Rhein-Pfalz Kreis
Bobenheim-Roxheim: Exkursion auf den Spuren des Schlammbrummers
Früher war er eine Speise der armen Leute. Heute liegt er auch auf den Tellern von Feinschmeckern. Einfach nur fabelhaft fanden rund 30 Teilnehmer am Freitagabend eine Exkursion am Roxheimer Altrhein auf den Spuren des Schlammbrummers. Und sie ließen sich das Tierchen bei einer Verköstigung im Anschluss im Heimatmuseum schmecken.
Als die ersten Glaubensflüchtlinge 1562 nach Roxheim gekommen seien, sei der Hunger groß gewesen, berichtete Schlammbrummer-Obmann Ewald Marx vom Verein für Naturschutz und Heimatpflege den Wissbegierigen zu Beginn der Exkursion. „Durch die damals herrschende Hungersnot suchte man nach allem Essbaren.“
Allerdings: Die Jagd nach dem heute als Delikatesse gehandelten Schlammbrummer, der bis zu sechs Kilogramm schwer werden kann, erfordert Erfahrung. Die etwas schwierige Fangmethode habe dazu geführt, dass die Jagd ab dem 19. Jahrhundert eingestellt worden sei. Auch Umwelteinflüsse hätten dazu geführt, dass die Bestände des Schlammbrummers dezimiert wurden.
Hochwasser spielte den Jägern in die Karten
Um die Jagd wiederzubeleben und Erfahrungen weiterzugeben, machte sich die Gesellschaft mit Ausrüstung, wie beispielsweise dem Schlammbrummer-Brummerbohrer, auf den Weg vom Heimatmuseum durch historische Gassen Roxheims. Die Karpfengasse, wo einst der Karpfenfischer in Roxheim wohnte, und die Peterstraße, in der an einem Haus angezeigt wird, unter welchem Hochwasser die Bevölkerung 1882/83 zu leiden hatte. Zu Zeiten des Hochwassers seien die Schlammbrummer den Menschen sogar bis in den Kohlekeller gespült worden, berichtete Marx. So leicht kamen die Jäger am Freitag nicht zu ihrer Beute. Immer vorneweg: Marx und seine beiden Jagdgehilfen – Georg Götting und Arnold Röckel –, die den Beutewagen zogen, der sich noch als ganz wichtig erweisen sollte.
Erst 1998 wurden vom Marx bei einem Marsch der Schlammbrummer im Bereich der Eckbachbrücke am Nonnenhof wiederentdeckt. Am Altrhein wurde allen Teilnehmern erst einmal sogenannter Lockstoff ausgegeben. Für die älteren Teilnehmer war dies vergorenes und gebranntes Obst von Streuobstwiesen der Gemeinde, die jüngeren erhielten den mit Wasser verdünnten Saft. Und kaum hatten Exkursionsteilnehmer den Lockstoff inhaliert, schon glaubten sie die ersten Schlammbrummer zu sehen. Kleine Gruppen verteilten sich an verschiedenen Stellen des Altrheins. Mutige wagten sich, den Kontakt mit dem Wasser zu suchen und den Schlammbrummer-Brummerbohrer anzusetzen. Ewald Marx setzte das Horn an, um Lockrufe auszustoßen. An den Bohrern waren schon einige Kerben zu sehen, die für wirkliche gewichtige Brummer unter den gefangenen Brummern stünden, so der Obmann.
Der Schlammbrummer ist scheu
Röckel hatte Positionslichter an seinem Hut, damit sich die einzelnen Gruppen am Rande des Altrheins verständigen konnten. Denn der Schlammbrummer ist ein scheues Wesen, laute Kommunikation mag er nicht. Marx sang mit wackelnder Zipfelmütze noch ein eigens für den Schlammbrummer getextetes Lied und trug ein Gedicht vor.
Um den Schlammbrummer nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und jüngeren Generationen die Jagd nach ihm schmackhaft zu machen, hat sich Obmann Marx noch einiges ausgedacht. Neben der Exkursion und der Einführung zum Fabelwesen Schlammbrummer bei Tageslicht am Freitag im Rahmen der 50-Jahr-Feier von Bobenheim-Roxheim sollen eine Exkursion bei Nacht und bei Vollmond sowie ein Schlammbrummer-Essen im Heimatmuseum – auf Wunsch auch mit Messer und Gabel – folgen. Zum Abschluss der Exkursion gab es im Heimatmuseum schon eine Kostprobe. Bäcker Arnd Buron, laut eigenen Angaben immer für solche Späße zu haben, hatte dafür extra Schlammbrummer-Weck gebacken, die es zum Schlammbrummer und Kartoffelsalat gab.
Teilnehmer hatten Spaß
Was hat die Herren Exkursionsleiter vom Verein für Naturschutz und Heimatpflege gestochen: Was kann das am Altrhein schon sein? Schnooke! Die Kombination Schnookewoog und Lockstoff brachte sie auf die Idee, dem Schlammbrummer nachzustellen.
Den Teilnehmern hat es sichtlich Spaß gemacht. „Klasse“, sagten Ursula und Günter Ranscht zu der Veranstaltung. Letzter ist Angler. Auch er konnte noch etwas lernen. Annemarie Nagel fand es „sehr interessant“, Gerald Weiß „spaßig und ausbaufähig“.
Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Was dem Waldbewohner seine Elewetritsch, die ihren Siegeszug ja schon in der Vorderpfalz angetreten hat, das ist der Schlammbrummer den (Alt-)Rhein-Anliegern. Und wer weiß: Vielleicht breitet sich der Schlammbrummer ja bis Waldsee oder bis in einen Wald-See aus. In Bobenheim soll er laut Marx jedenfalls schon gesichtet worden sein.