Rhein-Pfalz Kreis Café Asyl auch in Mutterstadt
Mutterstadt. Chai-Tee, Kaffee und Kuchen – das neu gegründete Café Asyl hat am Donnerstag zum ersten Mal Flüchtlinge und Mutterstadter Bürger zum Austausch eingeladen. Die Mutterstadter fehlten an diesem Tag noch, aber das Café war gefüllt. Flüchtlinge und ihre Helfer waren gekommen.
„Ich habe zu Hause Deutsch gelernt“, erzählt Shereen Tamo (19). Geholfen haben ihr dabei Kindergeschichten, die sie zusammen mit zwei Betreuerinnen und mithilfe einer syrisch-deutschen Grammatik übersetzt hat. Shereen ist vor zehn Monaten aus Syrien geflohen und sehr ehrgeizig. Sie kann schon fast perfekt Deutsch. Seit einer Woche besucht sie die elfte Klasse der IGS Mutterstadt, später will sie Abitur machen. „Dann möchte ich Medizin studieren.“ Sie freut sich auf die Schule und übt viel. Neben Deutsch lernt sie gerade Französisch und Englisch. Die beiden Sprachen machen ihr ebenfalls Spaß, Englisch benötigt sie überdies für das Abitur. Es sei wichtig, die Landessprache und die Strukturen des Aufnahmelandes zu kennen. Darin sind sich Christine Franz-Yilmaz, Gemeindesozialarbeiterin, und Anette Koudela, Vorsitzende des Arbeitskreises Solidarität und Gemeindediakonin, einig. Denn: Nur so sei Integration möglich. „Ohne Sprachkenntnisse gibt es keine Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und einen Beruf oder eine Ausbildung zu beginnen“, sagt Koudela. Leider dauert es aber mitunter rund ein Dreivierteljahr, bis die Flüchtlinge Deutschkurse besuchen können. Ursache sei oft der Status. Der müsse erst geklärt werden. In puncto Sprachkurse „ist die Versorgungsstruktur auf dem Land schlecht“, beobachtet Franz-Yilmaz. Deshalb bringen in Mutterstadt Ehrenamtliche den Flüchtlingen mithilfe von empfohlenen Lehrmitteln und dem Internet Deutsch bei, bis sie Kurse besuchen dürfen. „Wir haben rund 55 Ehrenamtliche, die sich für die Flüchtlinge engagieren, indem sie Fahrdienste übernehmen, Familien betreuen oder im Café Asyl tätig sind“, sagt Franz-Yilmaz. Eine dieser Ehrenamtlichen ist Alya Calemall. Sie kam aus der Türkei nach Deutschland, als sie sechs Jahre alt war. „Meine Mutter ist Araberin, ich kann kein Türkisch“, bedauert sie. Aber dafür kann sie für Araber übersetzen. „Damals hatten wir keinen Dolmetscher“, erinnert sie sich. „Ich habe schnell Deutsch lernen müssen.“ Nun helfen sie und ihr Mann den Flüchtlingen. Mittlerweile betreut Alya Calemall acht Familien. „Das ist manchmal gut, manchmal traurig.“ Traurig sei sie bei dem Gedanken an eine Familie, deren Abschiebung nun beschlossen wurde. „Die Frau ist hochschwanger.“ Momentan werde wohl geprüft, ob sie flugfähig sei, vermutet Koudela. Das Café Asyl soll ein Begegnungsort für Flüchtlinge und Mutterstadter werden. Hier können sie sich so besser kennenlernen und Vorurteile abbauen, so die Hoffnung der Diakonin und der Sozialarbeiterin. Ehrenamtliche werden die Kinderbetreuung übernehmen. „Die Kinder können malen und basteln.“ Es werden auch Halal-Speisen (für Araber erlaubtes Essen) angeboten. Außerdem gibt Chai-Tee, eine Mischung aus schwarzem Tee und Wasser, der bei Bedarf gesüßt wird. Koudela freut sich über das Engagement der Ehrenamtlichen. „Dass heute so viele da sind, haben wir ihnen zu verdanken. Die Flüchtlinge haben großes Vertrauen in ihre Helfer“, sagt sie. Termin Das Café Asyl in der Jahnstraße 4 hat donnerstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet.