Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bobenheim-Roxheim: Eindrücke vom Tag der Hofflohmärkte

Gleich mehrere Stände gab es in einer Halle in der Feilitzschstraße.  Foto: BOLTE
Gleich mehrere Stände gab es in einer Halle in der Feilitzschstraße.

Zwischen Nachbarschaftsplausch und Garagenparty: Bei rund 200 Adressen konnten Flohmarkt-Freunde am Sonntag in Bobenheim-Roxheim ein Schnäppchen ergattern. Zum zweiten Mal hatte die private Aktion stattgefunden – mit vollem Erfolg.

Immer den Luftballons nach: rot, gelb, blau, orange, lila flattern sie als Wegweiser an Zäunen, Hausecken und Kreuzungen und lotsen die Flohmarktgänger zu den Ständen. Bei unwirtlichem Eisheiligenwind sind einzelne Besuchergrüppchen unterwegs, viele zu Fuß, Einheimische auch mit dem Fahrrad. „Ein Dorf im Flohmarktfieber“ titelte die Presseinfo von Helga Guthmann und Sabine Masannek-Chudaska im Vorfeld vollmundig. Die beiden haben das im Hessischen weit verbreitete Konzept voriges Jahr in die Altrheingemeinde geholt und nach dem fulminanten Anfangserfolg zum 50-jährigen Zusammenschluss von Bobenheim und Roxheim diesmal auf beide Ortsteile ausgedehnt.

An der Ecke Haardtstraße/Geschwister Scholl-Straße wartet ein Aquarium mit Fachliteratur über heimische Ziergarnelen auf seinen Abtransport. Das gläserne Stück haben die Kinder von Silvia Kampe ergattert. „Es ist für den Fischnachwuchs“, erklärt die Wormserin. „Geb mer’ en Euro“ schlägt Berthold Brinke einem kleinen Jungen vor, der sich ein Buch über Motorräder gekrallt hat. Gemeinsam mit Ehefrau Anita ist er zum ersten Mal dabei und will sich unter anderem von seinen Zweirad-Büchern trennen. „Nur zum Spaß“ und ohne besondere Erwartungen mache man hier mit. „Ich habe was Tolles fürs Enkelchen erwischt“, freut sich Sandra Müller aus Worms und öffnet ihre Tüte: Das pinkfarbene Kinderklavier sei das ideale Geburtstagsgeschenk für die bald Einjährige.

Auch der Vogelpark ist im Flohmarktfieber. Hier hat man die Werkstatt ausgeräumt und bietet neben allerlei gespendetem Deko-Nippes antike Maschinen und Gerätschaften wie Bohrer, Schleifer, Häcksler und Hochdruckreiniger. Der Kabelsalat am Boden sieht eher aus wie moderne Kunst. Vogelfreunde mit Spezialinteressen haben die Wahl zwischen Dutzenden Buchtiteln über Turmfalken, Feldlerchen, Rote Milane und Wasservögel.

„Vormittags war am meisten los“, berichten Sabrina und Marion Schmitt in der Max-Planck-Straße, „manche kamen schon vor elf Uhr“. Einiges an Kinderkleidung haben Mutter und Tochter bereits verkauft. Den Flohmarkttag am frühen Vormittag zu starten fänden sie besser. „Klamotten sind der Renner“, freut sich Ursula Rexhepi in der Mittelstraße. Sie nutzt den Flohmarktverkauf für eine Benefizaktion, mit der Hunde in Rumänien unterstützt werden.

In der Siemensstraße hat Mia Kusch ihr Kinderzimmer ausgeräumt und bietet ihr Kuschelmonster-Sammelsurium zum Verkauf. Zum Entdecken lädt die Hofeinfahrt von Patrick Minrath in der Vom-Stein-Straße ein: neben Flohmarkt-Klassikern wie Büchern, Spielen und DVDs zeigt der Kunsthandwerker seine unter dem Label „Pfalzbrett“ gefertigten Holzarbeiten wie etwa Grammofon-Verstärker fürs Smartphone. „Sehr cooler Laden“, meinen einige Vorübergehende anerkennend.

„Winterreifen, Sommerreifen, Tiefkühltruhe, Waschmaschine“, ruft es im Konrad-Adenauer-Ring. Dort künden Techno-Beats von einer Garagen-Party. Nachbarn haben es sich in einer Shisha-Ecke bequem gemacht und es gibt Klamotten und Kirschkuchen. Schräg gegenüber bieten Kinder selbstgebackene Donuts an. Unterm Zeltdach türmen sich säckeweise Spielsachen und Lego-Figuren aller Epochen.

Mit mehreren Holzkisten beladen kommen Angelika und Michael Schwab aus einem Hof in der Frankenthaler Straße. „Die sind für die Garten-Deko“, erklären die beiden Osthofener. Aus dem Internet haben die passionierten Flohmarktfans von der Aktion erfahren und sich gleich morgens auf den Weg gemacht. Pulli, Pfanne und eine Schiefertafel haben sie bereits eingesackt. „Wir sind echte Power-Shopper“, betonen die beiden. Eingekauft werde auch für die Nachbarn.

Verkaufen sei das eine, doch mindestens ebenso wichtig sei das gemeinschaftliche Erleben, betont Sabine Masannek-Chudaska, eine der Veranstalterinnen. Beim Durchradeln beider Ortsteile habe sie wunderschöne Stimmungen eingefangen, Freunde träfen sich, Nachbarn kämen zusammen, das verbinde. „Wir sind glücklich, eine so tolle Aktion auf die Beine gestellt zu haben, gibt sich auch Helga Guthmann zufrieden. Fünf Prozent aller Haushalte in der Altrheingemeinde hätten teilgenommen, der örtliche Globus habe das Ganze mit dem Drucken des Lageplans tatkräftig unterstützt und die Gemeinde den Termin – alternativ zum ausgefallenen verkaufsoffenen Sonntag – als Marktsonntag freigegeben.

Doch auch das gab es: Der Ordnungsdienst war am Sonntagnachmittag – sehr zum Unmut mancher Besucher – verstärkt mit dem Verteilen von Knöllchen beschäftigt. Eine erste Bilanz ergab, dass Adressen an abgelegeneren Bezirken wenig frequentiert wurden.

Karlfried Mehlmann aus Bobenheim-Roxheim hat ein Kreuz ergattert. Foto: BOLTE
Karlfried Mehlmann aus Bobenheim-Roxheim hat ein Kreuz ergattert.
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