Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Warn-App: Senioren helfen Senioren

Hilfe im Bürgerhaus in Dudenhofen: Ingeborg Sproede bekommt von Peter Liepner (links) und Hans-Peter Demsar vom Seniorenbeirat d
Hilfe im Bürgerhaus in Dudenhofen: Ingeborg Sproede bekommt von Peter Liepner (links) und Hans-Peter Demsar vom Seniorenbeirat die Corona-Warn-App aufs Handy installiert.

Reimund Gebhard, Vorsitzender des Dudenhofener Seniorenbeirats, war bewusst, dass ältere Menschen bei großer Hitze ihr schattiges Haus oder die Wohnung nach Möglichkeit nicht verlassen. Dennoch wollte er das „einmal angekündigte“ Angebot zum kostenlosen Installieren der Corona-Warn-App am Mittwochnachmittag nicht absagen.

Ingeborg Sproede fällt das Gehen schwer. Seit einem Oberschenkelhalsbruch vor zwei Jahren benötigt sie Krücken. Sie sagt, „bei der Operation und danach ist einiges schiefgelaufen“. Wer alt sei – sie ist 84 –, nicht mehr könne, „funktioniere“, werde nicht nur von den Ärzten – einer habe den Oberschenkelhalsbruch lakonisch als Vorstufe zum Sterben bezeichnet – „abgeschrieben und abgeschoben“. Ihre Erfahrung: „Die Versorgung der Kranken in Praxen und Kliniken, das Kümmern um sie wurde kaputtgespart“. Bei allen Einschränkungen und negativen Erlebnissen sind Resignation und Zurückziehen für sie keine Alternative zum Teilhaben wollen.

Sproede ist Mitglied der Liedertafel Dudenhofen und froh, dass wieder Chorproben stattfinden. Auch wenn „das Singen mit Visier“ weit entfernt von Spaß machen sei. 1965 kam die gebürtige Berlinerin ins Spargeldorf. Ihr Mann wechselte aus der Hauptstadt zu Siemens in Speyer. Von Corona fühlt sie sich nicht eingeschränkt. Außer zum Arzt und Einkaufen gehe sie mittlerweile wenig aus dem Haus, in dem auch ihre Tochter wohnt.

Mehr Sicherheit versprochen

Am Mittwochnachmittag brachte sie gleich zwei Handys mit ins Bürgerhaus. An einem versuchten sich die Experten Hans-Peter Demsar und Peter Liepner vergeblich. Zum Laden der Warn-App war das Modell schlicht zu alt. Bei dem anderen funktionierte es. Die beiden Männer erklärten der Dame anschließend die Funktion: Die App helfe, Infektionsketten zu erkennen und zu unterbrechen und könne bei Kontakt mit infizierten Personen warnen.

Ingeborg Sproede verspricht sich davon mehr Sicherheit vor einer Ansteckung. Allerdings nutzt sie ihr Handy wenig – nur wenn die Schwester und der Bruder Bilder schicken. Ansonsten telefoniert sie mit dem „normalen“, stationären Gerät. Über Radio und Fernsehen informiere sie sich regelmäßig zum Tagesgeschehen und der aktuellen Entwicklung.

Keine Chance für die App

Albert Krieg ist Schwimmpartner von Gebhard und fuhr deshalb von der Ortschaft Gommersheim in die Gommersheimer Straße nach Dudenhofen: „Er hat mir von der Aktion erzählt, mich daran erinnert, herzitiert.“ Genützt hat es nichts. Kriegs Handy ist auch zu alt. Keine Chance, darauf die App zu installieren. Ein neues will er sich deswegen nicht kaufen. Als Rentner komme er mit der Pandemie gut zurecht, kommuniziere mit dem Sohn in Berlin per Telefon und E-Mail. Mund-Nasen-Schutz und Abstandsregel würden in Gommersheim locker gehandhabt. Krieg: „Bei uns gibt keine Bäckerei, Metzgerei, kein Wirtshaus, keine Option sich zu treffen.“

Gebhard beobachtet, dass die Regeln in Dudenhofen weitgehend eingehalten werden. Das ändere sich, wenn er nach Speyer, auf die Maximilianstraße und ans Rheinufer komme. Einengen würde ihn Corona nicht. Zu Beginn, im April und Mai, habe er die Besuche der beiden Töchter vermisst. Vorläufig seien die dem Seniorenbeirat zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten im Bürgerhaus bis 31. August gesperrt. Geplant wären nach vier Monaten Pause wieder kontinuierliche Zusammenkünfte, vorerst im Freien. Schon weil sich am Mittwochnachmittag lediglich zwei Senioren die App auf ihr Smartphone installieren lassen wollten, stellte der Vorsitzende des Seniorenbeirats einen weiteren Termin in Aussicht.

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