Waldsee / Altrip RHEINPFALZ Plus Artikel Campinggebiet „Auf der Au“: Immer noch ein Fass ohne Boden?

Campinggebiet „Auf der Au“: Wird von der GmbH „Naherholung in den Rheinauen“ betrieben, die zu 90 Prozent dem Rhein-Pfalz-Kreis
Campinggebiet »Auf der Au«: Wird von der GmbH »Naherholung in den Rheinauen« betrieben, die zu 90 Prozent dem Rhein-Pfalz-Kreis gehört.

Die praktischen Probleme rund um ein Gesundschrumpfen des Campinggebiets „Auf der Au“ sind gelöst. Ob es auch wirtschaftlich bergauf geht, muss sich noch zeigen.

Das Campinggebiet „Auf der Au“ zwischen Waldsee und Altrip hat eine bewegte Vergangenheit. Nach den goldenen Zeiten, in denen der Platz als eines der größten Campinggebiete Europas galt, ging es bergab und immer mehr Parzellen verwaisten. Das wurde vor allem deshalb zum Problem, weil der Betrieb des Campingplatzes in öffentlicher Hand ist: 90 Prozent der Betreiber-GmbH „Naherholung in den Rheinauen“ gehören dem Rhein-Pfalz-Kreis, zehn Prozent der Ortsgemeinde Waldsee. Die Grundstücke, aus denen der Campingplatz besteht, sind zum großen Teil von Privateigentümern gepachtet. Die jährlichen Verluste für den Betreiber wurden immer größer. Weil sich viele Eigentümer gegen eine Senkung der Pacht sperrten, stand das Campinggebiet kurz vor dem Aus. Die verbliebenen Dauercamper – immer noch hunderte – hätten ihre Parzellen räumen müssen.

Schließlich gelang doch noch die Rettung: Das Campinggebiet wurde verkleinert, die Pachten für die Eigentümer gesenkt, und die Camper gründeten einen Verein, der sich vor Ort um den praktischen Betrieb kümmert. Allerdings war der Rückbau der aufgegebenen Flächen eine riesige Herausforderung – schließlich war der Campingplatz von einst mehr als 3000 auf gut 1000 Parzellen geschrumpft. Die Rückgabe der Grundstücke an die Eigentümer verzögerte sich in vielen Fällen.

Und wie ist die Lage heute? „Der Rückbau ist, nicht zuletzt wegen der guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der IG – also dem Camperverein – planmäßig verlaufen“, teilt die Kreisverwaltung auf RHEINPFALZ-Anfrage mit. Bis Ende 2023 seien die Grundstücke, die nicht mehr zum verkleinerten Campinggelände gehörten, geräumt worden. Wie viel Schutt – in einigen Fällen waren ganze Wohnwagen zurückgelassen worden – entsorgt werden musste, kann der Kreis nicht sagen. „Genaue Zahlen zu den entsorgten Mengen und Arten von Rückbaumaterial haben wir bedauerlicherweise nicht erhoben.“ Für die Finanzierung des Rückbaus waren Rückstellungen in Höhe von rund einer Million Euro gebildet worden.

Fast alle strittigen Fälle geklärt

Die Rückgabe an die Eigentümer habe in den meisten Fällen gut funktioniert. Einzelne Eigentümer seien aber der Ansicht gewesen, „der Rückbau müsse auf einen Stand von vor mehreren Jahrzehnten erfolgen“, berichtet die Kreisverwaltung. „In einem Fall musste dies gerichtlich geklärt werden – das Urteil erfolgte zugunsten der GmbH.“ Stand heute gebe es nur noch einen ungeklärten Fall, bei dem es aber im Wesentlichen um das Pachtentgelt der genutzten Fläche gehe.

An der Spitze der Naherholungs-GmbH hat es in diesem Jahr eine organisatorische Änderung gegeben: Der frühere Geschäftsführer Thilo Meinke hat die Kreisverwaltung mittlerweile verlassen und damit auch diesen Posten abgegeben. Der Grund sei gewesen, dass Meinke einen Arbeitsplatz erheblich näher zu seinem Lebensmittelpunkt gefunden habe, informiert der Kreis. Seit Mitte März fungiert deshalb Bauabteilungsleiter Frank Juchem als GmbH-Geschäftsführer.

Die Zusammenarbeit mit dem Camperverein laufe „sehr gut“. Als Pendant zum Vereinsvorsitzenden Patrick Just kümmere sich ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung operativ um den Betrieb der Campingplätze – neben „Auf der Au“ auch Gebiete im Reffenthal und an der Blauen Adria. „Durch den neuen Handlungsbevollmächtigten sind wir sehr präsent auf dem Platz und die Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Verein ist arbeitsteilig und verlässlich. Auch viele knifflige Fälle werden aktuell gemeinsam gelöst“, äußert sich die Kreisverwaltung zufrieden.

Platz fast durchgehend voll belegt

Die Belegung der verbliebenen Campingparzellen ist laut Kreisverwaltung gut. „Bei jährlich zirka 10 Prozent Fluktuation kommt es teilweise zu vorübergehendem Brachliegen, in der Regel aber nur bis die Parzellen rechtssicher geräumt beziehungsweise in einen vertragsgemäßen Zustand versetzt sind, um sie neu verpachten zu können“, erklärt die Kreisverwaltung. Es werde eine Warteliste geführt. Derzeit werde geprüft, ob die darauf stehenden Personen weiterhin Interesse an einer Parzelle haben.

Ob die Entscheidungen und Entwicklungen der vergangenen Jahre zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Konsolidierung führen, lässt sich anhand der öffentlich einsehbaren Zahlen noch nicht beurteilen. Nach einem Rekordverlust von rund 475.000 Euro im Jahr 2021 ging es aufwärts – aber nur leicht: Rund 400.000 Euro betrug der Verlust im Jahr 2021, zirka 380.000 Euro waren es im Folgejahr. Die Abschlüsse für 2023 und 2024 liegen noch nicht vor: „Durch die personelle Neuordnung, die auch mit internen Umorganisationen einherging, sind wir zu unserem eigenen Ärgernis mit den 23er und 24er Abschlüssen noch nicht fertig, rechnen aber bis Jahresende damit, diese testierfähig an die Wirtschaftsprüfer übergeben zu können“, sagt die Verwaltung. Eine Wasserstandsmeldung, ob der Verlust weiter reduziert werden konnte, will sie momentan nicht abgeben. „Das wäre im Moment reine Mutmaßung“, teilt der Kreis mit. Um die finanzielle Situation für die GmbH zu verbessern, ist die Pacht um zirka 50 Prozent erhöht worden. Trotzdem gehöre das Waldseer Campinggebiet „im nationalen Vergleich zu den eher günstigen Plätzen“.

Vieles auf dem Campingplatz ist in die Jahre gekommen. Investitionen sind schon lange angekündigt, beispielsweise in die Wege, Sanitäranlagen, Brandschutz, Müllplatz oder Platzwartgebäude. Auch Wohnmobilstellplätze waren angedacht. Passiert ist noch nicht viel: „Wir wünschten, wir wären hier schon weiter“, bedauert der Landkreis. Die geplanten Investitionen seien „sinnvoll und notwendig“, doch bisher hätten der finanzielle Spielraum sowie organisatorische und personelle Kapazitäten gefehlt. „Mittel- bis langfristig soll das Gebiet in ein integriertes Tourismuskonzept eingebettet und die dafür erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen konkret geplant und stückweise umgesetzt werden“, hält der Kreis weiterhin am Ziel einer Aufwertung des Campinggebiets fest.

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