Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel „Brotzeit“-Projekt: Ein Frühstück jeden Tag

An der „Brotzeit“-Ausgabe (von links): Schulsozialarbeiterin Christine Lohscheidt , Schulleiterin Katja Antosik, Elisa Pahler, L
An der »Brotzeit«-Ausgabe (von links): Schulsozialarbeiterin Christine Lohscheidt , Schulleiterin Katja Antosik, Elisa Pahler, Laura Zirkowska und Leonidas Koskeridis

Schätzungsweise jedes fünfte Kind kommt in Deutschland ohne Frühstück zur Schule. Doch das muss nicht sein. Der Verein „Brotzeit“ versorgt seit Mitte Januar Schüler der Salierschule in Schifferstadt mit einem kostenlosen, gesunden Frühstück.

Es ist kurz vor halb acht. Silvia Mahr und Heidi Seidler sind dafür verantwortlich, dass es in der Schulmensa so herrlich duftet. Der Toaster läuft nämlich auf Hochtouren. Eine Scheibe nach der anderen springt knackig und gebräunt aus dem Gerät und landet bei Rita Roder und Birgit Bub auf dem Tisch, die fleißig Brote schmieren. Die vier Damen gehören zum sechsköpfigen Frühstückshelferteam des Projekts „Brotzeit“ an der Salierschule in Schifferstadt. Über 50 Doppeldecker werden es am Ende sein. Zwischen Erdbeermarmelade und Käse, Toast- oder Mischbrot können die Schüler am Dienstag wählen. Und einen knackigen Apfel gibt es obendrauf.

Jedes Kind erhält wöchentlich eine Frühstückskarte zum Ankreuzen. Mal steht Vollkornbrot mit Salami, mal Knäckebrot mit Geflügelwurst oder ein Joghurt auf der Speisekarte. Langeweile und Einseitigkeit – Fehlanzeige! „Die Gurken sind der absolute Renner“, berichtet Schulsozialarbeiterin Christine Lohscheidt, die gemeinsam mit zwei Lehrerinnen das schulinterne Frühstücksteam stellt. In Stücke geschnitten gehen sie sprichwörtlich weg wie warme Semmeln. „Die Idee mit den Karten zum Ankreuzen finde ich klasse“, sagt Heidi Seidler, ein alter Hase bei den Frühstückshelfern, denn bevor sie an die Salierschule kam, war sie bereits an der Schlossschule in Ludwigshafen für „Brotzeit“ im Einsatz

1500 Frühstückhelfer

Frühstückshelferin Rita Roder erinnert sich an die Entstehung von „Brotzeit“. „Ich habe damals die Anfänge in München verfolgt“, erzählt die Limburgerhoferin. Als sie dann in der Zeitung gelesen hatte, dass der Verein nun auch nach Schifferstadt kommt, um Kinder mit einem kostenlosen Frühstück in der Schule zu versorgen, wollte auch sie mithelfen. „Ich fand es von Anfang an eine tolle Sache“, erzählt Birgit Bub, während sie Brottüten packt.

Der Verein „Brotzeit“ nahm 2009 in München seine Arbeit auf - mit dem Ziel, den Hunger von Schulkindern zu bekämpfen. Gesicht des Vereins ist die Schauspielerin Uschi Glas (77). Die Salierschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen ist mittlerweile die fünfte Schule in der Pfalz, die vom Verein unterstützt wird. Weitere Projektschulen befinden sich in Ludwigshafen, Speyer und ab März in Frankenthal. „Es dürfen gerne noch mehr Schulen werden“, unterstreicht Elisa Pahler, Projektleiterin für die Förderregion Südpfalz. Deutschlandweit versorgt „Brotzeit“ etwa 11000 Kinder an 283 Schulen täglich mit einem ausgewogenen Frühstück. Die Lebensmittel hierfür werden von Lidl gespendet. Rund 1500 Frühstückshelfer engagieren sich für das Projekt ehrenamtlich. Sie erhalten hierfür eine Aufwandsentschädigung im Rahmen der sogenannten Übungsleiterpauschale.

„Der Bedarf an unserer Schule ist auf alle Fälle da, gerade bei den älteren Schülern“, betont Schulleiterin Katja Antosik. Die 150 Schüler der Salierschule kommen jeden Morgen aus 14 Gemeinden des Rhein-Pfalz-Kreises nach Schifferstadt – einige von ihnen tatsächlich mit leerem Magen. Die Folgen sind bekannt: fehlende Konzentration, aggressives Verhalten, Müdigkeit, und schlechte Noten.

Nicht nur den Bauch füllen

Doch es geht beileibe nicht nur darum, den Bauch zu füllen. Das gemeinsame Frühstück ist weit mehr: Das Miteinander, der Austausch untereinander ist mindestens genauso so wichtig. „Regelmäßig wird von den Schülern vorgeschlagen, vor den Ferien ein gemeinsames Frühstück zu machen“, betont Antosik. Coronabedingt werden die Kinder derzeit mit Frühstückstüten versorgt, doch sobald es möglich ist, dürfen sich die Schüler von einem Büffet bedienen. Wo das dann aufgebaut werden soll, dazu hat die Schulleiterin auch schon eine Vorstellung. „Im langgezogenen Flur oder im Foyer würde es sich gut machen.“ Dann werden die Frühstückshelferinnen nicht nur das Essen zubereiten, sondern im Idealfall auch ein offenes Ohr für ihre kleinen Gäste haben und damit sozusagen als „Ersatz-Oma“ fungieren. Ganz im Sinne von „Brotzeit“.

Momentan holt der Frühstücksdienst einer jeden Klasse die nach den individuellen Wünschen der Kinder belegten Brote bei den Helferinnen ab. Leonidas Koskeridis – „Sie können mich auch Leo nennen“, sagt sie mit einem Lachen – und Laura Zirkowska erscheinen um Punkt 8.20 Uhr am geöffneten Fenster des Raumes, in dem die Kisten auf ihre frühstückhungrigen Abnehmer warten. In einem ersten Schritt werden die älteren Jahrgänge der Salierschule versorgt, in den nächsten Wochen kommen die übrigen Klassenstufen hinzu.

Noch Fragen?

Der Verein „Brotzeit“ sucht weitere Ehrenamtliche. Kontakt: Elisa Pahler, Projektleitung Förderregion Südpfalz, Telefon: 0176 34532527, E-Mail: pahler@brotzeit.schule

In der „Frühstücksbrot-Werkstatt“ (von links): Elisa Pahler, Projektleiterin „brotZeit“, sowie Silvia Mahr, Heidi Seidler, Birgi
In der »Frühstücksbrot-Werkstatt« (von links): Elisa Pahler, Projektleiterin »brotZeit«, sowie Silvia Mahr, Heidi Seidler, Birgit Bub und Heidi Roder.
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