Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bobenheim-Roxheim: Seltener Flußregenpfeifer brütet am Altrhein

Mit dem braunen Rücken, dem schwarzen Halsband und der weiß gefärbten Unterseite ist der Flußregenpfeifer ein eher unauffälliger
Mit dem braunen Rücken, dem schwarzen Halsband und der weiß gefärbten Unterseite ist der Flußregenpfeifer ein eher unauffälliger Vogel.

Kleinkinder robben am Badestrand des Silbersees durch den Sand. Nordöstlich – am Kieswerk – flitzt ein kleiner Geselle über den Sand: Der Flußregenpfeifer sucht eine Bodenmulde für sein Nest. Doch der kurzschnabelige Watvogel hat es schwer, hier eine Familie zu gründen, denn Bagger und Badegäste gefährden die Gelege.

Ruhiger ist es am hinteren Roxheimer Altrhein. Dort hat Thomas Dolich aus Neuhofen von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) vor einigen Wochen einen für Vogelkundler schönen Verdacht geschöpft, einen Brutverdacht. „Dort wurden bis zu 15 Exemplare beobachtet, die gebalzt und sich gepaart haben“, erzählt der Vogelkundler. Dolich hofft auf Nachwuchs, der bis in den Juli hinein in flachen offenen Bodenmulden ausgebrütet wird. Die braunen Eier sind gesprenkelt und vom sandigen Untergrund kaum zu unterscheiden.

Besonders stilvoll gestaltet sich die Balz der Männchen nicht gerade. Denn sie treten ihre Auserkorene recht unfein ins Hinterteil. Sind die Jungen geschlüpft, werden die besorgten Eltern zu meisterhaften Schauspielern. Nähert sich ein Feind, lassen sie einen Flügel hängen, als ob er verletzt wäre und locken den Angreifer hüpfend weg vom Nest. „Verleiten“ nennen die Ornithologen dieses Ablenkungsmanöver. Die Jungvögel sind gerade mal zwei bis drei Zentimeter groß. Bei Maxdorf konnte Dolich sie schon sichten. „Ein ganz faszinierendes Erlebnis. Die putzigen Wollknäuel ducken sich, wenn man sich nähert und vertrauen auf ihre Tarnung“, berichtet der Vogelkundler.

Vogel auf der Roten Liste

Der in Rheinland-Pfalz auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehende Flußegenpfeifer kommt auf Schlamm-, Sand- und Kiesflächen fast überall in Europa vor. Er überwintert meist in Afrika. Seitdem der Mensch die natürlichen Flussläufe begradigt hat, sind Ton- und Kiesgruben zu seinen Ersatzlebensräumen geworden. Die letzte Brut am Silbersee haben Ornithologen vor acht Jahren beobachtet, dieses Jahr klappt es hier wohl nicht mit dem Nachwuchs, schätzt Dolich. Nach Rheinland-Pfalz kommen jährlich 50 bis 150 Brutpaare, für ganz Europa liegen die Schätzungen bei 110.00 bis 240.000 Paaren.

Scheuer Badegast

Neben dem Kiebitz ist der Flußregenpfeifer der einzige Watvogel, der im Silberseegebiet brütet. Laut Dolich lassen sich dort im Herbst und im Frühjahr noch einige andere Watvogelarten, etwa Sandregenpfeifer, Bruchwasserläufer, Waldwasserläufer, Rotschenkel, Grünschenkel und Kampfläufer, nieder. Typisch für diese Vögel sind die langen Beine, mit denen sie gut in Schlick und seichtem Wasser umherwaten können. Hier findet der Flußregenpfeifer Würmer, Spinnen, Insekten, Larven und Weichtiere. Der scheue Badegast bringt schlappe 25 bis 55 Gramm auf die Waage und kommt den Ornithologen meist nur durch das Spektiv mit 20-facher Vergrößerung vor die Linse. Mit seinem braunen Rücken, dem schwarzen Halsband und der weiß gefärbten Unterseite ist er ein eher unauffälliger Vogel und leicht zu verwechseln mit dem Sandregenpfeifer, der ein wenig kräftiger gebaut ist und dem die charakteristischen gelben Augenringe fehlen.

Nils berichtet: Tierische Wetterboten

Kurz bevor es regnet, singt der Flußregenpfeifer sein „Piu“ und „Pri“ besonders laut. Daher kommt sein Name. Boten für schlechtes Wetter sind auch Grillen und Salamander. Bei Regen tauchen sie auf, um fette Beute zu machen. Die Kröten machen es genauso, denn sie haben eine besonders empfindliche Haut, die sie vor der Sonne schützen müssen. Die Regenjacke könnt ihr zu Hause lassen, wenn sich die Laubfrösche blicken lassen. Dann kommt nämlich gutes Wetter, bei dem sie besonders viele Fliegen fangen können. ous

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