Rhein-Pfalz Kreis
Bobenheim-Roxheim: Rund 40 Silberreiher kommen regelmäßig an den Altrhein
Der komplett weiß gefiederte Silberreiher ist der größte Vogel an Silbersee und Altrhein. Besonders im Herbst sieht man ihn dort häufig. Aber: Erst wenn er dort auch brütet und damit ganzjährig bleibt, kann man sagen : Er ist dort heimisch.
„Wow, ein Storch!“, ruft ein Bub begeistert und zeigt auf einen mächtigen Vogel, der über dem Bobenheim-Roxheimer Silbersee kreist. Nein, das ist nicht Meister Adebar, sondern ein Silberreiher. Etwa ein Jahrhundert galt der schneeweiße Schreitvogel im Südosten Europas als ausgerottet. Jetzt kehrt er zurück und breitet sich sogar nach Nordwesten bis in unsere Region aus. Doch auf einen Bruterfolg warten die Vogelexperten in der Pfalz bis heute.
„Spaziergänger verwechseln die Silberreiher aus der Ferne oft mit Störchen“, weiß Thomas Dolich aus Neuhofen von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (Gnor). Doch wer mit dem Fernglas unterwegs ist, erkennt den Weißstorch an den schwarzen Schwungfedern, während das Gefieder des Silberreihers vollständig weiß ist. Mit seiner Körperlänge von bis zu 100 Zentimetern ist er am Silbersee der größte Vogel, dicht gefolgt von Weißstorch und Graureiher.
Mit den Schwungfedern dieser Vögel wurden früher Hüte geschmückt
Silberreiher gibt es im Gegensatz zu anderen Reiherarten auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Ihre Anzahl schätzt die Weltnaturschutzunion auf bis über zwei Millionen. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Silberreiher aus vielen Brutgebieten Europas verschwunden. Wegen seiner prächtigen Schwungfedern. „Bei den Damen war es schick und edel, den Hut mit solchen Federn zu schmücken“, sagt Dolich. Als Federhüte aus der Mode kamen und mehr für den Umweltschutz getan wurde, erholten sich die Bestände.
Der Klimawandel begünstigte die Rückkehr der weißen Riesen, die ihre Überwinterungsgebiete weiter in den Norden ausbreiten konnten. Der Vorteil liegt auf der Hand: Kürzere Zugstrecken bedeuten einen geringeren Energieaufwand und minimieren die Gefahren von langen Vogelzügen. Damit die Fischfresser ihren Nahrungsbedarf auch im Winter bei zugefrorenen Seen decken können, haben sie ihren Speisezettel erweitert und jagen nun auch Mäuse. Deshalb sieht man Silberreiher in der kalten Jahreszeit auch auf Feldern.
„Ende der 1990er-Jahre kamen die ersten Silberreiher nach Rheinland-Pfalz, die Zahlen steigen“, berichtet Thomas Dolich. Im Herbst leben hier die meisten Vertreter – zwischen 150 und 400 Exemplare. Etwa 40 Silberreiher seien es im Silberseegebiet. Ihre Schlafplätze haben diese Vögel meist am Roxheimer Altrhein, oft am Schilf oder auf niedrigen Bäumen und häufig in der Nachbarschaft von Kormoranen. Wenn sie im Geäst landen, bieten sie ein imposantes Naturerlebnis, das Dolich auch schon am Otterstadter und Neuhofener Altrhein genießen konnte.
Silberreiher brauchen ruhige Schilfgebiete
Doch erst wenn der Silberreiher am Silbersee auch brütet und damit ganzjährig bleibt, ist er dort endgültig heimisch. In Mecklenburg-Vorpommern hat er es geschafft: 2012 konnten dort die deutschlandweit ersten zwei Paare Junge aufziehen. Die meisten hiesigen Silberreiher brüten in Österreich und Ungarn am Neusiedlersee und in der Ukraine. Was die Fortpflanzung in der Bobenheim-Roxheimer Seenlandschaft anbelangt, ist Dolich vorsichtig optimistisch: „Das ist vorstellbar, aber die Silberreiher sind sehr scheu.“ Sie bräuchten ungestörte Schilfgebiete am Gewässer, was am Silbersee mit Freizeitbetrieb schwierig sei.
Weniger anspruchsvoll ist der Graureiher, der dort das ganze Jahr über lebt. Dolich schätzt, dass es in Rheinland-Pfalz rund 600 Brutpaare gibt, davon etwa zehn an Altrhein und Silbersee. Mit der Hitze bei über 30 Grad seien beide Reiherarten in diesem Sommer gut zurechtgekommen. „Denn von niedrigen Wasserständen profitieren diese Vögel. Dann bilden sich am Rhein Wasserkuhlen mit Fischen, die die Reiher leicht abfangen können.“ Nachteilig seien Hitzewellen besonders für Kleinvögel wie junge Schwalben, Sperlinge und Mauersegler, die, um der Hitze zu entkommen, aus dem Nest und damit oft in den Tod springen.