Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bobenheim-Roxheim: Schwan nach Hundeangriff qualvoll verendet

Der verletzte Schwan beim Tierarzt: Die pulsierende offene Wunde sei die Hauptschlagader, meint Sarah Tretter.
Der verletzte Schwan beim Tierarzt: Die pulsierende offene Wunde sei die Hauptschlagader, meint Sarah Tretter. Foto: Tretter/Frei

Es war ein erfolgloser Einsatz der Wildvogel-Auffangstation, nachdem sie am Mittwoch an den Altrhein gerufen worden war: Der Schwan, der offenbar seit Tagen schwer verletzt auf einem Spazierweg saß, war nicht mehr zu retten. Alles sieht danach aus, als habe erneut jemand gegen die Anleinpflicht für Hunde verstoßen.

„Es darf einfach nicht sein, dass so etwas immer wieder passiert, bloß weil Leute ihren Hund nicht im Griff haben!“ Sarah Tretter, die Stationsleiterin auf dem Nonnenhof, wo kranke Wildvögel gepflegt werden, ist richtig wütend. Sie spricht von einer Verrohung der Gesellschaft. Nicht allein, dass es immer mehr Hundehaltern egal sei, ob ihr Haustier in der Natur andere Tiere töte, man müsse auch noch Angst haben, einen solchen Halter darauf anzusprechen.

Im sensiblen Landschaftsschutzgebiet am Altrhein in Bobenheim-Roxheim ist es verboten, einen Hund frei laufen zu lassen. Daran halten sich aber nicht alle Zeitgenossen beim Gassigehen. Die Jägerin und Wildvogelfachfrau Sarah Tretter ist überzeugt davon, dass ein solcher Hundehalter den ausgewachsenen Schwan auf dem Gewissen hat, den sie mit einer Kollegin am Mittwoch ins Auto packte und zum Tierarzt brachte. Ein Spaziergänger hatte den Vogel zerrupft, blutend und am Ende seiner Kräfte auf dem Weg zwischen Kleinerweiher und Altrhein bemerkt und die Vogelretter angerufen.

Das Tier wies laut Tretter etliche Bissstellen auf

Der Anblick sei schrecklich gewesen, berichtet Tretter. Der Hals blutig, viele Bissstellen, das Gefieder schon voller Fliegen, die Aorta perforiert ... „Der Angriff muss da etwa zwei bis drei Tage her gewesen sein“, sagt Tretter. Ein Fuchs könne das nicht angerichtet haben, meint sie. „Der hätte getötet, um zu fressen, aber nicht den Schwan verletzt zurückgelassen.“ Im Gebüsch an einem nahen Tümpel sei alles voller Federn gewesen, dort müsse der Angriff stattgefunden haben. „Vielleicht war der Vogel krank und geschwächt und konnte sich gegen den Hund nicht so wehren, wie man das sonst von Schwänen kennt. Oder der Hund war wildscharf.“

Zu einer Operation in der Tierarztpraxis ist es nicht mehr gekommen. Der Schwan verendete vorher. Die Leiterin der Vogelauffangstation glaubt nicht, dass sich der betreffende Hundehalter zu erkennen geben wird. Und auch nicht, dass sich Zeugen melden. Warum nicht? „Es müssen ja bis zum Mittwoch etliche Leute an dem verletzten Schwan vorbeigekommen sein. Aber bis auf den einen Passanten war es wohl allen egal.“

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