Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bobenheim-Roxheim: Rudi Dibutsch erinnert sich an die Streitigkeiten der Kommunalpolitiker nach der Fusion vor 50 Jahren

Rudi Dibutsch vor dem Kapellchen, das in der Nähe der Grenze zwischen den beiden Ortsteilen liegt. Foto: BOLTE
Rudi Dibutsch vor dem Kapellchen, das in der Nähe der Grenze zwischen den beiden Ortsteilen liegt.

Vor 50 Jahren lagen in der Bobenheim-Roxheimer Kommunalpolitik buchstäblich die Nerven blank. Nach dem Gezänk und den Klagen gegen die Zwangsvereinigung, folgten Grabenkämpfe um die politische Führung in der neuen Gemeinde. Der langjährige Beigeordnete Rudi Dibutsch (SPD) erinnert sich an die ersten Monate und die Jahre nach der Fusion.

Ende der 60er-Jahre zählte Rudi Dibutsch zu den wenigen bekennenden Befürwortern des Zusammenschlusses von Bobenheim und Roxheim. Der junge Fraktionssprecher der Sozialdemokraten – damals die stärkste politische Kraft in der Gemeinde – machte sich damit nicht nur Freunde. Auch parteiintern stieß Dibutsch dabei auf erheblichen Gegenwind. Zu seinen Gegnern zählte vor allem auch der damalige Bobenheimer Bürgermeister und SPD-Landtagsabgeordnete Adolf Merz. „Er hat mir im Eifer des Gefechts sogar den Handschlag verweigert“, erinnert sich Dibutsch. Gerade unter Sozialdemokraten eine doch eher seltene und eindeutige Geste. Doch Dibutsch beharrte auf seiner Meinung: „Ich sah im Zusammenschluss beider Gemeinden vor allem Zukunfts- und Entwicklungsperspektiven – aber auch die Chance, alte Rivalitäten zwischen den beiden Dörfern mittel- bis langfristig abzubauen“, erzählt er.

Kampf um die Beigeordnetenwahl

Nachdenklich blättert Dibutsch in einem Aktenordner. Er hat alle RHEINPFALZ-Veröffentlichungen der damaligen Zeit fein-säuberlich gesammelt und aufbewahrt. Man darf es wohl ein sehr markantes Stück Dorfgeschichte nennen. Denn ungeachtet der für damalige Verhältnisse bereits stattlichen Einwohnerzahl von 8000 Menschen, ging es zu dieser Zeit oft zu wie am „Königlich Bayerischen Amtsgericht“. „Die Atmosphäre in den Sitzungen war oft fürchterlich“, erinnert sich Dibutsch. Die SPD hatte bei der ersten gemeinsamen Gemeinderatswahl zwar die Mehrheit errungen, sie kurze Zeit später aber wieder verloren, nachdem man ein Ratsmitglied aus der Fraktion ausgeschlossen hatte. Auch parteiintern habe es damals heftige Auseinandersetzungen gegeben, erzählt Dibutsch rückblickend. Immer wieder habe man den begründeten Verdacht gehabt, dass es bei der SPD einen „Maulwurf“ gab. Denn wiederholt waren interne Dinge an die Öffentlichkeit gelangt. Bei Sitzungen und öffentlichen Versammlungen der SPD wurde darüber heftig diskutiert und Dampf abgelassen. Die Stimmung sei damals sehr gereizt gewesen. Es folgte ein regelrechter „Politkrimi“ um den notwendigen Koalitionspartner und die Besetzung des Gemeindevorstandes.

Nachdem man – mit Unterstützung der CDU – den Sozialdemokraten Karl Beck zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der neuen Gemeinde gewählt hatte, herrschte Uneinigkeit in der Beigeordneten-Frage. Diesen Posten beanspruchte die CDU als zweitstärkste Fraktion für sich. Das wiederum stieß bei den Sozialdemokraten zunächst auf Ablehnung. Auch auf Druck des SPD-Unterbezirks entschloß sich die SPD deshalb zunächst für eine Koalition mit der von Meinrad Graber geführten „Wählergruppe Graber“. Ein Bündnis, das jedoch schnell wieder kippte. Mit 5:4 Stimmen entschied sich die SPD am Ende doch noch zu einer Koalition mit der CDU. Diese wiederum bekam mit Franz Graber den gewünschten Ersten Beigeordneten.

Karl Beck sorgt für Ruhe im Rat

Kontrovers ging es auch bei der Wahl der Beigeordneten August Hartmann und Egon Schmitt (beide SPD) zu. Die musste nach einer Entscheidung der Kreisverwaltung wiederholt werden. Der Grund: Bei der damaligen Ratssitzung hatte man die Stimmzettel einfach gefaltet und ohne Kuvert eingesammelt. Nachdem ein Ratsmitglied deshalb Protest einlegte, erklärte die Kreisverwaltung die Wahl kurzerhand für ungültig. Ratssitzung und Wahl mussten daraufhin wiederholt werden. August Hartmann und Egon Schmitt wurden danach ordnungsgemäß gewählt.

Große Stücke hält Rudi Dibutsch noch heute auf den ersten Bürgermeister Karl Beck. Dessen „hervorragende Verwaltungsarbeit, aber auch seine unumstrittene, sanfte Autorität“ hätten ganz maßgeblich zum Erfolg beigetragen. Beck habe sich gleichermaßen im sozialdemokratischen und im bürgerlichen Lager Respekt verdient. Nach all den Politkämpfen sorgte er für Ruhe und Sachlichkeit. Becks Leistungen habe man später oft verkannt und ihn nur als „Sparmeister“ dargestellt, meint Dibutsch. Tatsächlich jedoch – davon ist Rudi Dibutsch noch heute überzeugt – habe man unter Beck die maßgeblichen Weichenstellungen für die spätere „Erfolgsgeschichte Bobenheim-Roxheims“ vorgenommen. Herausragend sei dabei vor allem das neue Gemeindezentrum mit dem Bau des Feuerwehrgerätehauses, der Burgundhalle und dem neuen Rathaus gewesen. Neue Wohn- und Gewerbegebiete wurden ausgewiesen, erschlossen und umgesetzt. Die Gemeinde war auf Wachstumskurs, die Finanzen seien dabei grundsolide geführt worden.

Für die Zukunft gut aufgestellt

Rudi Dibutsch selbst führte 15 Jahre lang die Geschicke der SPD-Fraktion, 35 Jahre lang war er Ratsmitglied und zehn Jahre Erster Beigeordneter. Als 1987 der damalige Bürgermeister Wolfgang Fügen (CDU) verstarb, leitete Dibutsch für ein halbes Jahr die Amtsgeschäfte. Dem Drängen vieler, sich doch selbst für das Bürgermeisteramt zu bewerben, gab Dibutsch nicht nach.

Heute wie damals sieht er die Entwicklung des Ortes positiv. Die soziale Infrastruktur in der Gemeinde sei auf der Höhe der Zeit, die Lebens- und Wohnqualität deutlich gestiegen. Eigentlich sei fast alles vorbildlich und „gut in Schuss“. Der 84-Jährige sieht Bobenheim-Roxheim auch für die Zukunft gut aufgestellt und zeigt sich zuversichtlich, dass die 10.500-Einwohner-Gemeinde ihre Selbstständigkeit erhalten kann.

Termin

Der Festakt zum 50-jährigen Bestehen von Bobenheim-Roxheim findet am Samstag, 15. Juni, um 18 Uhr in der Jahn-Halle statt. Die Festansprache hält Margit Seckelmann vom Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung. Anschließend gibt es Kabarett mit Detlef Schönauer. Karten zu fünf Euro gibt es nur im Vorverkauf am Infoschalter im Foyer des Rathauses.

x