Hochdorf-Assenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Blaskapelle Assenheim: Von der „Kleinen Besetzung“ zu „Grand Malör“

Die neue Uniform der Blaskapelle Assenheim: Dirndl und Lederhosen.
Die neue Uniform der Blaskapelle Assenheim: Dirndl und Lederhosen.

90 Jahre – das ist eigentlich kein klassisches Jubiläum für einen Verein. Feiern will die Blaskapelle Assenheim aber trotzdem. Mit dabei ist eine Band, die aus dem Orchester vor 35 Jahren hervorgegangen ist.

Mathias und Steffen Drayß müssen schmunzeln. Mathias Drayß, der Vorsitzende der Blaskapelle Assenheim, hat alte Festschriften herausgesucht. Zum Beispiel die zum 50-jährigen Bestehen des Orchesters. „Da war ich gerade ganz frisch bei der Blaskapelle dabei“, sinniert Steffen Drayß. Das Gruppenbild zeigt Menschen, die weiße Hemden oder Blusen tragen, dazu schwarze Krawatten, rote Westen und schwarze Hosen. „Alle anderen auf dem Bild sind schon nicht mehr dabei“, meint Mathias Drayß.

Er spielt in der Blaskapelle die Tuba, sein Bruder ist bei den Trompetern zu finden. Bei den Klamotten geht die Blaskapelle mittlerweile andere Wege. Lederhosen für die Herren und Dirndl für die Damen sind inzwischen die „Uniform“, in der die Kapelle auftritt. Die Blaskapelle Assenheim, das sind dem Vorsitzenden zufolge aktuell rund 30 Musiker und Musikerinnen. „Die Stimmung ist sehr gut. Wir haben aus der kleinen Truppe eine Mannschaft gemacht, die sich von anderen Blaskapellen abhebt“, sagt Mathias Drayß.

Bis zu 20 Auftritte pro Jahr

Wie das genau passiert, wird deutlich, als die beiden ihre Smartphones zücken und die Bildergalerien öffnen. „Wir gehen auch ins Publikum, steigen auf Bänke und spielen da“, sagt Steffen Drayß. „Und wir haben auch noch Gesang dabei“, ergänzt Mathias Drayß, der seit zehn Jahren Vorsitzender des Vereins ist.

15 bis 20 Auftritte hat die Band pro Jahr, sagt Mathias Drayß. Die Bandbreite ist groß. Es sind fest eingeplante Veranstaltungen dabei wie Martinsumzug oder Volkstrauertag. Man hört die Kapelle aber auch auf der Kerwe oder beim Frühschoppen. „Am 24. Dezember laufen wir in kleiner Besetzung durch die Straßen und spielen Weihnachtslieder. Das geht ans Herz, weil die Musiker von sich aus sagen, dass sie sich eine Zeit lang von der Familie verabschieden. Und die Leute am Straßenrand machen mit. Es gibt Lagerfeuer, Gulaschsuppe ... Wenn wir jeden Schnaps trinken würden, den wir angeboten bekommen ...“, sagt Mathias Drayß und lacht.

Musiker aus der Umgebung

Die Musiker kommen nicht nur aus Hochdorf-Assenheim oder der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim. „Wir haben Mitglieder aus Waldsee, Otterstadt, Schifferstadt. Das ist schon schön. Einige spielen auch in zwei Orchestern“, erzählt der Vereinsvorsitzende. Er ist sich sicher: „Wir können alle Fans abholen. Blasmusik kann cool sein.“ Man merke in dieser Zeit, dass die Blasmusik ihr leicht angestaubtes Image von früher ablege.

Bei der Gründung 1934 ging es dagegen noch etwas steifer zu.
Bei der Gründung 1934 ging es dagegen noch etwas steifer zu.

An Dirndl, Lederhosen und flippige Nummern im Publikum haben die Gründerväter der Blaskapelle im Frühjahr 1934 bestimmt nicht gedacht, als sie die Blaskapelle aus der Taufe hoben. Die Chronik auf der Homepage der Blaskapelle verrät: Ein Jahr Vorbereitungszeit habe es gebraucht, bis der Gedanke gereift war, eine Blaskapelle zu gründen. Die Initiative hatte damals Dorflehrer Heinrich Weiß aus Kreimbach bei Kusel ergriffen.

Spende: 450 Reichsmark

Durch die Auflösung des Stadtorchesters Kaiserslautern sei man günstig an Instrumente gekommen. Möglich gemacht hatte das eine „großzügige Spende von 450 Reichsmark“ mehrerer Assenheimer Landwirte. Die Probestunden wurden, so erzählt die Chronik weiter, abwechselnd bei den Gründungsmitgliedern abgehalten. Und schon im Gründungsjahr gab es die ersten Auftritte.

Wegen des Zweiten Weltkriegs mussten die Proben 1942 eingestellt werden. 1947, nach dem Ende der Kriegswirren, war nur noch eine kleine Gruppe Musiker übrig geblieben. Jakob Wagner belebte das Orchester schließlich wieder. Ab 1948 fanden wieder regelmäßig Proben statt. Und im Oktober übernahm Oberlehrer Hermann Reis als Dirigent die Blaskapelle.

Seit 1981 eingetragener Verein

In den 1950er-Jahren verzeichnete die Kapelle einen ordentlichen Mitgliederzuwachs. Es folgen zahlreiche Auftritte, was sich in die 1960er-Jahre fortzieht. Mittlerweile hat Nachwuchsdirigent Manfred Blattner den Taktstock übernommen. Ab 1970 probt die Blaskapelle im Clubheim des TB Assenheim. Seit 1981 ist sie ein eingetragener Verein.

Dirigent ist inzwischen Bernd Schneider. Er leitet seit März 2009 die musikalischen Geschicke der Blaskapelle. Und er wird auch am 23. November im Mußbacher Winzer vorne stehen. Dann greift die Blaskapelle nämlich anlässlich ihres runden Geburtstags zu den Instrumenten. Denn diesen habe man nicht klanglos verschwinden lassen wollen, sagt Mathias Drayß.

Zurück zu den Wurzeln

Aber was tun? An ein Weihnachtskonzert in der Kirche habe man gedacht. Am Ende sei man aber zurück zu den Wurzeln gegangen. Denn seit zehn, 15 Jahren spiele man regelmäßig zweimal im Jahr im Neustadter Ortsteil. Und doch betreten die Musiker ein bisschen unbekanntes Terrain. „Wir probieren mal eine Kombination“, verrät Mathias Drayß. Los geht’s mit weihnachtlichen Klängen. Schließlich steht dann die Adventszeit vor der Tür. „Und dann geht es quasi über in eine Art Après-Ski-Party“, sagt der 52-Jährige und muss grinsen.

Bekannte Gesichter: Steffen (links) und Mathias Drayß. Steffen Drayß ist auch Frontmann von Grand Malör. Mathias Drayß ist seit
Bekannte Gesichter: Steffen (links) und Mathias Drayß. Steffen Drayß ist auch Frontmann von Grand Malör. Mathias Drayß ist seit zehn Jahren Vorsitzender der Blaskapelle.

Denn nach dem Auftritt der Blaskapelle kommt eine Band auf die Bühne, die vor 35 Jahren von Musikern der Blaskapelle gegründet wurde und die seit damals aus der Pfälzer Musikszene nicht wegzudenken ist: Grand Malör. Das Bindeglied ist Steffen Drayß (56), der dann die Trompete wegstellt und als Frontmann der Kultband zum Mikrofon greift.

Fünf Stücke dreimal gespielt

Gestartet sind Grand Malör ursprünglich als „Kleine Besetzung der Blaskapelle“, erinnert sich Steffen Drayß. „Wir sind beim Assenheimer Dorffest in der Scheier mit fünf Stücken aufgetreten. Das ist so gut angekommen, dass wir sie dreimal wiederholen mussten“, erinnert er sich und grinst. Danach habe sich die Band Grand Malör genannt.

Erster Auftritt: Vor 35 Jahren umfasste das Repertoire von Grand Malör fünf Songs. „Die mussten wir dreimal spielen“, sagt Steff
Erster Auftritt: Vor 35 Jahren umfasste das Repertoire von Grand Malör fünf Songs. »Die mussten wir dreimal spielen«, sagt Steffen Drayß.

Außer dem Frontmann sind von der Urbesetzung heute noch Kai Sauer (Saxofon, Bass), Dirk Himmighöfer (Schlagzeug) und Jörg Landeck (Gitarre) dabei. Aus den fünf Stücken beim ersten Auftritt ist mittlerweile ein Repertoire von etwa 200 Liedern geworden. Und dank des Doppelengagements des Frontmanns ist der Kontakt zur Blaskapelle auch immer intakt geblieben.

Mittlerweile ist die Band eine feste Größe in der Pfälzer Musiklandschaft.
Mittlerweile ist die Band eine feste Größe in der Pfälzer Musiklandschaft.

Wie es mit dem Geburtstagskind weitergeht? Mathias Drayß macht keinen Hehl daraus, dass die Truppe auch mit dem fehlenden Nachwuchs zu kämpfen hat. Unterstützung in allen Instrumenten sei willkommen. Auch, damit die Kapelle in zehn Jahren gebührend den 100. Geburtstag feiern kann. Steffen Drayß ist da positiv gestimmt. Und auch Mathias Drayß sieht die Truppe in der Pfalz gut aufgestellt als „Blaskapelle, wenn ich nicht Standard will“.

Termine

Pre X-Mas Party Konzert der Blaskapelle Assenheim mit musikalischer Unterstützung von Grand Malör am 23. November, 18.30 Uhr (Einlass: 17.30 Uhr), Weinbiet Manufaktur, An der Eselshaut 57, Neustadt. Karten für neun Euro (Abendkasse zehn Euro) gibt es bei Mayer + Ruppert (Ludwigshafener Straße 2, Hochdorf-Assenheim), in der Vinothek Weinbiet (An der Eselshaut 57, Neustadt) und während der Proben der Blaskapelle, montags, 19 bis 22 Uhr, Halle des TB Assenheim. Die eigentliche Probe geht von 19.30 bis 21.30 Uhr. Kontakt: info@blaskapelle-assenheim.de.

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