Mutterstadt CDU-Ortsverband feiert 75-Jähriges
„Die CDU wurde nach dem Krieg als neue Partei gegründet, die auf christlichem Menschenbild basierend überkonfessionell ausgerichtet war. Die Soziale Marktwirtschaft war ihr Markenzeichen“, schreibt Gertrud Ehringer vom Vorstand. Wie in der Ortschronik nachzulesen ist, waren die Katholiken Eugen König, Wilhelm Schott und Hermann Magin die Gründungsväter der Mutterstadter CDU. Sie trafen sich mit anderen, meist sonntagnachmittags, bei dem bekannten Dekan Finck in Limburgerhof. „Einer der regelmäßigen Teilnehmer war auch der junge Gymnasiast Helmut Kohl“, berichtet das langjährige CDU-Mitglied Leo Sebastian weiter. Im Saal im Wirtshaus „Zum Ochsen“ war dann am 1. Juni 1946 um 20.30 Uhr die „Geburtsstunde“ des CDU-Ortsvereins Mutterstadt.
Allgemeiner Mangel als Thema
Am 14. Juli 1946 fand dann die erste Mitgliederversammlung statt. 35 Mitglieder wählten Eugen König zum Vorsitzendem und Wilhelm Schott zum Stellvertreter. Themen der ersten Sitzungen war die Not der Menschen, wie etwa die Versorgung mit Brot, Holz und Kohle, Winterkartoffeln sowie Suppe für die Schulkinder, erinnert sich Sebastian: „Die Bauern wurden angehalten, die Kartoffeln für die Suppe zur Verfügung zu stellen. Privatinitiative war gefordert.“ So habe die CDU über die Zonengrenzen hinweg mit hessischen Bauern den Tausch von Karotten aus Mutterstadt gegen Kartoffeln organisiert.
Die Mutterstadter Protestanten hätten sich zunächst der neuen Partei verweigert, ab August 1946 näherte man sich an. Bei der ersten Kommunalwahl nach Kriegsende am 15. September 1946 kandidierten dann zehn Protestanten und 13 Katholiken für die CDU für den Gemeinderat. Die Christdemokraten errangen neun, die SPD acht und die KPD drei Sitze. Doch obwohl die CDU bei der Wahl die meisten Stimmen (45 Prozent) erhalten hatte, ging die Partei bei den Ämtern leer aus, Bürgermeister wurde Heinrich Hartmann (SPD). Im Oktober 1949 – nach der Suspendierung des Bürgermeisters – übernahm Ferdinand Schott (CDU) als Erster Beigeordnete das Amt des Bürgermeisters. Er starb im März 1950, ihm folgte der Erste Beigeordnete Richard Magin (CDU). Es war das einzige Mal, dass ein CDU-Mitglied an der Spitze der Gemeinde stand. „Dann dauerte es eine Weile, bis wieder namhafte junge evangelische Christen in die CDU eintraten und Führungsrollen wahrnahmen“, berichtet Sebastian. Mit dem Auflösen der Wählergruppe konnte die CDU 1969 weitere Ratsmandate dazugewinnen. Zum ersten Mal wurde mit Änne Klein eine CDU-Frau in den Gemeinderat gewählt.
Partei verjüngt
Spannend war die Bürgermeisterwahl 1973: Mit Unterstützung der CDU forderte der parteilose, geschäftsführende Gemeindebeamte Herbert Maurer den SPD-Kandidaten heraus. Maurer gewann mit zehn Stimmen, neun von der CDU und eine von einem Abweichler aus der SPD-Fraktion. Ab Mitte der 1970er-Jahre bestimmten die Christdemokraten zusammen mit der neuen Wählergruppe Arenz die Politik.
Nach der Wiedergründung der Jungen Union 1993 habe sich die Partei stark verjüngt. „1992 verhalf die CDU Ewald Ledig, damals FWG, zu einer knappen Mehrheit für das Amt des Bürgermeisters“, erinnert sich Sebastian. Seitdem stellten die Fraktionen von CDU, SPD und Wählergruppe jeweils einen Beigeordneten. Das habe die Zusammenarbeit im Rat erleichtert. Die früher oft verbissenen Diskussionen und parteiideologisch bestimmten Entscheidungen seien fortan durch eher sachliche Debatten geprägt gewesen. So habe es sich bis heute bewährt.