Kommentar
Christen unter Leidensdruck
Für die Seelsorger, Helfer und treuen Schäfchen der beiden deutschen Volkskirchen ist es erschütternd und deprimierend zu sehen, wie viele Mitglieder jährlich und mit steigender Tendenz ihren Austritt erklären. Manche Kirchenoberen begründen das damit, dass die einen eben schon lange nicht mehr an Jesus Christus glauben und sich die anderen wohl nur die Kirchensteuer sparen wollen. Aber da gibt es noch diejenigen, die gerne gläubig dabei bleiben würden, das aber nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren können.
In dieser Gruppe sind die Katholiken vermutlich in der großen Mehrheit – wegen der kirchlichen Doppelmoral und der unfassbaren Dimension der systematischen Kinderschändung. Um den Leidensdruck dieser Christen zu verdeutlichen, sei hier nach mehrfacher Ermunterung aus Kirchenbasiskreisen berichtet, womit die Autorin dieses Textes jüngst in der Familie überrascht wurde.
„Ich habe es getan“, sagt die 87 Jahre alte Katholikin, die früher fest ins kirchliche Leben einer hessischen Domstadt eingebunden war. Die rollatorbedürftige Seniorin ist vor ihrer Wohnanlage in den Linienbus geklettert, dann zur Stadtverwaltung gelaufen und hat das Formular für ihren Kirchenaustritt unterschrieben.
