Rhein-Pfalz Kreis
Bobenheim-Roxheim: Fast 2000 Besucher bei Wasserprozession – Zukunft offen [mit Bildergalerie]
„Der liebe Gott meint es heute etwas zu gut mit uns.“ Mit diesen Worten, die sich auf das schweißtreibende Hochsommerwetter bezogen, hat Pfarrer Michael Baldauf am Samstagnachmittag von der schwimmenden „Altarinsel“ aus die fast 2000 Gläubigen begrüßt. Sie hatten sich am Ufer des Roxheimer Altrheins ein schattiges Plätzchen gesucht, um die festliche Seemesse mitzufeiern.
Begleitet von laut krachenden Böllerschüssen formierten sich die üppig dekorierten Pontons sowie die mit gelb-weißen Fahnen geschmückten Begleitboote zu einer Prozession und drehten auf dem Gewässer ihre Runden. Das ist nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal für die Altrheingemeinde, sondern gleichermaßen eine große logistische Herausforderung, die die ehrenamtliche Mannschaft rund um Initiator und Ideengeber Helmut Weick auch im zwölften Jahr routiniert bewältigte.
Es waren mehr als 150 Helfer, die zum Gelingen der inzwischen weit über die Pfalz hinaus bekannten Veranstaltung beitrugen – von den Wassersportlern und der Feuerwehr über die Pfadfinder und Schützen bis zur Wallfahrergruppe. „Es finden sich auch immer zehn bis 15 Frauen, die die Boote schmücken“, hob Helmut Weick im Gespräch mit der RHEINPFALZ hervor. Inzwischen kämen die Besucher aus allen Himmelsrichtungen, viele aus dem Saarland und Bayern, aber auch aus Belgien und Luxemburg.
Bischof übt Selbstkritik
Der unermüdliche Organisator schafft es jedes Jahr aufs Neue, hochkarätige Kirchenvertreter für die Predigt bei der Wasserprozession zu gewinnen. Diesmal war es der aus dem südpfälzischen Rülzheim stammende Mainzer Weihbischof Udo Bentz. Als der heute 52-Jährige noch als Kaplan am Dom zu Worms wirkte, hat Helmut Weick ihn kennengelernt. Er habe schon sehr viel Positives gehört von dem besonderen Ereignis, sagte Bentz. Wenn die Kirche eine Prozession begehe, sei dies ein Zeichen für das pilgernde Gottesvolk, das Mut brauche, auch ungewöhnliche Wege zu beschreiten.
Zur musikalischen Gestaltung des Festgottesdienstes hatte sich unter der Gesamtleitung von Karl Finck eine große Schar von Sängerinnen und Sängern zusammengefunden. Sie formierten sich aus dem katholischen Kirchenmusikverein Worms-Pfeddersheim, dem Kirchenchor St. Cäcilia Roxheim und dem Projektchor Wasserprozession, unterstützt von Chormitgliedern aus Maxdorf und Wachenheim.
In seiner Predigt nahm Weihbischof Bentz Bezug auf den Evangeliumstext vom Festmahl und den besten Plätzen, um selbstkritisch festzustellen, dass die Kirche ständig bemüht sei, einen guten Platz in der öffentlichen Wahrnehmung zu haben. „Sollten wir uns den Platz selbst suchen oder von Jesus zuweisen lassen?“, fragte er. Die Kirche habe an Glaubwürdigkeit verloren, weil sie sich zu sehr um sich selbst gedreht habe. Um wieder glaubwürdig zu werden, bedürfe es nicht der komfortablen Plätze. „Der erste Platz ist der bei den Armen, Schwachen und Wehrlosen“, sagte der Gast aus Mainz.
Eine wichtige Aufgabe der Christen sei es auch, sich für die bedrohte Schöpfung und deren Bewahrung einzusetzen, sagte Bentz. „Die Kirche ist weder eine Sonderwelt noch ein Folkloremuseum.“ Sie müsse sich fragen lassen, ob nicht einige Stühle anders zu positionieren seien. „Wenn wir Vertrautes hinter uns lassen, können wir Neues gewinnen“, betonte der Weihbischof. Die Kirche werde heute mehr denn je gebraucht, weil sie eine Botschaft habe, die die Gesellschaft nicht vermitteln könne.
Hauptorganisator nun woanders
Ob und in welcher Form die Wasserprozession in Bobenheim-Roxheim weitergeführt wird, muss mit Blick auf die personellen Veränderungen in der Pfarrei Heiliger Petrus mit einem Fragezeichen versehen werden. Nach dem Weggang von Andreas Rubel ist die Pfarrstelle vakant. Und auch Helmut Weick – bisher als Diakon im Zivilberuf tätig – hat sich beruflich neu orientiert. Er wurde gestern als hauptamtlicher Diakon in der Pfarrei Heilige Edith Stein in Schifferstadt eingeführt. Dass er alles dransetzen wolle, um sein „Kind“ – die Wasserprozession – am Leben zu erhalten, hat er gegenüber der RHEINPFALZ betont.