Rhein-Pfalz Kreis Bunte Schals und hartes Eisen
«Schifferstadt.»Schönes soweit das Auge reicht: Zum achten Mal hat am Wochenende der Kunsthandwerkermarkt in Schifferstadt stattgefunden – diesmal mit rund 50 Ausstellern. Sonntagmittag waren zudem die Geschäfte sowie das Ringer- und Heimatmuseum geöffnet. Ein Bummel über Adlerhof, Große Kapellenstraße und Rathausvorplatz.
Der Beulentröster ist der Renner. Beulentröster? Richtig gelesen. Die selbstgenähte Tasche, in die Kühlakkus eingewickelt werden, ist am Stand von Elke Weisbrodt der Renner. Die Deidesheimerin ist zum ersten Mal beim Schifferstadter Kunsthandwerkermarkt dabei – und sehr zufrieden mit dem Zuspruch. „Das sind sehr nette Leute hier in Schifferstadt. Ich werde nächstes Jahr auf jeden Fall wieder kommen“, sagt sie. Unter dem Namen „Elke’s Werkelwerk“ näht sie verschiedene Dekorationsartikel für Kinder und Erwachsene – und eben Beulentröster. Aber auch ihre selbstgemachten Socken sind beim Markt beliebt. Den Erlös des Sockenverkaufs spendet Weisbrodt an das Kinderhospiz in Dudenhofen. „In einem halben Jahr habe ich rund 300 Euro für den guten Zweck gesammelt“, sagt sie. Schon öfter in Schifferstadt dabei war Hans Düschner aus Heidelberg. „Ich bin das fünfte oder sogar sechste Mal dabei“, erzählt er. Er bietet Gebrauchskeramik an. Am heißen Samstag ist zudem seine Kopfdusche sehr beliebt. „Ich musste die Dusche durchgehend bedienen und bei den Leuten für Abkühlung sorgen“, berichtet er. Knuffige Gesellen warten am Stand von Klaus und Leni Berkes auf neue Besitzer. Das Ehepaar aus Worms verkauft unter anderem Teddybären und Kinderkleidung. „Ich bin sehr zufrieden. Es lief dieses Jahr besser wie im vergangenen Jahr“, berichtet Leni Berkes, die die Teddybären selbst herstellt. Bis zu sieben Stunden dauert es, bis ein Plüschtier fertig ist. Ach, es gibt viel zu entdecken bei den rund 50 Ausstellern zwischen Adlerhof, Großer Kapellenstraße und Rathausvorplatz. Beim ersten Markt vor acht Jahren waren es noch 18 Aussteller. Für die achte Auflage in diesem Jahr gingen über 70 Bewerbungen im Rathaus ein. „Wir legen sehr viel Wert auf ein buntes und durchmischtes Programm. Ein zu einseitiges Angebot kann sehr schnell langweilig werden“, beschreibt Katrin Pardall vom Stadtmarketing das Auswahlverfahren. Und wer zwischendurch hungrig wird, findet natürlich auch etwas Passendes. Neben herzhaftem Flammkuchen und süßen Backwaren gibt es zum Beispiel afrikanisch-ghanaische Spezialitäten. Mary Appiah-Schwed aus Viernheim bietet unter anderem Kochbananen, Kokosnussnuggets und Couscous an. Und extra für die Vegetarier gab es „Afrikiko“: Basmatireis mit Kochbananen und Gemüse. Mal was anderes Leckeres. Aber weiter geht es. Ein Schmuckstand darf auf einem Kunsthandwerkermarkt natürlich auch nicht fehlen. Die Goldschmiedin Anja Costabel aus Pforzheim ist zum zweiten Mal dabei. Sie hat hauptsächlich Silberringe im Gepäck. „Ich bin sehr gerne hier in der Pfalz. Die Menschen hier sind sehr gastfreundlich und herzlich“, lobt Costabel die Schifferstadter. Zwischen all den Sachen, die vermutlich vorrangig die Frauenwelt anziehen, kommt der Stand von Tobias Schreck aus Neustadt an der Weinstraße. Der gelernte Metzgermeister ist bereits zum zweiten Mal dabei und bietet „eisenARTiges“ Kunsthandwerk an: von Schildern über Tische bis hin zu Feuersäulen mit verschiedenen Motiven und Schriftzügen. Zum Beispiel: „Annerschdwu is annerschd un halt net wie in de Palz“. Ein Part aus dem inoffiziellen Pfalzlied der „Anonyme Giddarischde“. Schreck verwirklicht auch gerne kreative Ideen der Leute. So gab es für einen Star-Wars-Fan eine Feuersäule mit „Darth Vader“. „Zu mir kam ein Mann“, erzählt Schreck, „und sagte: ,Endlich mal ein Männerstand‘.“ Kunsthandwerk und schöne Dinge sind eben nicht nur was für Frauen.