Meinung
Bundes-DRK stoppt Hilfseinsatz: Pro und Contra
Pro: Geschlossenes Handeln nötig
Das DRK-Generalsekretariat hat das Recht, den Einsatz des Ortsvereins zu stoppen. Es trägt die Verantwortung für Hilfen unter seiner Flagge.
Das Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat den Hilfseinsatz des DRK-Ortsvereins Lambsheim an der polnisch-ukrainischen Grenze untersagt. Das ist sein gutes Recht. Schließlich sind die Bedingungen für DRK-Hilfseinsätze im Ausland verbindlich geregelt. Und wenn etwas beim Einsatz auf eigene Faust schief geht, muss der Dachverband den Kopf hinhalten. Nachvollziehbar, dass er sich diesen Schuh nicht anziehen wollte. Gerade in einem bewaffneten Konflikt im Ausland sind klare Regeln und Strukturen sowie geschlossenes Handeln mit den Schwestergesellschaften gefordert. Gute Absichten reichen in einer akuten Kriegslage nicht. Kleinteilige Hilfen können das Chaos vor Ort sogar erhöhen. Das haben die Freiwilligen bei all dem menschlichen Leid ausgeblendet. Die Ernüchterung kam vor Ort, weil die meisten Ukrainer nicht darauf gewartet hatten, in einen Bus in Richtung Pfalz zu steigen. Dennoch: Die Einsatzbereitschaft der Helfer bleibt bemerkenswert. Das hätte das DRK würdigen und den Lambsheimer Bus an sinnvoller Stelle einbinden sollen. Stefanie Brunner
Contra: Hilfe aktiv verhindert
Ausnahmesituationen und Notlagen erfordern unkompliziertes Handeln. Bürokratie lähmt – auch beim DRK.
Es herrscht Krieg. Menschen sterben. Nicht ausschließlich Soldaten, die Waffen tragen, fallen in den Schlachten von Kiew, Charkiw oder Mariupol. Männer, Frauen, Kinder sterben. Um dem Tod durch Putins Raketen zu entgehen, entscheiden sich viele zur Flucht, inzwischen sind es etwa zwei Millionen. War es Aktionismus des Lambsheimer DRK, einfach drauflos zu fahren, um Flüchtlinge an der Grenze von Polen und der Ukraine abzuholen? Sicher. Aber wann, wenn nicht im Krieg, ist schnelle und unkomplizierte Hilfe angebracht? Ein fehlendes Mandat, das klingt nach schrecklicher Bürokratie weit weg von gelebtem Ehrenamt. Die einfache Rechnung: Mehr Plätze, mehr Menschen. Im Auffanglager gab es genügend, um einen weiteren Bus zu füllen. Auch solche, die nicht in der Pfalz hätten bleiben, sondern weiterreisen wollen. Die Freiwilligen vor Ort haben zu einigen schweren Herzens „Nein“ gesagt und Flüchtlinge zurückgelassen. Sie müssen nun damit leben, diese Entscheidung getroffen zu haben. Man könnte auch sagen: Das Bundes-DRK hat aktiv humanitäre Hilfe verhindert. Sven Wenzel
