Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bobenheim-Roxheim: Spediteur nutzt Firmengelände für Imkerei

Spediteur Nedo Drvar am Bienenstock. Er sei süchtig nach diesem Hobby, sagt er. Foto: BOLTE
Spediteur Nedo Drvar am Bienenstock. Er sei süchtig nach diesem Hobby, sagt er.

Über 100.000 Mitarbeiter hat Nedo Drvar in seinem Logistikunternehmen in Bobenheim-Roxheim. 17 davon sind Lkw-Fahrer und transportieren Güter im Umkreis von rund 100 Kilometern. Die übrigen legen höchstens fünf Kilometer im Flug zurück. Dabei transportieren sie jeweils 30 Milligramm Nektar. Um seinen stressigen Alltag zu entschleunigen, betätigt sich Drvar auf dem Gelände von nd-logistik seit vier Jahren als Hobbyimker.

„Die haben eine Superlogistik, da kommen wir Menschen nicht nach. Bienen sind perfekt organisiert“, schmunzelt Nedo Drvar und führt uns zu seinen produktivsten Mitarbeitern: 13 Bienenvölker in auf Europaletten gelagerten Bienenhäusern. Doch zunächst machen wir Halt in einer Garage, wo wir uns weiße Schutzanzüge überstülpen. Die engen Bündchen und der Kopfschutz, der der einer Fechtmaske ähnelt, sollen verhindern, dass uns die Bienen stechen. Mit einem mulmigen Gefühl folgen wir dem gelernten Kfz-Mechaniker auf seiner Bienenrunde, in die er täglich eine Stunde Zeit investiert.

An den Stöcken ist ein Summen und Brummen wie an der Autobahn. Den Smoker hat Drvar mit zerhäckselten Baumpilzen bestückt. Er zündet ihn an und fächelt die würzigen Rauchschwaden vor das Flugloch von Kasten Nummer fünf. „Die Bienen spüren den Rauch und flüchten instinktiv“, erklärt der 48-Jährige. Er hebt den Deckel und holt mit ruhigen Handbewegungen einen mit Waben bedeckten Rahmen heraus. Etwa 50 Bienen krabbeln noch auf den goldenen Waben herum, die mit weißem Bienenwachs überzogen sind – eine Art natürlicher Deckel. Mit einem Besen kehrt Drvar die Bienen vorsichtig ab und lässt uns von dem jungen Honig naschen. Mmm, die frische aromatische Süßigkeit zergeht auf der Zunge.

Einen Teil des Honigs verschenkt Nedo Drvar an Kunden

Was motiviert einen Logistiker, Bienen zu halten? „Ich leiste einen Beitrag gegen das Insektensterben“, antwortet Nedo Drvar. Außerdem sei das Hobby sehr entspannend, „und man ist viel in der Natur“, schwärmt der gebürtige Mannheimer mit serbischen Wurzeln. Seine Eltern sind in der Heimat in Banja Luka mit Honigbienen aufgewachsen. Ein befreundeter Hobbyimker aus dem Odenwald habe ihn mit der Passion angesteckt und zu einem Imkerkurs überredet. „Jetzt ist die Imkerei mein Freizeitvergnügen und hat mich regelrecht süchtig gemacht. Der Honig ist ein tolles Geschenk für Kunden, und meine Familie liebt ihn.“ Drvar selber isst ihn am liebsten im Müsli. „Durch das Hobby habe ich wohl ein wenig zugenommen“, sagt er mit Blick auf seine Taille.

Bei aller Entspannung – gefährlich sei das Hobby schon ein wenig, wegen der Stiche. Im Vorjahr hatten ihn Bienen zweimal im Gesicht erwischt, „da haben mich die Kunden fast nicht mehr erkannt“. Bei Stichen an Armen und Händen schwört er auf sein Patentrezept: „Man nimmt einen harten Gegenstand, etwa eine Kreditkarte, und schnippt damit den Bienenstachel aus dem Stich.“ So könne sich das Bienengift nicht im Körper ausbreiten. Doch jeder Imker habe da einen anderen Tipp. Nedo Drvar weiß von Kollegen, die ihre Stiche mit Essig oder eingeweichtem Aspirin behandeln und mit Bananenschalen einreiben.

Aus dem Bienenwachs stellt der Unternehmer Kerzen für eine serbisch-orthodoxe Gemeinde her

Der Unternehmer hat sich auf die grau bis braun gefärbte Bienenrasse Carnica spezialisiert, die unter den europäischen Honigbienen als besonders sanftmütig und fleißig gilt. Rund 80 Kilogramm Honig haben ihm diese Tiere im Vorjahr eingebracht – für seine Völker war der heiße Sommer ertragreicher als für die meisten Landwirte. Am aufregendsten ist für ihn immer der Moment, wenn ein Volk anfängt zu schwärmen. In der klassischen Schwarmzeit Mai und Juni hat Nedo Drvar drei Schwärme wieder eingefangen, die ein neues Volk bildeten. Sie hingen traubenförmig in den benachbarten Kirschbäumen und wurden von ihm in einen Bienenkasten geschüttelt.

Die Waben an einigen Bienenstöcken sind voll, stellt der Spediteur bei seinem Rundgang fest. „Ich werde mit meiner Frau Radana am Wochenende Honig schleudern müssen.“ Das geschieht im alten Waschraum mit Handschleuder und Abfüllanlage. Den Wassergehalt hat Drvar bereits mit einem Refraktometer gemessen. „Er liegt unter den vorgeschriebenen 18 Prozent, also können wir schleudern.“ Die verbrauchten Waben wandern später in einen von Drvar selbst gebauten Sonnenwachsschmelzer, ein schräg gelagerter Eisenkasten, der sich bei Sonne so stark aufheizt, dass das Bienenwachs in eine Auffangwanne abfließt. Drvar formt daraus Kerzen, die er der serbisch-orthodoxen Gemeinde in Mannheim stiftet.

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