Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bobenheim-Roxheim: Flüchtlinge kehren ein halbes Jahr nach Brand ins Wohnheim zurück

Das Haus Vis-à-Vis ist renoviert, am Montag sind die ersten Bewohner zurückgekehrt.
Das Haus Vis-à-Vis ist renoviert, am Montag sind die ersten Bewohner zurückgekehrt. ArchivFoto: BOLTE

Mitte Juli 2019 mussten Dutzende von Migranten Hals über Kopf ihre Gemeinschaftsunterkunft in Bobenheim-Roxheim verlassen, weil es dort gebrannt hatte. Am Montag sind einige von ihnen zurückgekehrt. Die vergangenen Monate in der Erstaufnahmeeinrichtung in Speyer waren nicht leicht für sie.

Das Haus Vis-à-Vis sieht am Montagnachmittag nicht gerade einladend aus. Die Böden und Fensterscheiben sind schmutzig, überall liegt etwas herum. „Da muss schnellstmöglich der Reinigungsdienst durch“, sagt Jana Schumann von der Gemeindeverwaltung, die zwischen den Jahren geschlossen war. Schumann ist erstaunt, dass von den 40 Leuten, die am Vormittag mit Kleinbussen nach Bobenheim-Roxheim gebracht werden sollten, nicht mal die Hälfte dort angekommen ist. Vermutlich, weil sie der Abholdienst nicht zur verabredeten Zeit angetroffen hat.

Dafür gebe es mehrere mögliche Erklärungen, sagt sie. „Auf jeden Fall war das wochenlang geplant und kommuniziert.“ Die nächsten Tage würden zeigen, wo diese Flüchtlinge stecken. Es sei aber klar, dass sie in der Speyerer Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) nicht bleiben dürften. Dem Vernehmen nach wurden die Zimmer der Betreffenden ohne Pardon ausgeräumt.

Sozialverein hat nach dem Brand geholfen

Andrea Hettmannsperger und Dorothee Schuster vom Sozialverein Kunterbunt erinnern sich gut an den Tag, als das Wohnheim im Pfalzring wegen eines Feuers im Keller evakuiert wurde und es hieß, niemand dürfe mehr in das Gebäude hinein. Die Bewohner waren zum Glück unverletzt, aber sie mussten in neue Unterkünfte gebracht werden.

„Es gab für sie nur eine kurze Gelegenheit, Sachen aus ihren Zimmern zu holen“, berichtet Andrea Hettmannsperger, die den Flüchtlingen gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern dabei geholfen hat. „Aber natürlich blieben viele Dinge stehen und mussten später anderweitig besorgt werden“, berichtet sie. „Alle dachten ja, dass sie nur ein paar Wochen im Übergangsquartier bleiben würden.“ Am Ende dauerte es fast sechs Monate, bis die vom Rhein-Pfalz-Kreis gemietete Immobilie des Unternehmens Deutsche Wohnen renoviert war. Der Keller ist immer noch unbrauchbar.

Weitere Betreuung gestaltet sich schwierig

Die meisten der betroffenen Asylbewerber und anerkannten Flüchtlinge mussten nach Speyer umsiedeln – ziemlich weit weg von den bisherigen Bildungseinrichtungen, Arbeitsstellen und Ärzten und relativ abgeschnitten von denjenigen, die ihnen bislang vor Ort halfen, wenn sie etwas nicht verstanden hatten. „Die Sicherheitsbestimmungen in der Afa sind streng, wir haben deshalb hauptsächlich über Telefon und WhatsApp mit den Menschen kommuniziert“, berichtet Hettmannsperger.

Jana Schumann von der Gemeindeverwaltung nutzte ebenfalls Kurznachrichtendienste, um die Migranten weiter zu betreuen und ihnen beim Ausfüllen von Formularen zu helfen. Immer wieder bekamen die Ehrenamtlichen des Sozialvereins von den Geflüchteten zu hören, dass ihnen in Speyer niemand helfe.

Zu ihnen gehört Osaro Edohen aus Nigeria, dessen Frau in Speyer ihr zweites Kind zur Welt gebracht hat. Der 35-Jährige berichtet, dass er Jana Schumann oft Briefe, die er nicht verstand, weitergeleitet habe. Er und seine Frau leben immer noch in der Angst, abgeschoben zu werden, aber vorerst sind sie froh, wieder in Bobenheim-Roxheim zu sein. „Alles ist hier einfacher“, sagt er, während sein 18 Monate alter Sohn Saviour große Augen macht. Zum Beispiel der Weg zum Deutschunterricht in Mannheim. Und hier seien Menschen, die ihnen hälfen. „Und die Security guckt nach uns.“

Jeden Tag mit kleinen Kindern gependelt

Dorothee Schuster vom Sozialverein erzählt, dass eine Hochschwangere, die Medikamente gebraucht habe, von einem Speyerer Arzt nicht behandelt worden sei. „Er hat gesagt, sie soll zu dem Arzt gehen, bei dem sie bisher war“, so Schuster. Manche hätten ihre Arbeit in der Region Frankenthal aufgeben müssen, sagt Andrea Hettmannsperger.

Unglaubliches auf sich genommen hat Yodit Tsegay aus Eritrea. Um ihrem sprachlich beeinträchtigten Sohn weiter den Besuch der gewohnten Kita und der Therapien zu ermöglichen, reiste sie zwei Monate lang jeden Tag mit dem Jungen und einem Säugling in öffentlichen Verkehrsmitteln von der Afa Speyer in die Berliner Straße in Bobenheim-Roxheim und zurück. „Das war sehr, sehr viel Stress“, sagt die Mutter, die inzwischen mit Mann und Kindern in Frankenthal eine Wohnung bekommen hat.

Zum Pendeln gehörte es, um 5 Uhr aufzustehen, manchmal die Anschlussverbindung zu verpassen, wenn es mit dem Kinderwagen ohne Aufzug nicht schnell genug ging, und sich mit dem Baby so lange herumzudrücken, bis der Kita-Tag beendet war. „Ich bin Frau Hettmannsperger sehr dankbar“, sagt Yodit Tsegay. Sie habe ihr geholfen und über den Sozialverein die Monatskarte für Bus und Bahn finanziert.

Wohnheim wird im September geschlossen

Im Rückblick sagen Andrea Hettmannsperger und Dorothee Schuster, sie hätten sich die Übergangslösung mit der Afa Speyer, vor allem was die vielen Zuständigkeiten, Zwänge und Informationswege betrifft, nicht so schwierig vorgestellt. Sie betont aber, dass Bürgermeister Michael Müller (SPD) für die Anliegen der ehrenamtlichen Helfer immer ein offenes Ohr gehabt habe.

Bis zum Herbst wird das ehemalige Pflegeheim im Pfalzring der Gemeinde für Flüchtlinge zur Verfügung stehen, danach muss sie – auch auf Druck der Kreisverwaltung – für eine dezentrale Unterbringung sorgen. Wie das gehen soll, fragen sich die Helfer vom Sozialverein. Denn Wohnungsmangel sei ja seit 2015 das große Problem in Bobenheim-Roxheim.

Seit dem Brand war nicht nur das Wohnheim geschlossen, sondern auch die Kleiderkammer des Vereins und die Ausgabestelle der Frankenthaler Tafel. Beide Einrichtungen unterstützen ganz allgemein Bedürftige und nicht nur Asylbewerber. Was damit wird, wenn das Wohnheim aufgegeben wird, sei noch völlig unklar, so Hettmannsperger.

Ein Foto, das kurz vor Eröffnung des Wohnheims gemacht wurde, als jedes Zimmer mit Geschirr ausgestattet wurde. Die Möglichkeit,
Ein Foto, das kurz vor Eröffnung des Wohnheims gemacht wurde, als jedes Zimmer mit Geschirr ausgestattet wurde. Die Möglichkeit, selbst zu kochen, haben die Flüchtlinge in Speyer sehr vermisst. Foto: BOLTE
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