Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bobenheim-Roxheim: Kuckuck am Silbersee trickst Teichrohrsänger aus

Weltweit gibt es 130 Kuckucksarten, doch nur knapp die Hälfte legt ihre Eier in fremde Nester. Foto: Schäf
Weltweit gibt es 130 Kuckucksarten, doch nur knapp die Hälfte legt ihre Eier in fremde Nester.

Er macht in Sachen Liebe kurzen Prozess. Und Sie nimmt’s mit den Mutterpflichten nicht so genau. Der einheimische Kuckuck ist ein geflügelter Schwerenöter. Am Silbersee macht er die Teichrohrsänger zu unfreiwilligen Adoptiveltern. Diese bringen höchstens 15 Gramm auf die Waage und füttern die kräftigen Kuckuckskinder durch, die ausgewachsen fast das Zehnfache wiegen.

„Kuckuck, kuckuck“, ruft’s aus dem Wald am Silbersee. Wer da seinen eigenen Namen ruft, ist der Cuculus canorus. Der mitteleuropäische Kuckuck hat sich am Bobenheim-Roxheimer Baggersee die zierlichen Teichrohrsänger für die Aufzucht seiner Jungen ausgesucht. In anderen Regionen jubelt er etwa dem Gartenrotschwanz, Neuntöter, Rotkehlchen und Zaunkönig sowie der Bachstelze und der Sperbergrasmücke seine Eier unter.

Brutparasitismus nennt der Fachmann dieses Verhalten, das nicht jeder Kuckuck an den Tag legt. „Weltweit gibt es 130 Kuckucksarten, doch nur knapp die Hälfte betreiben Brutparasitismus“, weiß Thomas Dolich aus Neuhofen von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (Gnor). In Rheinland-Pfalz leben 1100 bis 2300 Kuckuckspaare, am Silbersee sind es derzeit fünf, schätzt Experte Dolich.

Treu ist das Männchen nur während der Balz

Damit die Wirtseltern die fremden Eier akzeptieren, müssen sie den eigenen Eiern ähneln. Die Wahl der fremden Eltern ist in den Genen des Kuckucks festgelegt, sodass sich die Farbe seiner Eier perfekt anpasst. So schummelt der Kuckuck dem Gartenrotschwanz Eier unter, die genauso hellblau sind wie dessen eigenes Gelege. Und am Silbersee produziert das Kuckucksweibchen hellbraune Eier mit khakigrünen Tupfen, die sich von den Eiern des Teichrohrsängers lediglich in der Größe unterscheiden.

Auch die jungen Kuckuckskinder, die am Silbersee in den Nestern der Teichrohrsänger im Schilf hochgepäppelt werden, sind genetisch geprägt – sie werden später ihre Eier ebenfalls in die Nester dieser Vogelart legen.

Treu ist das polygame Männchen nur während der Balz. Dann lockt der männliche Kuckuck das Weibchen mit dem Kuckucksruf und verbeugt sich höflich mit dem ganzen Körper. Nach erfolgreicher Befruchtung sucht sich das Männchen neue Gespielinnen, während sich das Weibchen auf die Suche nach geeigneten Nestern begibt.

Der geschlüpfte Kuckuck kickt die anderen Eier aus dem Nest

Neun Eier gilt es, in den fremden Nestern unterzubringen. Und zwar in einem kleinen Zeitfenster. „Es darf kein leeres Nest sein. Sonst merkt der Wirtsvogel, dass es nicht sein Ei ist“, erklärt Thomas Dolich. Damit der kleine Kuckuck vor seinen fremden „Geschwistern“ schlüpft, bebrütet die Kuckucksmutter ihren Nachwuchs bereits im Mutterleib, indem sie ihre Körpertemperatur auf 40 Grad hochschraubt.

Zählen kann der Teichrohrsänger schon. Er würde es bemerken, wenn plötzlich ein Ei mehr in seinem Gelege liegt. Daher passt die Kuckucksdame über zwei Stunden lang den passenden Moment ab. Dann geht alles in Sekundenschnelle: Sie landet in dem fremden Nest, legt ihr Ei ab und stiehlt dafür ein Teichrohrsänger-Ei. Wenn die Wirtseltern einfliegen, bemerken sie den Umtausch nicht und brüten. Dann geht es in dem Nest rabiat zu. Der geschlüpfte Kuckuck kickt kurzerhand die Eier der Teichrohrsänger oder dessen Jungvögel aus dem Nest. Doch jetzt hat er ein Problem: Wie viel Nahrung seine Adoptiveltern besorgen, hängt von der Anzahl der im Nest aufgesperrten Schnäbel ab. Also imitiert er die Rufe der jungen Teichrohrsänger und erhält so mehr Futter.

Nils berichtet: Berühmter Kuckuck

Dass der Kuckuck in Europa seinen Nachwuchs von anderen Vögeln aufziehen lässt, hat die Menschen seit jeher sehr beschäftigt. Oft wir er in Redewendungen mit dem Teufel gleichgesetzt. „Scher dich zum Kuckuck!“, sagt man etwa, wenn man auf jemanden sauer ist. Oder „Hol’s der Kuckuck!“ Andererseits ist der Kuckucksvogel im Brauchtum ein berühmter Frühlingsbote: Wenn er seinen Gesang anstimmt, ist der Frühling nicht mehr weit. Sicher kennt ihr die Zeilen aus dem bekannten Frühlingslied: „Kuckuck, Kuckuck ruft’s aus dem Wald.“ Und dann gibt es noch diesen Aberglauben: Greif dir in die Tasche, wenn du im Jahr das erste Mal den Kuckuck hörst. So viel Geld, wie du dann bei dir hast, wirst du das ganze Jahr über haben.

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