Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Bloggerin Susanne Ackstaller: „Wir Frauen ab 50 müssen laut bleiben“

Ja, wo ist es denn nur, das Glück? Um es zu finden, muss man auch manchmal was wagen, sagt die Autorin Susanne Ackstaller.
Ja, wo ist es denn nur, das Glück? Um es zu finden, muss man auch manchmal was wagen, sagt die Autorin Susanne Ackstaller.

„Auf das Leben!“ – ein Buchtitel, zu dem die Sektgläser klingen können. Bloggerin Susanne Ackstaller verrät im Interview das Glücksgeheimnis für Frauen ab 50 plus.

Frau Ackstaller, Sie schreiben in Ihrem Buch, aus dem Sie am 13. März in der Schifferstadter Bücherei lesen werden, Frauen ab 50 werden zunehmend unsichtbar. Ich werde in zwei Monaten auch 50 Jahre, darum macht mir das etwas Angst. Was kann ich tun, um als Frau weiter gesehen zu werden?
Das ist in der Tat das Hauptproblem. Selbst Frauen, die einen hohen extrovertierten Anteil haben und auch optisch nicht unscheinbar sind, werden ab 50 nicht mehr so sehr beachtet. Man fällt durchs Raster, das ist schon krass. Einerseits liegt das an der männlichen Dominanz in unserer Gesellschaft, andererseits sind wir Frauen ab 50 auch selbst schuld daran. Wir machen ja oft auch mit, verlassen freiwillig die Bühne und treten in die zweite Reihe. Müssten wir aber nicht. Wir sollten lieber laut bleiben, unsere Stimme erheben. Wir sollten in allen Bereichen nicht verblassen und auch modisch, kraftvoll und farbenfroh bleiben. Und wir Frauen müssen uns untereinander vernetzen. Gemeinsam sind wir stärker.

Besonders das Optische, die Veränderung des Körpers, wenn man älter wird – das gelassen zu nehmen, fällt uns Frauen meist schwer. Dabei sollte es eigentlich keine Rolle spielen, oder?
Ja, die Pfirsichbäckchen sind passé, die ersten grauen Haare und Falten sind da, man nimmt zu. Und dann fangen die Frauen an, sich zu verstecken. Meiner Beobachtung nach verfallen vor allem Frauen, die in jüngeren Jahren sehr attraktiv waren, in einen ständigen verzweifelten Kampf gegen all die Alterserscheinungen. Sie verstecken sich und verschwinden. Das ist aber von Grund auf falsch. Wir Frauen über 50 sind die Boomer, wir sind viele. Und dafür sind wir verdammt leise und unauffällig. Männer, egal wie sie aussehen, werden mit Mitte 60 Bundeskanzler oder Vorstand eines Dax-Unternehmens. Wir Frauen gehen in den Kirchenchor. Das ist auch mit ein Grund, warum ich meinen Blog Texterella schreibe: Ich möchte Frauen ermutigen, dieses Spielchen nicht mitzumachen. Aber es ist nicht einfach, das weiß ich.

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Haben Sie den Eindruck, dass sich da etwas geändert hat in den vergangenen Jahren? Dass die Frauen ab 50 wieder sichtbarer werden?
Ja, weil wir eben eine große Masse sind. Die Wirtschaftsunternehmen, aber auch Kunst- und Kulturschaffende wären ja schön blöd, wenn sie uns als Zielgruppe nicht wahrnehmen würden. Auch über Social Media machen sich Frauen über 50 sichtbarer. Und das ist absolut wunderbar. Jetzt müssen wir mal schauen, wie sich die Situation politisch weiterentwickelt. Wir sehen ja in den USA, dass wir bei den Frauenrechten einen Rückschritt erleben. Das wird sich mit Sicherheit verzögert auch bei uns bemerkbar machen. Es bleibt auch spannend, zu sehen, ob wir Frauen uns dagegen wehren, wenn zum Beispiel ein designierter Bundeskanzler Friedrich Merz meint, dass wir nicht mit am Kabinettstisch sitzen sollen. Das darf doch nicht wahr sein. Wir tun damit den Frauen keinen Gefallen.

50 scheint für Frauen eine magische Grenze sein – privat, beruflich, optisch, mental. Sie zitieren in Ihrem Buch eine Statistik, nach der die Frau mit 49 in puncto Glücklichsein am Tiefpunkt ist, sie aber ab dann immer glücklicher wird. Wie erklären Sie sich das?
Diese Statistik hat mich auch verwundert, denn das habe ich so gar nicht empfunden. Darum habe ich auch das Buch geschrieben, in dem ich 17 ganz unterschiedliche Frauen mit ihren Lebenswegen zu Wort kommen lasse. Für mich war die 50 gar nicht so schlimm. Die nun herannahende 60 ist für mich schon etwas gruselig, denn dann geht es schon Richtung Rente. Und ich fühle mich auch nicht, als wäre ich schon fast 60 Jahre alt.

In Ihrem Buch sprechen Sie mit den Frauen über ihre Glücksgeheimnisse. Sind Sie nun schlauer, wie es gehen könnte, glücklich zu sein?
Ja, ich habe in den Interviews mit den Frauen viel für mich mitgenommen, vor allem von den Frauen, die mit großen Herausforderungen zu kämpfen hatten. Etwa die Bäuerin Lucia Heigl, die vor etwa sieben Jahren metastasierten Brustkrebs diagnostiziert bekommen hat, laut Prognose schon längst tot sein müsste, aber immer noch lebt. Ihre Lebenshaltung hat mich sehr beeindruckt, wie überhaupt die Haltungen dieser Frauen gegenüber den Herausforderungen. Sie hadern nicht mit ihrem Schicksal, lassen sich nicht umwerfen. Und machen das Beste daraus. Sie verschwenden keine Energie an die Frage: Warum ich? Claudia Braunstein zum Beispiel, die ihr Mode-Unternehmen aufgeben musste und bei der Zungenkrebs diagnostiziert wurde, hat sich komplett neu erfunden, erst hat sie – aus eigener Betroffenheit – ein Kochbuch für Menschen mit Schluckbeschwerden und Dysphagie geschrieben und ist dann Reise-Bloggerin geworden. Und Ria Schatzschneider beschreibt eindrücklich, wie sie sich nicht von ihrer Alterszahl einschüchtern und bremsen lässt.

Doch je älter wir werden, desto mehr Grenzen tun sich gefühlt auf. Das ist mitunter doch sehr entmutigend, oder?
Ja, da gebe ich Ihnen recht. Aber: Das Glück ist nicht bequem. Das ist auch eine Kernaussage meines Buches. Nur sehr selten fällt einem das Glück in den Schoß. Meistens müssen wir uns darum bemühen, es suchen und dafür arbeiten. Und dabei nicht aufgeben. Dann kommt es, vielleicht aber auch nicht. Aber was zu tun, erhöht auf jeden Fall die Chance. Man sollte nicht auf der Couch sitzen und darauf warten.

Wie wichtig ist eine Partnerschaft zum Glücklichsein? Eine Frau in Ihrem Buch ist seit vielen Jahren glücklicher Single. Besonders für Frauen gilt ja die Partnerschaft als Glücksbringer.
Das klassische Partnerschaftsmodell ist nicht allein glücklich machend. Jene Frau sagt für sich: lieber allein glücklich als zu zweit unglücklich. Ich hingegen bin seit über 30 Jahren verheiratet, mit Höhen und Tiefen. Wichtig ist, denke ich, seine Freundschaften zu pflegen, auch wenn man in der Partnerschaft oder Ehe ist. Eine Ehe ist fragiler als eine Freundschaft. Und auch wenn es sehr abgedroschen klingt: Wir müssen lernen, uns zu lieben. Wenn wir selbst mit uns zufrieden sind, dann ist es fast schon ein bisschen egal, ob wir einen Partner haben.

Die Geschichten der Frauen ermutigen. Gibt es aber dennoch Grenzen oder sogar ein No-Go für Frauen ab 50?
Ein regelrechtes No-Go sehe ich nicht. Aber wir müssen uns schon eingestehen, dass wir keine 25 mehr sind. Es ist nicht mehr alles möglich. Man wird sehr wahrscheinlich mit 50 keine professionelle Ballerina mehr werden. Aber viele Dinge gehen eben doch. Wir sollten uns vielleicht weniger mit den Dingen beschäftigen, die nicht mehr gehen als mit denen, die noch gehen. Fakt ist: Wir können das Leben nicht neu leben, aber man kann noch sehr viel gestalten. Dafür gibt es in meinem Buch auch sehr viele Beispiele.

Wann war denn in jüngster Vergangenheit Ihr ganz persönlicher Glücksmoment?
Man muss sich von der Vorstellung lösen, dass da riesige Glücksmomente kommen. Aber einer meiner Glücksmomente war, als der Knesebeck Verlag auf mich zukam und ein Buch mit mir machen wollte. Daraus wurde dann „Die beste Zeit für guten Stil“. Oder als mir ein Bild zugeschickt wurde, auf dem zu sehen war, dass „Auf das Leben!“ im Museumsshop im Haus der Kunst in München verkauft wird. Das hat mich glücklich gemacht.

Noch Fragen?

Susanne Ackstaller liest am Donnerstag, 13. März, um 19.30 Uhr aus ihrem Buch „Auf das Leben!“ , begleitet wird die Veranstaltung von einer Ausstellung mit Fotografien und Illustrationen. Der Eintritt kostet zehn Euro. Karten gibt es in der Stadtbücherei Schifferstadt, Rehbachstraße 2, oder an der Abendkasse.

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