Dudenhofen
Corona-Krise: Das besondere Leid im Dudenhofener Kinderhospiz
Es sei ruhiger geworden im Kinderhospiz, beschreibt Geschäftsführerin Anja Hermann, die momentane Stimmung bei den „Sterntalern“. „Gerade gilt bei uns: Nur die unbedingt notwendigen Mitarbeiter wie etwa die Pflege- und Reinigungskräfte kommen zur Arbeit vor Ort, ansonsten ist das Sterntaler-Team, soweit möglich, im Homeoffice und in der Kurzarbeit“, sagt Hermann. Aktivitäten wie die Familiennachmittage, Musiktherapien und Besuche von Therapie-Tieren, die für die Sterntalerkinder stets etwas ganz Besonderes seien, sowie jede Form des Öffentlichkeitsverkehrs könnten wegen des Virus’ nicht stattfinden.
„Wir versuchen, den Kreis an Menschen, die mit den Kindern in Kontakt kommen, so gering wie nur möglich zu halten“, sagt Hermann. Dies bedeute auch, dass die vier Kinder, die im Moment statt der sonst üblichen sechs bis sieben im Hospiz betreut werden, höchstens von einem Elternteil begleitet werden können. „Das war mit Sicherheit keine Entscheidung, die uns leicht gefallen ist, schließlich nehmen wir sonst häufig die ganze Familie samt den Geschwisterkindern auf, die eine gemeinsame Auszeit dringend brauchen“, macht die Geschäftsführerin deutlich. Die nun getroffene Regelung sei ein Kompromiss. Die vier aktuell anwesenden Kinder seien im Rahmen von sogenannten „Notfallentlastungsaufenthalten“ im Kinderhospiz. Das sei ein Zeitraum, der den Kindern und ihren Familien Entlastung von den Belastungen, Sorgen und Nöten des Alltags mit einem schwerkranken Kind bringen soll.
Viele Überlegungen
„Wir haben innerhalb unseres hauseigenen Krisenstabs lange und intensiv beratschlagt, und passen unsere Entscheidungen der sich täglich ändernden Lage an“, sagt Hermann, die die Einrichtung seit 2015 leitet. „Von Anfang an war uns klar, dass wir unsere Kernaufgabe, die Sterbebegleitung, weiterhin wahrnehmen werden, weil wir die Familien in der unbeschreiblichen Situation, wenn ein Kind stirbt, nicht alleine lassen können und wollen. Und auch die ambulante Pflege läuft unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen regulär weiter, wenn die Eltern das so möchten“, sagt Hermann.
Die Hygienemaßnahmen habe man den zusätzlich erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen angepasst, allerdings bestünde hier kein großer Unterschied zu der Zeit vor Corona. „Dass wir grundsätzlich auf die notwendige Hygiene achten, insbesondere bei der Pflege der Kinder, ist etwas, das egal zu welcher Zeit außer Frage steht“, betont die 45-Jährige.
Bei der Beschaffung von Schutzkleidung, Masken und Desinfektionsmittel gebe es bisher zum Glück keine Probleme, die zuständigen Firmen hätten versprochen, sie weiterhin zu beliefern. „Außerdem haben uns zahlreiche Angebote von hilfsbereiten Menschen erreicht, die sich etwa bereiterklärt haben, uns mit selbstgenähten Masken zu unterstützen. Es ist unglaublich schön, gerade auch in dieser Zeit das Gefühl von Solidarität vermittelt zu bekommen“, freut sich die Geschäftsführerin.
Weniger Spenden
Eine weitere Herausforderung, die mit dem Ausbruch des Virus gekommen sei, sei der plötzliche Einbruch an Spenden gewesen, der das zu 90 Prozent aus Spendengeldern finanzierte Haus ereilt hätte. „Im März konnten fast keine Spendenaktionen stattfinden, wir wissen nicht, wie es in den nächsten Wochen aussehen wird.“ Doch dass die Familien sich weiterhin auf die Unterstützung des Kinderhospizes verlassen können, sei ihnen als Team in dieser Zeit der großen Unsicherheit ganz besonders wichtig, erklärt Hermann. Diese Verantwortung habe auch zu der Entscheidung geführt, die Einrichtung weiterhin für lebensverkürzend erkrankte Kinder geöffnet zu halten, nun eben in einem kleineren, eingeschränkten Rahmen, sagt Hermann.
Unter den Familien, die derzeit betreut werden, aber auch unter den Mitarbeitern herrsche momentan eine ruhige, entspannte Stimmung. „Die Familien kennen uns und wissen, dass sie auf unsere Arbeit vertrauen können und wir unser bestmögliches tun, um die Kinder zu beschützen.“ Natürlich habe jeder immer wieder ein flaues Gefühl, wenn er sich mit der aktuellen Situation befasse. „Was wir gegen diese Ängste tun, ist, sie so oft wie möglich auszusprechen. Der Austausch tut unheimlich gut, sowohl den Eltern, als auch uns Mitarbeitern. So merken wir, dass wir alle nicht alleine sind. Dieses Gefühl und die Zuversicht auf eine hoffentlich unbeschadete und gut überstandene Zeit nach Corona geben uns ganz viel Kraft, um diese, für alle so schwere Phase gemeinsam zu überstehen“, sagt Hermann.
Neues Projekt: Arbeiten an Elternhaus laufen
Das neueste Projekt des Kinderhospizes Sterntaler ist der Umbau eines kleinen Wohnhauses auf dem Nachbargrundstück, das ursprünglich einmal mit der Mühle des Kinderhospizes verbunden war. Die Besitzerin des Nachbargrunds war den „Sterntalern“ laut der Geschäftsführerin Anja Hermann sehr verbunden, sodass ihre Kinder nach ihrem Tod das Grundstück mitsamt des Hauses an das Kinderhospiz verkauften. Dort soll nun im Sommer ein neues Elternhaus entstehen, das zusätzlich die Familienmitglieder von bis zu fünf Kindern für die Dauer ihres Aufenthaltes beherbergt. Die Umbaumaßnahmen waren bereits in vollem Gange, als sich das Coronavirus in Deutschland ausbreitete, und die weitere Planung und Umsetzung erschwerte. Trotz allem gehen die Bauarbeiten laut Hermann im Rahmen der nun deutlich eingeschränkten Mittel und Möglichkeiten weiter, wenngleich entsprechend langsamer und unter erhöhten Vorsichtsmaßnahmen. Die Baufirmen hielten sich etwa stets zu separaten Zeiten und höchstens mit zwei Mitarbeitern auf der Baustelle auf.