Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bobenheim-Roxheim: Andreas Krill, an Leukämie erkrankt, ist auf dem Weg der Besserung

Der Rückhalt von Familie und Freunden war für Andreas Krill (rechts) in der Zeit seiner Krankheit unverzichtbar. Seine Frau Chri
Der Rückhalt von Familie und Freunden war für Andreas Krill (rechts) in der Zeit seiner Krankheit unverzichtbar. Seine Frau Christina (links) war mit ihm etliche Male beim Arzt – auch noch nach der Transplantation. Foto: BOLTE

Das Jahr 2019 begann für Andreas Krill mit einer bitterbösen Überraschung. Ihm wurde eine aggressive und seltene Form von Leukämie (Blutkrebs) diagnostiziert. Nach vielen Monaten im Krankenhaus erhielt er vor einem halben Jahr eine Stammzellspende. Nun muss er wieder ins Leben zurückfinden.

Ein Stammzellspender, der zu 100 Prozent passt, ist gefunden, und dann ist wieder alles super. „So einfach ist das leider nicht“, weiß Andreas Krill. Der Familienvater aus Bobenheim-Roxheim hat ein schweres Jahr hinter sich. Als er am 2. Januar 2019 zu seinem Hausarzt ging und sich etwas gegen seine vermutete Grippe verschreiben lassen wollte, konnte der Arzt keine eindeutigen Grippesymptome feststellen. Eine Blutprobe führte schließlich zu einem schlimmen Verdacht. Tags darauf kam der 40-Jährige ins Krankenhaus. Es war keine Grippe, die ihn heimgesucht hatte, sondern eine bösartige Form von Leukämie.

Therapien mit Nebenwirkungen

„Das war am Anfang alles so surreal“, blickt Krill zurück. Bis weit in den Mai hinein blieb er fast durchgehend im Klinikum in Ludwigshafen. Seine beiden Kinder, ein Jahr und vier Jahre alt, sah er in diesen fünf Monaten fast gar nicht. Im Krankenhaus musste er längere Zeit isoliert liegen. „Da kann man von Glück sagen, dass es heute so etwas wie den Video-Chat gibt“, sagt Krill im Gespräch mit der RHEINPFALZ, die ihn im neuen Jahr zu Hause besucht.

Mehrere Chemotherapien hat der 40-Jährige durchmachen müssen. „Und die waren hart“, erinnert er sich. Die Therapien sollten die Krebszellen bekämpfen, doch natürlich hatte Krill auch mit den Nebenwirkungen zu kämpfen: ausfallende Haare, brüchige Nägel.

„Niemand ist davor gefeit“

„Du denkst natürlich, es bricht eine Welt zusammen. Aber ich habe trotzdem versucht, den Glauben nicht zu verlieren“, berichtet der Bobenheim-Roxheimer. Schlimm an der Krankheit findet er, dass sie ausnahmslos jeden treffen kann: „Vom Säugling bis zum 90-jährigen Opa – niemand ist vor dem Blutkrebs gefeit.“ Das Gefühl, von der Hilfe eines anderen abhängig zu sein, habe die Last nur noch erhöht. Denn um weiterleben zu können, brauchte Andreas Krill einen Stammzellenspender.

Die Suche nach diesem Spender habe sich in die Länge gezogen. „Irgendwann hieß es dann, es gebe zwei zu 100 Prozent passende mögliche Spender“, erzählt Krills Ehefrau Christina Renter. Dann seien die beiden potenziellen Lebensretter plötzlich doch nicht mehr verfügbar gewesen. „Wir saßen im Mai bei der Oberärztin an der Uniklinik in Mainz, und sie fragte plötzlich, wie es denn mit Andreas’ Bruder sei.“ Dieser hätte auch Spender sein können – allerdings nur mit einer 70-prozentigen Übereinstimmung. „Das wäre sehr riskant gewesen“, sagt der Familienvater.

Am 25. Mai gab es eine Typisierungsaktion in Bobenheim-Roxheim in Zusammenarbeit mit der Stefan-Morsch-Stiftung. Angestoßen wurde die Aktion von Familienfreundin Sandra Kapper. 272 Leute ließen sich an diesem Tag typisieren. „Wir wollten zum einen nicht tatenlos zusehen, bis ein Spender gefunden ist, zum anderen wollten wir vor allem junge Leute für das Thema Stammzellspende sensibilisieren“, erklärt die Ehefrau.

Leben mit neuem Immunsystem

Wer derjenige ist, dessen zu 100 Prozent passende Zellen dem Bobenheim-Roxheimer schließlich im Juli transplantiert wurden, das weiß die Familie nicht. „Das bleibt alles anonym“, sagt Andreas Krill. „Nach zwei Jahren kann man es erfahren.“

Den Tag der Transplantation, den 10. Juli 2019, nennt er seinen zweiten Geburtstag. Damit war es jedoch noch nicht getan. Der Körper des 40-Jährigen wurde vor dem Eingriff sozusagen auf Null zurückgesetzt, das alte Knochenmark zerstört. Die neuen Zellen mussten erst anwachsen und neue Blutzellen entwickeln. „In den ersten 14 Tagen nach der Transplantation war ich praktisch anfällig für alles“, sagt Krill, der ein neues Immunsystem ausbilden musste. Nach etwa zweieinhalb Wochen hätten sich langsam, aber sicher wieder Leukozyten (weiße Blutzellen) gebildet. Eine erfreuliche Nachricht.

Anfang August war Andreas Krill wieder zu Hause. Vor seiner Rückkehr wurden einige Vorkehrungen getroffen: Pflanzen und Teppiche mussten allesamt raus, er durfte nicht staubsaugen, keinen Müll rausbringen, musste große Menschenansammlungen meiden und sich 15-mal pro Tag die Hände desinfizieren. Es gab einige Abstoßungsreaktionen seines Körpers: Die Leber zum Beispiel habe gegen die neuen Zellen reagiert, erzählt er. Bis Ende September waren wegen solcher Reaktionen ein bis zwei Besuche pro Woche in Mainz die Regel.

„Ich wusste, dass wir das schaffen“

Heute befindet Andreas Krill sich auf dem Weg zurück ins Leben. Er hat einen guten Immunstatus. Der 40-Jährige darf wieder Auto fahren und muss nur noch alle drei Wochen nach Mainz. „Ich muss mich auch viel bewegen, das ist der Schlüssel zur vollständigen Genesung.“ Krill möchte mit dem Radfahren wieder anfangen und um den Altrhein walken. Seine Arbeit in Frankenthal will er auch wieder aufnehmen. Es war ein steiniger Weg für ihn und seine Familie. „Aber ich wusste von Anfang an, dass wir das schaffen“, sagt seine Frau.

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