Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Blaskapelle: Mit Paukenschlägen aus der Corona-Pause

Ohne Zugabe durfte die Blaskapelle, die seit 26 Jahren von Thomas Zelt dirigiert wird, nicht gehen.
Ohne Zugabe durfte die Blaskapelle, die seit 26 Jahren von Thomas Zelt dirigiert wird, nicht gehen.

„Darf man in dieser Zeit überhaupt ein Konzert veranstalten“, diese Frage hatte sich die Blaskapelle Mutterstadt gestellt und sich für ein klares Ja entschieden. Nach zwei Jahren Corona-Pause haben die 30 Musiker es schmerzhaft vermisst, vor Publikum zu spielen. 300 Zuhörer waren zum Sonntagskonzert gekommen.

Es müssen die Paukenschläge aus Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ gewesen sein. Sie donnerten durch den Saal, man spürte sie bin in den Stuhl, auf dem man saß, und sie rissen einen von Anfang an mit. „Ich bin sicher, dass es Ihnen gefallen wird“, kündigte Saxophonist Georg Rein dann die „New Baroque Suite“ des holländischen Komponisten Ted Huggens an und sollte recht behalten. Die zeitlich versetzte Wiederholung eines musikalischen Themas in der Suite kam ebenso gut an wie die anschließende instrumentale Reise in den Wilden Westen. Im Zug durchquert man während des Stücks „Oregon“ von Jacob de Haan den gleichnamigen Staat im Nordwesten der USA und lässt galoppierende Cowboys auf Pferden und Planwagen an sich vorüberziehen.

Persönliches Lieblingsstück von Trompeter Klaus Magin ist Giuseppe Verdis „Hymne und Triumph-Marsch“ aus „Aida“. Bei der Ankündigung erzählte er, dass das Werk in Kairo anlässlich der Einweihung des Suez-Kanals 1871 uraufgeführt wurde und Verdi es nur wegen der Konkurrenz zu Richard Wagner komponiert hätte, an den ansonsten der Auftrag dafür gegangen wäre.

Im zweiten Teil des Konzertes wurde es nach dem würdevollen Konzertmarsch „Arsenal Concert March“ von Jan Van der Roost mit „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber rockig. Mitreißende Musik erzählte die Passionsgeschichte aus der kritischen Sicht von Judas. „Seit 50 Jahren berührt und begeistert das Stück, illustriert die Geburt einer Weltreligion und warnt vor Glauben, der zum Fanatismus wird“, kündigte Euphonium-Spieler Andreas Kaufmann die Rockoper an. Dass Swing Ende der 1920er-Jahre in den USA entstand und in den 30er- und 40er-Jahren seinen Höhepunkt hatte, erfuhr das Publikum von Klarinettistin Maike Habekost, als sie das Publikum zum von Steve McMillan arrangierten Swing-Medley „Golden Swing Time“ hinführte. Und sie hatte noch etwas „Besserwisserwissen“ parat: „Die Dreigroschenoper ist übrigens ein Theaterstück“. Für sie stand fest: „Nichts ist so belebend wie eine swingende Band.“

Applaus im Stehen gab es für die abschließenden „Frank Sinatra Classics“ (Arrangement Stefan Schwalgin). Ob „New York, New York“ oder „Something Stupid“ – Trompeter René Tavernier, selbst schon in New York gewesen, beschrieb das lachend so: Lieder alle bekannt, dennoch immer wieder gern gehörte Ohrwürmer. Auch an diesem Abend. Gehen durfte die Blaskapelle, seit 26 Jahren dirigiert von Thomas Zelt, natürlich nicht ohne Zugabe. Der „Bozner Bergsteigermarsch“ mit einem von Klaus Magin verfassten Mutterstadter Liedtext und „Abendmond“ mussten noch sein.

„Es hat richtig Spaß gemacht“, bedankte sich der Vorsitzende Peter Reinartz beim Publikum. Eine davon, Renate Goletz, war fasziniert von der Disziplin der Musiker. Der Funke ist bei ihr übergesprungen, ihr Urteil in einem Wort: „Boah!“ Nicht zum ersten Mal habe sie die Blaskapelle erlebt und fühlte sich bestätigt: „Das ist ganz große Kunst.“

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