Rhein-Pfalz Kreis
Bobenheim-Roxheim: Pächter an Silbersee und Altrhein ziehen Saisonbilanz
Der Sommer ist an Silbersee und Altrhein in Bobenheim-Roxheim vergleichsweise ruhig gewesen. Es gab keine tödlichen Badeunfälle und wenig Vandalismus. Die Pächter der Freizeitanlagen sind weitgehend zufrieden. Nur die Hundehalter könnten mehr Rücksicht nehmen, findet Kioskbetreiber Reiner Wagner.
Für Reiner Wagner, der seit elf Jahren den Kiosk am Badestrand des Silbersees betreibt, war es eine gute Saison. Starken Besucheransturm habe es in diesem Jahr nur an Tagen mit über 30 Grad gegeben. Er denkt an 2018 zurück und ist froh, dass diesmal niemand beim Baden verunglückt ist, es nur einen Fehlalarm gab. Im Sommer sind neben Wagners fünfköpfiger Familie noch sechs Helfer im Einsatz. Man sei ein eingespieltes Team, was gerade im Hochbetrieb, wenn alles schnell gehen müsse, sehr wichtig sei.
Bei den Gästen besonders beliebt sind Feuer-, Brat- und Currywurst, aber auch Flammkuchen, Frikadellen und Brühwürste stehen auf der Speisekarte. Von Steaks sei man mittlerweile abgekommen, sagt Wagner. „Die Zubereitung dauert einfach zu lang.“ Überhaupt ist das Arbeiten in dem kleinen Häuschen nicht immer einfach. „An heißen Tagen herrschen an der Pommes-Fritteuse schnell mal Temperaturen von 40 Grad und mehr“, berichtet Wagner.
Von Vandalismus blieb der Gastronom im vergangenen Sommer weitgehend verschont. In früheren Jahren hatte es öfter erhebliche Schäden durch Einbrüche und Diebstähle gegeben. „Es gab schon mal einen größeren Brand, und man hat uns den Rasentraktor geklaut“, nennt er Beispiele. Mit behördlicher Genehmigung seien dann Kameras installiert worden.
Nicht so schön macht sich am Badestrand die alte Toilettenanlage
Ein Problem sieht Wagner in rücksichtslosen Hundebesitzern. Immer wieder beschwerten sich Badegäste darüber, dass nicht angeleinte Hunde herumtobten, zum Beispiel ins Wasser gingen und dann über Badetücher liefen. Spreche man die Hundehalter an, bekomme man oft freche Antworten. Viele Vorfälle rührten daher, dass der Spazierweg rund um den Silbersee dort vorbeiführe. Manche Stand-up-Paddler und Surfanfänger verhalten sich nach Wagners Beobachtung ebenfalls nicht vorbildlich. „Ich muss immer wieder darauf aufmerksam machen, dass dieser Uferbereich ausschließlich für den Badebetrieb da ist.“
Doch Reiner Wagners größtes Problem ist der Toiletten-Container: „Der ist uralt und entspricht schon lange nicht mehr den heutigen Anforderungen. Da müsste dringend was gemacht werden.“ Darüber will er mit dem Verpächter, das heißt der Gemeinde, sprechen. Größere Investitionen will die Familie Wagner in absehbarer Zeit nicht tätigen. Der Bau eines Cafés sei wegen der vielen Auflagen vom Tisch.
Das Winterangebot am Silbersee soll aufrechterhalten werden: An den Sonntagen ist der Kiosk nachmittags geöffnet, was von Spaziergängern dankbar angenommen werde. Dann können sie zum Beispiel an Heizpilz oder Feuerschale einen Glühwein trinken.
Auf dem Minigolfplatz kommt bei Hochbetrieb ein Ausschankwagen zum Einsatz
Ähnlich macht es Familie Selzer, die in der Roxheimer Altrheinanlage seit vier Jahren im Auftrag der Gemeinde den Minigolfplatz betreibt und im Januar und Februar sonntags Speisen und Getränke verkauft. Im November und Dezember ist die Anlage samt Kiosk und Freisitz geschlossen. Die Sommersaison 2019 sei wegen des durchwachsenen Wetters insgesamt etwas schwächer gewesen als im Vorjahr, berichtet Ludwig Selzer. Für die gut frequentierten Tage hat er einen modern ausgestatteten Ausschankwagen angeschafft und zwei Minijobber eingestellt, um den Gästen längere Wartezeiten zu ersparen.
Die gut gepflegte Anlage mit ihren Schatten spendenden Bäumen wirkt fast wie ein Biergarten, auf der Speisekarte stehen Produkte eines ortsansässigen Metzgers. Dass es hier bodenständige, pfälzische Küche gibt, hat sich herumgesprochen. Besonders beliebt waren in diesem Jahr Leberknödel, Burger und „Handkäs mit Musik“. Die Besucher des Minigolfplatzes, der zu den ältesten in Europa zählt, kommen laut Selzer mittlerweile aus einem Umkreis von rund 60 Kilometern. Hier kann man auch Kindergeburtstage feiern und Boule spielen. Die Pflege der für Turniere geeigneten Minigolfbahnen aus Beton nehmen die Selzers nach eigenen Angaben sehr ernst.
Einbrüche und Vandalismus hat es nicht gegeben. „Das liegt wohl auch daran, dass wir keine Zigaretten und scharfe Sachen verkaufen“, meint Ludwig Selzer. Im nächsten Jahr will er eine große Hängematte anschaffen, die bei Kindergeburtstagen genutzt werden könnte.
Das Ordnungsamt hat nicht genug Vollzugsbeamte, um im Sommer immer und überall zu kontrollieren
Nach der Bilanz aus Sicht der Gemeindeverwaltung gefragt, berichtet Ordnungsamtsleiter Frank Unvericht über Verkehrsprobleme, nachdem andere Gewässer in der Region zeitweise für den Badebetrieb gesperrt worden waren. Das Problem frei laufender Hunde ist ihm bekannt. Den Wunsch nach noch mehr Kontrollen könne die Ordnungsbehörde aber „bei gerade mal eineinhalb Stellen“ schwerlich erfüllen. „Wir waren in der Hochsaison oft von 9 Uhr bis in die Nacht zu Kontrolleinsätzen unterwegs“, so Unvericht. „Mehr können wir als kleine Kommune beim gegebenen Personalschlüssel nicht tun.“ Denkbar wäre allerdings, saisonal einen privaten Sicherheitsdienst zu beauftragen oder den Badebereich einzuzäunen. Das sei jedoch mit hohen Kosten verbunden und müsse vom Gemeinderat entschieden werden.