vor Kurzem waren wir mit den Geisterakten eine Woche lang Platz zwei in der Top-Liste der Serien, die in Deutschland über Amazon Prime Video verkauft wurden, hinter ,Game of Thrones’“, sagt Daniel Jansen stolz. Fünf von fünf Sternen bei gut 1700 Rezensionen, auch das spreche für sich.
Technik wie Ghostbusters 2.0
Seit acht Jahren gehen sie auf Geister- und Dämonenjagd. Natürlich nicht hauptberuflich. Denn, mal ehrlich, wer will schon freiwillig „Dämonenjäger“ als Berufsbezeichnung angeben? Daniel Jansen (42) hat eine Werbeagentur in Lahnstein, Julia Humm (34) ist Store-Managerin und Stephan Winter (42) Verfahrensmechaniker im Schichtdienst. Also nein, sie seien keine spirituellen Nerds ohne Sozialleben. Warum sie sich für Übernatürliches und Unerklärliches wie Geister und Dämonen interessieren, da habe jeder sein eigenes Schlüsselerlebnis: „Bei mir war es der plötzliche Tod meines Vaters und ein Erlebnis in diesem Zusammenhang, das ich als rational denkender Mensch nicht logisch erklären konnte“, erzählt Daniel Jansen. Auf einem Foto vom Friedwald, in dem der Vater beigesetzt wurde, habe er im Grün dessen Gesicht erkannt. Seither hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen. Und die Erlebnisse bei ihren Untersuchungen hätten ihn bestätigt: „Wir erlebten körperlose Stimmen, die aus dem Nichts zu hören waren, ein Kruzifix, das von der Wand fiel, und ein Stuhl, der aus dem Obergeschoss geworfen wurde“, erzählt er. Es seien diese Gänsehautmomente, die sie antreiben, an ihren freien Tagen oder zwischen Schichten für ihr Hobby durch die Republik zu reisen.
Im Gepäck immer eine stattliche Ausrüstung, wie sie auch einst die Ghostbusters aus der kultigen 80er-Jahre-Filmereihe hatten. Da es noch keinen „Fachhändler für Geister- und Dämonenjäger“ gibt, müssen sie mitunter ebenso erfinderisch sein. Haben die Ghostbusters von damals die Geister noch mit einem umgebauten Staubsauger eingesaugt, können die Geisterjäger von heute auf digitale Geräte und technische Spielereien zurückgreifen. Einen Teil einer X-Box Kinect zum Beispiel, das sich bewegende Personenumrisse für Computerspiele mittels Infrarotlicht erfasst, hat Stephan Winter so umgebaut, dass er sie wie eine Richtpistole in der Hand halten kann und auf dem Display Anomalien als eine Art Strichmännchen erkennt. Die „Alice DNA ITC Box“ soll Veränderungen von elektromagnetischen Feldern in Wörter umwandeln. So könnten sie mit den Präsenzen im Raum kommunizieren. Auch immer dabei seien hochempfindliche Mikrofone, die Stimmen aufnehmen, die ein Mensch aus Fleisch und Blut nicht hören könne.
Teil der Erlöse gespendet
Natürlich sind das keine wissenschaftlichen Methoden. Und na klar werden sie mitunter als Spinner bezeichnet. „Aber da bleiben wir entspannt“, sagt Stephan Winter. Können sie auch, denn es gibt offensichtlich genügend Fans, die die Serie fleißig streamen. An den Einnahmen sind sie mittlerweile beteiligt, was wiederum den Gedanken erlaubt, das Ganze vielleicht doch zum Hauptberuf zu machen? „Klar wäre es toll, davon leben zu können“, sagt Stephan Winter. Er sieht aber auch die Schattenseiten: „Es würde den Druck erhöhen, abliefern zu müssen.“ „Und wir würden unsere Authentizität verlieren, weil man uns unterstellen könnte, dies alles nur des Geldes wegen zu machen“, ist Daniel Jansen überzeugt. Viel lieber nutzen sie ihr Zubrot, um ihre Herzensangelegenheiten zu unterstützen. Etwa 17.000 Euro haben sie nach eigenen Angaben schon an Hilfsprojekte und Organisationen gespendet, unter anderem für die Kinderhilfe, die Tierhilfe oder für den Kampf gegen Krebs.
Wenn Fürchterliches so Gutes bewirkt, kann unser beschaulicher Rhein-Pfalz-Kreis gern von einer ganzen Ladung an Geistern und Dämonen heimgesucht werden. Die Untersuchungen dazu in jener kalten Frühjahrsnacht seien vielversprechend gewesen, verrät Daniel Jansen und schweigt zu Fragen nach Details. Nur so viel: „Wir kommen wieder!“