Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Campinggebiet „Auf der Au“: Idyll neben Müllbergen

Mit Bagger und Radlader: Patrick Just und zwei Mitarbeiter bei der Entsorgung alten Baumaterials.
Mit Bagger und Radlader: Patrick Just und zwei Mitarbeiter bei der Entsorgung alten Baumaterials.

Wie baut man Hunderte Parzellen zurück, auf denen erholungsuchende Städter ihre Refugien angelegt haben? Diese Frage stellt sich im Campinggebiet „Auf der Au“. Beim Rundgang zeigt der Vorsitzende des Campervereins sowohl Gruselecken als auch Vorbilder für die künftige Entwicklung des Gebiets.

Die Tour mit dem Vorsitzenden des Vereins „Camping-IG in den Rheinauen“ über das Gelände beginnt an der Schranke am Hauptweg 3. Diese hat die IG schon vor Monaten errichtet, um künftig zu verhindern, dass Badeseebesucher den Campingplatz zuparken, vor allem aber auch, damit Fremde nicht mehr ihren Müll auf dem Gelände entsorgen können. „Das hat sich auch deutlich gebessert“, ist Patrick Just zufrieden. Links und rechts des Wegs wurden außerdem Bänke, Pflanzkübel und dekorative Installationen aus bemalten Reifen aufgestellt, damit dort nicht mehr geparkt werden kann.

Auf den ersten Metern ins Camperreich hinein fällt bereits auf, dass die Reihen links und rechts des Wegs verwaist sind: Sie gehören nicht mehr zum Campinggebiet. „Das gefällt uns nicht so“, sagt Just. Aber die Eigentümer der Grundstücke haben die neuen Verträge mit niedrigeren Pachtzahlungen, die ihnen die Betreiber-GmbH „Naherholung in den Rheinauen“ vorgelegt hat, nicht unterschrieben. Ist das der Fall, dann muss rückgebaut werden. Denn die GmbH ist vertraglich verpflichtet, die Grundstücke wieder in einem ordnungsgemäßen Zustand an die Eigentümer zurückzugeben. Das Problem: Auf vielen Parzellen haben frühere Camper Dinge hinterlassen. Von normalem Müll über Waschbetonplatten und Holzschuppen, mit denen die persönliche Oase einmal optimiert wurde, bis hin zu mittlerweile schrottreifen Wohnwagen.

Schwieriger Rückbau

Es ist ein Mammutprojekt, das sich Just und seine Mitstreiter vorgenommen haben: der Rückbau jenes Teils des Geländes, der nach der notwendig gewordenen Verkleinerung nicht mehr zum Campinggebiet „Auf der Au“ gehört. Um die Dimensionen klar zu machen: Früher, als das Campinggebiet als größtes in Europa galt, waren einmal rund 3500 Parzellen am Marxweiher zwischen Waldsee und Altrip belegt. Doch die Zeiten sind lange vorbei, der Platz ist bereits geschrumpft. Nachdem zwischenzeitlich das Aus des Campingplatzes drohte, weil die Pachtzahlungen an die Grundstückseigentümer drastisch reduziert werden sollten, kann es jetzt weitergehen – aber nur mit rund 1000 Parzellen. „Über 2000 Parzellen liegen im Rückbaugebiet“, sagt Patrick Just. Der 39-Jährige wurde im vergangenen Jahr zum Vorsitzenden des Campervereins gewählt.

Seit Jahresbeginn ist er Vollzeit mit der Betreuung des Campinggebiets betraut. Die Verwaltung vor Ort hat die Betreiber-GmbH, die zu 90 Prozent dem Rhein-Pfalz-Kreis und zu zehn Prozent der Ortsgemeinde Waldsee gehört, in die Hände des Vereins gelegt. Neben Justs Stelle finanziert die GmbH auch die Arbeit, die Jonas Kalusche und Timmy Neff leisten. Die beiden Männer sind mithilfe von Bagger und Radlader seit Monaten mit fast nichts anderem als dem Rückbau der verlassenen Parzellen beschäftigt. Gerade sind sie dabei, alte Terrassenplatten, von denen Tausende auf verwaisten Parzellen zurückgeblieben sind, in den Bauschuttcontainer zu laden.

Wohnwagen werden zerlegt

Um die zurückgelassenen Wohnwagen kümmert sich einige Meter weiter Walter Hey auf dem „Wohnwagenfriedhof“, wie Just es nennt. Zurückgelassene Wagen zerlegt der langjährige Camper auf einer Fläche neben dem Hauptweg in ihre Einzelteile und veräußert diese an Schrotthändler – für Just bedeutet das ein bisschen weniger Müll, um dessen Entsorgung er sich kümmern muss. Alles, was Menschen auf den Parzellen hinterlassen haben, entsorgen die Arbeiter zwar. Aber manchen Grundstückseigentümern reicht das nicht. „Einer hätte gerne gehabt, dass auch 15 Bäume wegkommen, die darauf gewachsen sind.“ Doch das gehe schon alleine aus Naturschutzgründen nicht so einfach.

Die meisten Flächen, die nicht mehr zum Campinggebiet gehören, liegen am Rand, einige aber auch mitten im verkleinerten Campinggelände. Just hat Bedenken, was die Eigentümer künftig damit zu tun gedenken. Einige wollten sie wohl auf eigene Faust an Camper verpachten, glaubt er. Andere wollen ihre Grundstücke in landwirtschaftliche Flächen umwandeln. Wieder andere wollen sie gewinnbringend veräußern. „Uns wäre es am liebsten, wenn die Flächen der Natur überlassen würden“, sagt er. Mit den Eigentümern Kontakt aufzunehmen, sei oft schwierig, berichtet Just. In vielen Fällen handele es sich um Erbengemeinschaften, deren Mitglieder in ganz Deutschland verstreut seien oder sogar im Ausland lebten.

Überzeugt vom Potenzial

„Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass das Gebiet Potenzial hat“, sagt Just. Die Nachfrage nach freien Plätzen sei da. „Ich habe jeden Tag Termine mit Interessenten“, berichtet der 39-Jährige. Besonders beliebt seien Plätze in der Nähe der Hauptwege. „Die Leute wollen flexibler sein und auch mal mit dem Wohnwagen rausfahren können“, hat der Vereinsvorsitzende beobachtet. Auf sich ändernde Gewohnheiten soll das Campinggebiet „Auf der Au“ künftig reagieren. Ab dem kommenden Jahr wird es möglicherweise Plätze für Tagescamper geben. Die Platzverwaltung soll ein neues Domizil im Einfahrtsbereich bekommen.

Doch bevor neue Ideen umgesetzt werden können, muss erst einmal der Ballast der Vergangenheit abgeworfen werden. „Unsere Hauptarbeit besteht darin, die Missstände der vergangenen zehn Jahre auszugleichen“, sagt Just. In dieser Zeit hat sich der Zustand des Campinggebiets zusehends verschlechtert, investiert wurde schon lange nicht mehr.

Es geht weiter durch die aufgegebenen Flächen am westlichen Ende des früheren Campinggeländes. „Das ist der Brocken, der künftig nichts mehr mit uns zu tun hat“, berichtet der passionierte Camper. Hier haben die Arbeiter schon viel geleistet und Parzelle für Parzelle zurückgebaut. Aufgeschüttete Erdhaufen an den Einfahrten zu den früheren Seitenwegen sollen verhindern, dass dort wieder Müll abgeladen wird.

Platz hat mieses Image

Besonders groß ist das Müllproblem in jenem Teil des Geländes, der mit für das miese Image verantwortlich ist, das dem Campingplatz anhängt und in dem man laut Just gut und gern die postapokalyptische Zombie-Serie „The Walking Dead“ drehen könnte. Eine große Fläche neben dem Schulgutweiher in Privatbesitz wurde jahrzehntelang an Camper verpachtet, gehörte aber nicht zum eigentlichen Campinggebiet „Auf der Au“ und fiel nie in den Zuständigkeitsbereich der Naherholung-in-den-Rheinauen-GmbH. Dementsprechend sind Just und seine Männer dort auch nicht für den Rückbau zuständig. Dabei wäre er gerade dort bitter nötig.

Viele Plätze bieten ein schlimmes Bild: Auf einem liegen zig alte Fahrräder. Diebesgut? Keiner weiß es genau. Wenige Meter weiter liegt ein Autowrack auf der Seite. Wieder ein Stück weiter riesige Müllberge. Kein Wunder, dass es durch solche Zustände ein Rattenproblem gibt. Bis Ende Juli soll der Rückbau auf dem Gelände, für das die GmbH zuständig ist, fertig sein, hofft Just. Einige Eigentümer hätten schon rechtliche Schritte eingeleitet, weil ihnen der Rückbau nicht schnell genug gehe oder sie mit anderen Dingen unzufrieden seien.

Gemeinschaftsgefühl stärken

Es geht zurück in den bewohnten Teil des riesigen Geländes zwischen Waldsee und Altrip. Mit der Entscheidung, das Campinggebiet in verkleinerter Form weiterzubetreiben, obwohl viele Grundstückseigentümer die neuen Pachtverträge unterschrieben hatten, ging vor anderthalb Jahren eine lange Zeit der Ungewissheit für die Camper zu Ende, die teils seit Jahrzehnten ihre Freizeit „Auf der Au“ verbracht haben und eine entsprechend starke emotionale Bindung zu dem Gebiet haben. Viele hätten innerhalb des Geländes umziehen müssen. Als endlich klar war, wie es weitergeht und wer an seinem angestammten Platz bleiben konnte, seien ihm manche Camper regelrecht um den Hals gefallen, berichtet Just.

Der 39-Jährige selbst, der aus der Nähe von Alzey stammt und mittlerweile in Bobenheim-Roxheim lebt, kommt seit rund zwölf Jahren regelmäßig ins Campinggebiet „Auf der Au“. Für ihn, seine Frau und die beiden Kinder bedeutet es Entspannung pur, dort die Freizeit zu verbringen. Das Gemeinschaftsgefühl und der Zusammenhalt auf dem Campingplatz sind ihm wichtig, sie will er stärken. Und tatsächlich scheint er so ziemlich jeden Camper persönlich zu kennen: „Patrick, wie geht’s?“, ist beim Rundgang über das Gelände immer wieder zu hören.

Dass „Auf der Au“ ein Imageproblem hat, ist ihm klar. Deshalb würde er das Gebiet gerne nach und nach aufwerten. Erschwinglich auch für Geringverdiener soll es bleiben, aber mit einem gewissen Niveau. Stolz zeigt Just eine Parzelle, auf der ein hochwertiger neuer Wohnwagen mitten auf gepflegtem Rollrasen steht. So kann es also auch aussehen „Auf der Au“.

Gruselig: Zustand einiger früherer Parzellen.
Gruselig: Zustand einiger früherer Parzellen.
Gepflegt: Solche Plätze würde sich Patrick Just in größerer Anzahl im Campinggebiet wünschen.
Gepflegt: Solche Plätze würde sich Patrick Just in größerer Anzahl im Campinggebiet wünschen.
Wohnwagenfriedhof: Walter Hey zerlegt alte Wohnwagen.
Wohnwagenfriedhof: Walter Hey zerlegt alte Wohnwagen.
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