Dudenhofen
Breite Zusammenarbeit statt feste Koalition gewünscht
Einerseits hat die Ampel in Dudenhofen keine Mehrheit mehr, andererseits kommen auch CDU und FWG alleine nicht auf über 50 Prozent der Ratssitze. Nur wenige Wochen Zeit blieben den Parteien ursprünglich, sich auf neue Formen der Zusammenarbeit zu verständigen. Als „sehr stramm“ bezeichnete Jürgen Ofer, der für die CDU (sieben Sitze) in den Rat einzieht, den Zeitplan bis zu der konstituierenden Sitzung des Ortsgemeinderats. Diese war für Donnerstag, 4. Juli, geplant. Am Dienstagnachmittag ist laut Ortsbürgermeister Jürgen Hook (SPD) allerdings die Entscheidung gefallen, sie wegen des Brands im Serverraum des Rathauses am Montag zu verschieben. Laut Büroleiter Christian Schreiner wird die Sitzung erst nach den Sommerferien stattfinden.
Für die CDU werden dann laut Ofer alle gewählten Kandidaten auch tatsächlich in den Rat einziehen. Zu möglichen Koalitionen sagt er. „Wir haben als CDU alle im Ortsgemeinderat vertretenen Parteien zu Sondierungsgesprächen eingeladen.“ Deren Ergebnisse müssten dann ausgewertet und den Parteigremien zur finalen Abstimmung vorgelegt werden.
Auch die SPD mit ihren sieben Sitzen versucht, Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten, nachdem es trotz Zugewinnen wegen der Verluste von Grünen und FDP nicht mehr zur Ampel-Mehrheit reicht. „Durch das Erreichen eines zusätzlichen Sitzes im Gemeinderat haben wir einen klaren Arbeitsauftrag erhalten“, sagt Simone Radler für die SPD-Fraktion. Aktuell führe die Partei mit allen gewählten Parteien und Fraktionen Gespräche und versuche Schnittmengen herauszufinden. Das Parteibuch soll nach Radlers Ansicht keine Rolle spielen: „Für uns gilt, ein guter Antrag oder Vorschlag, der unser Dorf nach vorne bringt, ist eine gute Idee für unser Dorf – egal aus welcher Fraktion er gestellt oder gemacht wurde.“
„Sachorientiert entscheiden“
Eine feste Koalition von CDU oder SPD mit der bislang oppositionellen und nun erstarkten FWG (vier Sitze) plus gegebenenfalls einem weiteren Partner wird es wohl nicht geben. Denn die Freien Wähler habe sich zwar mit allen Fraktionen ausgetauscht, teilen aber mit: „Wir werden keine Koalition oder feste Zusammenarbeit mit einer anderen Fraktion eingehen. Unser Ziel ist es, rein sachorientiert bei den einzelnen Themen zu entscheiden.“ Es gebe für die FWG-Ratsmitglieder auch keinen Fraktionszwang. „Wir werden alle sinnvollen Anträge im Gemeinderat – unabhängig von welcher Fraktion – unterstützen und erwarten dies auch von den anderen Akteuren bei unseren Ideen“, erklärt die FWG. Einen Kandidaten für ein Beigeordneten-Amt wollen sie voraussichtlich nicht stellen. Die Fraktion soll Fabienne Körner führen mit Jens Hoffmann als Stellvertreter. Alle Gewählten nähmen ihr Mandat an. Inhaltlich wollen die Freien Wähler kurzfristig den Beschluss eines Straßenausbauprogramms und die ganzheitliche Betrachtung der gemeindeeigenen Grundstücke vorantreiben.
Die Grünen (drei Sitze) freuen sich laut Vorstandssprecher Felix Goldinger „darauf, die gute Zusammenarbeit mit Ortsbürgermeister Jürgen Hook fortzusetzen“. Doch sagt er auch: „Wir haben gleichzeitig verstanden, dass die Wählerinnen und Wähler nun eine neue Form der Zusammenarbeit wünschen. Daher gehen wir in den Sondierungsgesprächen offen auf die FWG und die CDU zu.“ Ziel sei es, eine möglichst breite und fraktionsübergreifende Zusammenarbeit zu ermöglichen, um die besten Ergebnisse für Dudenhofen zu erzielen. In den Sondierungsgesprächen wollen sich die Grünen dafür einsetzen, dass ihr Mitglied Reinhard Burck wieder als erster Beigeordneter mit Geschäftsbereich gewählt wird. Inhaltlich wollen sich die Grünen unter anderem für einen eigenen Ausschuss für Verkehr und Mobilität einsetzen. Alle gewählten Mitglieder unserer Partei haben das Mandat angenommen, Goldinger wird die Fraktion führen.
Zünglein an der Waage bei Mehrheitsbildungen könnte Jürgen Creutzmann sein. Das FDP-Urgestein ist vom letzten Listenplatz auf Platz eins gewählt worden. Er wäre der einzige Vertreter der Liberalen im Rat. „Für das schlechte Abschneiden der FDP in Dudenhofen übernehme ich selbstverständlich die Mitverantwortung, aber ich werde wie in der Vergangenheit den Wählerwillen respektieren und das Ratsmandat annehmen“, sagt Creutzmann. Dass die Partei einen Sitz im Rat verloren hat, findet die FDP-Vorstandschaft um den Römerberger Justus Rabe laut einer Pressemitteilung „bedenklich“. „Das Ergebnis in Dudenhofen ist für uns Anlass, unsere Strategie zu überdenken und unsere Stärken weiter auszubauen“, teilt die Partei mit.