Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bobenheim-Roxheim: Wildvogel-Auffangstation plant neue Projekte

Die Quarantänestation der Wildvogel-Auffangstation soll im Frühjahr in Betrieb gehen. Alina Ronacher, Jörn Weiß, Sarah Tretter u
Die Quarantänestation der Wildvogel-Auffangstation soll im Frühjahr in Betrieb gehen. Alina Ronacher, Jörn Weiß, Sarah Tretter und Lara Kochmann (von links) freuen sich auf diese Verbesserung. Foto: BOLTE

Auf den Höhepunkt ihrer Adventsveranstaltung auf dem Nonnenhof mussten die Helfer der Wildvogel-Auffangstation am Sonntag verzichten. Denn die Einweihung der dringend benötigten Quarantänestation verzögert sich.

Schleiereule, Rabenkrähe und Taube – die gefiederten Patienten haben während ihres Genesungsaufenthaltes auf dem Nonnenhof einige Federn gelassen. Hinter Glas im Bilderrahmen arrangiert wurden sie am Sonntag beim Adventsmarkt in der Wildvogel-Auffangstation verkauft. Beliebt war bei den mehr als 200 Besuchern aus Frankenthal und Umgebung vor allem das Winterfutter für Wildvögel: in Herzform gepresste Energiespender aus Pflanzenfett, Haferflocken und Nüssen.

Adventsstimmung schaffte Vereinsfreund Ludwig Thomalla mit Musik am E-Piano. An den vier Pavillons unter freiem Himmel gab es neben Gaumenfreuden eine Tombola zugunsten der Vereinskasse sowie eine Waffel- und eine Wappenbude. Letztere hatte Helfer Thorsten Scheuermann aus Ludwigshafen mitgebracht. Der Hobbyhandwerker bot aus Sperrholz gesägte und bemalte Wappen Pfälzer Ortschaften an, darunter das von Bobenheim-Roxheim.

Ein Herz für Stadttauben

Mit der Sammelbüchse waren Alina Ronacher und Lara Kochmann auf dem Fest unterwegs. Die Freundinnen mit Herz für Stadttauben erklärten den Besuchern, weshalb gerade diese Vögel besonderen Schutz benötigen. „Sie waren früher Brieftauben und sind verwilderte Haustiere – wie in anderen Ländern die streunenden Hunde“, weiß die siebenjährige Alina. „Stadttauben können ohne Hilfe des Menschen nicht überleben.“

Am Abend erwarte ihre Familie einen besonderen Gast, berichtet Alina Ronacher: Täuberich Egon. Er wurde, als er verletzt in die Kirche spazierte, vom Küster des Wormser Doms gerettet. Nach einem Zwischenstopp bei Stationsleiterin Sarah Tretter zieht der pflegebedürftige Vogel nun zu den Ronachers, die ihn aufpäppeln. Danach kommt er in eine Voliere der Auffangstation, um sich wieder an das Leben ohne menschliche Nähe zu gewöhnen.

Quarantänestation erleichtert Vereinsarbeit

„Eine Quarantänestation ist nötig, um die Neuzugänge zu isolieren und zu schauen, ob sie ansteckende Krankheiten haben, etwa die Vogelgrippe“, erläuterte Sarah Tretter. Bislang hatte man sich damit beholfen, verletzte Wildvögel von den Mitgliedern daheim betreuen zu lassen. „Mit der Quarantänestation werden die Wege für Helfer und Patienten kürzer“, sagte Vereinsvorsitzender Jörn Weiß.

Geplant sei, dass die Vögel nach ihrer Ankunft auf dem Nonnenhof zunächst in drei isolierten Räumen mit zwölf gefliesten Boxen untergebracht sind, wo sie von einem Tierarzt untersucht werden. Danach werden sie wie bisher auch bei den Mitgliedern, die sich Päppler nennen, gepflegt und anschließend ausgewildert.

Die Materialkosten für den seit Sommer laufenden Umbau in einem der Lagerhäuser des Heyl’schen Landguts Nonnenhof belaufen sich auf etwa 2500 Euro. Sie werden von Pfarrerin Ina Claus aus Nackenheim und ihrer Stiftung „Unsere Erde“ übernommen. „Wir hatten Probleme mit Beleuchtung und Elektrik, und es fehlen der Putz und ein Waschbecken“, erläuterte Tretter, warum die Quarantänestation frühestens im März in Betrieb gehen kann. „Dann kommen die ersten verletzten Jungvögel.“ Als nächstes will der Verein eine Voliere mit Teich für Wasservögel bauen.

Greifvögel haben’s im Winter schwer

Derzeit ist es in den Volieren auf dem Nonnenhof ruhig, nur 13 Stadttauben sind zu Gast. Die meisten bekommen ihr Gnadenbrot, weil sie unheilbar krank sind. Zuletzt hatte Jörn Weiß einen Mäusebussard in Pflege: „Er wurde mit blockierten Nervenbahnen an einer Straße gefunden und musste physiotherapeutisch behandelt werden.“ Besonders Greifvögel und Eulen litten in der kalten Jahreszeit. „Denn sie können wegen eines fehlenden Enzyms keine Fettreserven aufbauen und brauchen täglich Nahrung“, so Weiß. Daher hockten Greifvögel im Winter oft am Straßenrand und suchten nach von Autos überfahrenen Tieren. Befinden sie sich aber in der Nähe von schnell vorbeifahrenden Autos, können sie vom Fahrtwind mitgezogen werden und sich verletzen.

Noch Fragen?

Weitere Infos zur Wildvogelauffangstation gibt es im Netz unter wvas-nonnenhof.de. Telefonisch ist die Station täglich zwischen 9 und 11 sowie 17 bis 20 Uhr erreichbar unter 0176 21867237 oder per E-Mail an wvas_nonnenhof@web.de.

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