Rhein-Pfalz Kreis
Bobenheim-Roxheim: Elisabeth Wilfinger und Claudia Beth betreuen seit 25 Jahren den protestantischen Kindergottesdienst
Ein Kater, viele Schnaken und bunte Perlen haben Elisabeth Wilfinger, Claudia Beth und ihre kleinen Schützlinge am vergangenen Sonntag beschäftigt. Seit 25 Jahren betreuen die beiden Frauen den protestantischen Kindergottesdienst in Bobenheim-Roxheim – Kigo genannt. Die Messe für die Kleinen ist jedes Mal anders und immer spannend, finden die Helferinnen.
Im Kindesalter schon waren die beiden Freundinnen dabei, damals noch auf der anderen Seite: Beth und Wilfinger waren selbst einmal Kigo-Kinder. Jetzt geben sie das Erlernte gemeinsam mit zwölf anderen Helfern und vielen neuen Ideen an die junge Generation weiter. Bei Wilfinger war Tochter Kerstin nicht ganz unschuldig, die sie zu dem Ehrenamt animierte. Bei dieser Erinnerung muss die heute 71-Jährige schmunzeln. Dass sie damals dem Rat ihrer Tochter gefolgt war, hat ihr schließlich ungezählte Sonntagvormittage mit den Gemeindekindern beschert. Manche sind schon erwachsen und schicken nun ihren Nachwuchs in das Martin-Luther-Gemeindehaus. „Da bekommt man schon Oma-Gefühle“, findet die Einzelhandelskauffrau im Ruhestand, die sich außerdem um ihre vier Enkel kümmert. Claudia Beth findet: „Man gibt den Kindern der Gemeinde Liebe und bekommt sie auch zurück.“ Die 48 Jahre alte Fremdsprachenkorrespondentin reist für den Kigo regelmäßig aus Worms an.
Das Thema Liebe kommt beim heutigen Kindergottesdienst auf den Tisch. Jedes Kind hat zwei rote Perlen vor sich liegen. „Zur Liebe gehören immer zwei“, erklärt Beth. Die Bedeutung der übrigen farbigen Gebetsperlen dürfen die Kinder erraten. „Die goldene Perle, das ist bestimmt Gott“, meint Hannah. Finn findet, dass die blaue Kugel prima zur Hoffnung passt. Dann dürfen die 13 Besucher die Perlen zu Gebetsketten auffädeln. Finn war fleißig und hat gleich zwei gebastelt. „Die zweite soll mein Kater Balou bekommen“, erzählt der Siebenjährige.
Den Bogen zum Gebet schlägt Beth mit einer kleinen Geschichte aus der Bibel. Sie erzählt, wie Moses den brennenden Dornbusch gesehen und mit Gott gesprochen hat. „Wir können auch mit Gott reden, das heißt beten“, weiß Mathilda. Den Kigo haben Beth und Wilfinger vorher vorbereitet, bei einem der Teamtreffen der Helfer. Die Ideen – vom Basteln, Nähen und Backen bis hin zum beliebten Malen – steuern die Helfer bei. Sie lassen sich aber auch von der Kirchenzeitung „Für Dich“ inspirieren.
„Es ist uns wichtig, dass die Kinder lernen, mit ihren Emotionen umzugehen“, sagt Wilfinger und erinnert sich an einen Gottesdienst im Februar, als die Teilnehmer mit einem Automaten für Gefühle experimentierten. Die Kinder sollten die jeweilige Emotion darstellen, was allen viel Spaß gemacht habe, berichtet Wilfinger.
Heute fällt es den Fünf- bis Zehnjährigen schwer, ihre Emotionen im Griff zu haben. Denn durch das feuchte Wetter haben sich die Schnaken im Pfarrgarten gut vermehrt und umschwirren die Köpfe der Gäste. Diesen Programmpunkt haben die Helferinnen nicht eingeplant. Immer wieder ermahnen sie die Kinder, sich von den Insekten nicht ablenken zu lassen. Als erfahrene Ehrenamtliche findet Beth schließlich einen Weg, die lästigen Tierchen in die Kirchenstunde zu integrieren – denn Gott hat schließlich auch die Schnaken erschaffen.
Zum Schluss dürfen die Kinder in der Couchecke entspannen. Es wird gebetet und gesungen, und auch die Schnaken sind jetzt verschwunden. Bis sie von ihren Eltern und Geschwistern abgeholt werden, berichten die Kinder, was ihnen am Kigo am meisten gefällt. „Es ist für mich ein Hobby“, meint die zehn Jahre alte Ronja. Und Charlotte sagt: „Der normale Gottesdienst ist immer in der Sprache der Erwachsenen. Hier lernen wir Dinge, die wir auch verstehen.“ Besonders gut gefällt den Kindern auch das Belohnungssystem. An der Wand hängen Zettel mit den Namen der Kinder. Nach jedem Besuch dürfen sie einen Smiley zu ihrem Namen kleben. Wer fünf lachende Gesichter hat, wird beschenkt. Die Namenszettel im Jugendraum der Gemeinde wimmeln von Smileys, was Beth und Wilfinger als schönstes Dankeschön für ihre jahrzehntelange Arbeit mit den Kindern empfinden.