Maxdorf
Bodenschwellen im Heideweg: Hügelige Diskussionen
Zwischen drei und vier Minuten braucht Jochen Glatt vom Ortsausgang Lambsheim, bis er die ersten Häuser in Maxdorf erreicht. Seit zwölf Jahren fährt der Lehrer dazu den Heideweg nahezu jeden Tag mit dem Fahrrad, um an das Lise-Meitner-Gymnasium zu kommen. Auch viele Schüler sind hier morgens und mittags unterwegs. Nach den Sommerferien wollte Glatt aber seinen Augen kaum trauen, sagt er. Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Maxdorf hat auf der Strecke eine mehrere Zentimeter hohe Bodenschwelle installiert. Sie reicht über die gesamte Breite der Fahrbahn und soll die Autos zum Bremsen bewegen. „Dass diese auch die eigentlichen Benutzer der Straße, nämlich die Fußgänger, Fahrrad-, Rollstuhl- und Rollatorfahrerinnen und -fahrer behindert, hat in der Verwaltung wohl niemanden gestört“, sagt Glatt. „Das Wichtigste war wohl, dass die Sache vom Tisch beziehungsweise von der Straße ist.“
Seit geraumer Zeit ist der Heideweg Thema in Maxdorf. Wobei es meist um die Verlängerung geht, die außerhalb des Ortes verläuft. Viele Autofahrer nutzen die Strecke als Abkürzung nach Lambsheim oder zur Kreisstraße 2, fahren dann über die Voltastraße in das Industriegebiet. Sie meinen, so die vielbefahrene Hauptstraße durch das Dorf umgehen zu können. Auch in der Voltastraße wartet nun eine Bremsschwelle auf die Fahrer. Dabei zeigt schon ein Schild am Maxdorfer Ortsausgang, dass motorisierte Verkehrsteilnehmer in diesem Gebiet nichts zu suchen haben. Land- und forstwirtschaftlicher Verkehr sind frei, zudem dürfen nur Fahrräder und Anlieger passieren. Anlieger, das sind Besucher des Schwimmbads Heidespaß, der Vereine und Wirtschaften, die am Weg liegen – oder Bürger, die ihren Grünabfall zur Sammelstelle bringen. Lieferwagen oder Postautos gehören eher weniger dazu. Anwohner des Heidewegs beobachten auch viele „auswärtige“ Kennzeichen an den Autos, die mitunter von ihren Navigationsgeräten auf den illegalen Schleichweg geleitet werden.
Politik diskutiert den Weg häufig
Lena Krienke und Elmar Stein wohnen im Heideweg. Sie setzen sich für die Belange der Anwohner ein. Denn wenn die Straße außerhalb des Orts stark befahren ist, ist auch auf der relativ schmalen Straße im Dorf viel los. Die wenigsten würden sich an Tempo 30 halten, sagen die beiden, die Rechts-vor-links-Regelung würde nur bedingt helfen. Manchmal stellen einige Menschen, die hier leben, ihr eigenes Auto als Hindernis an den Straßenrand. Alles, damit die Autos langsamer fahren. Über ihr Anliegen haben sich Krienke und Stein schon öfters mit der Polizei und Ortsbürgermeister Werner Baumann (CDU) ausgetauscht. Der sagt: Regelmäßige Kontrollen obliegen der Polizei. „Wir können die Durchfahrt nur so unattraktiv wie möglich machen.“ Schikanen für den Schleichweg sozusagen.
Die politischen Gremien Maxdorfs haben die Situation im Heideweg mehrfach diskutiert. Zugleich haben Verwaltung, Anwohner und Polizei gemeinsam nach Lösungen gesucht, versichert Michael Niederberger (CDU), Beigeordneter der Verbandsgemeinde und zuständig für das Ordnungsamt. Zum einen wurde das Tempolimit im Heideweg außerhalb des Orts von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert. Die Speedbumper sollen die Geschwindigkeitsreduzierung unterstützen. Vor Ort zeigt sich: Tatsächlich bremsen die Autofahrer massiv ab, bevor sie über die kleinen Hügel rollen, sowohl im Heideweg als auch in der Voltastraße. „Im Vorfeld hatten wir uns im Ordnungsamt darüber unterhalten, welche Art von Bodenschwellen wir benutzen sollen“, sagt Niederberger. Es gibt verschiedene Modelle und Hersteller. „Wir haben uns dann für die stabilere, sicherere, allerdings auch teuerere Variante entschieden, die sogenannten Berliner Kissen.“ Bei anderen Bodenschwellen wäre die Gefahr zu hoch gewesen, dass Radfahrer stürzen könnten.
„Unschuldige“ bestraft?
Dass die Verwaltung reagiert hat, freut auch die Anwohner, Krienke und Stein sagen aber auch: „Leider stellen wir fest, dass vor allem der Berufsverkehr morgens und nachmittags nicht merklich abgenommen hat.“ Auch an das Tempolimit würden sich nicht alle halten. Sie hätten beobachtet, dass die meisten „eher kurz vor der Erhöhung abrupt bremsen und danach wieder stark beschleunigen“. Teilweise würden Autofahrer auch verärgert reagieren, Radfahrer und Fußgänger würden mitunter „dumm angemacht“ werden, erzählen die beiden. Dennoch hoffen die beiden, dass noch mehr gemacht wird, um die Verkehrssituation im Heideweg zu beruhigen, eine dritte Bodenschwelle wäre wünschenswert, sagen sie.
Dabei stimmen die bisherigen Lösungen auch in der Maxdorfer Politik nicht alle zufrieden. Immer wieder sind die Speedbumper Thema in den Ausschüssen und im Ortsgemeinderat. Christopher Huch (SPD) etwa findet es nicht gut, dass die Berliner Kissen exakt so breit wie die Fahrbahn sind. Damit äußert er dieselbe Kritik wie Lehrer Jochen Glatt. „Weil hier zu viele Autos unberechtigt durchfahren, bestraft man auch die Unschuldigen mit“, sagt er. „Warum hält man bei der Bodenwelle nicht zumindest rechts und links eine kleine Spur frei, durch die man leicht fahren kann?“
Sie finden ihren Weg
Mit diesem Gedanken hat sich die Verwaltung auseinandergesetzt – bevor die Schwellen montiert wurden. „Da die Fahrbahnränder allerdings unbefestigt sind und wir an der Stelle der Berliner Kissen keine Straßenleuchten haben, haben wir davon abgesehen, um Stürze zu vermeiden“, sagt Niederberger. „Der Fahrradfahrer kann gefahrlos über diese Hindernisse fahren, muss aber sicher dabei auch langsamer fahren.“ Ortsbürgermeister Baumann sieht die Sache ähnlich und befürwortet die breiten Schwellen. Mehr noch: Er geht davon aus, dass die Autofahrer rechts und links daneben vorbei fahren würden, wären die Hügel ein wenig schmaler. Und tatsächlich: Der bisherige Grünstreifen neben der Fahrbahn ist schon jetzt, kurze Zeit nachdem die Schwellen da sind, verschwunden. Statt Rasen ist dort nur noch Erde zu sehen. Autofahrer scheinen sich eben immer ihren Weg zu suchen.