Rhein-Pfalz Kreis Bistum: Nicht mit Rabatten werben
Die Reform „Gemeindepastoral 2015“ im Bistum Speyer hat Auswirkungen auf die Ökumenischen Sozialstationen und die katholischen Krankenpflegevereine. Zum einen müssen die Mitgliedschaften und Stimmrechte von Pfarreien neu geregelt werden. Zum anderen sollen sich die Elisabethenvereine über ihre Zukunft und den Zweck ihrer Arbeit Gedanken machen.
Bei einem Pfarrverbandstreffen Anfang Juli in Bobenheim-Roxheim (wir berichteten) hatte Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, Bischöflicher Beauftragter für die Caritas, das Thema angeschnitten. Er informierte darüber, wie nach dem Start der Großpfarreien in den ökumenischen Einrichtungen für ambulante Pflege der Proporz von katholischen und protestantischen Vertretern gewahrt werden kann (siehe „Zur Sache“). Hundemer stellte bei der Gelegenheit aber auch die Mitgliederwerbung der Krankenpflegevereine infrage. Diese fuße meist auf Rabattanreizen, und das bereite den Ökumenischen Sozialstationen zunehmend Probleme. Zum Hintergrund: Wer Mitglied in einem Krankenpflegeverein ist – egal ob katholisch, evangelisch oder ökumenisch – und von einer christlichen Sozialstation gepflegt wird, bekommt je nach Dauer seiner Mitgliedschaft Rabatt auf jene ambulanten Leistungen, die von der Pflege- und Krankenkasse nicht bezahlt werden. Das kann von zehn Prozent nach drei Jahren Vereinszugehörigkeit bis zu 25 Prozent nach 16 Jahren reichen. Die Krankenpflegevereine wiederum führen von 31 Euro Mitgliedsbeitrag pro Person und Jahr 25 Euro an die Sozialstation ab, um diese finanziell zu unterstützen. Laut Domkapitular Hundemer ist zu befürchten, dass diese Struktur bald nicht mehr tragfähig ist und Rabatte die Sozialstationen schädigen, wenn sie in keinem Verhältnis mehr zu den Beiträgen des Vereinsmitglieds stehen. Caritas und Diakonie zögen deshalb an einem Strang, um die Sozialstationen von den Zuwendungen der Krankenpflegevereine unabhängig zu machen. Zum Beispiel, indem mit den Kassen Pflegesätze ausgehandelt werden, die bei gleichzeitiger Reduzierung der Fixkosten auskömmlich für die Sozialstationen sind. Hundemers Wunsch an die Vorstände der Elisabethenvereine: Auf Mitgliederwerbung mit dem Hinweis auf mögliche Rabatte im Pflegefall soll verzichtet werden. Das sieht Andreas Rhein, Geschäftsführer der Ökumenischen Sozialstation Lambsheim, die in den Orten der neuen Großpfarrei Heiliger Petrus tätig ist, kritisch. „Die Vergütung für unsere Pflegeleistungen sollte angemessen sein“, sagt er und stimmt damit dem Ziel von Caritas und Diakonie zu. Doch die jüngsten Pflegesätze, die von beiden Verbänden mit den Kassen ausgehandelt worden seien, „hätten doch ruhig ein bisschen höher ausfallen können“, meint er. Sicher schmälerten Rabatte den Erlös, jedoch erhalte gerade seine Sozialstation mehr Mitgliedsbeiträge als sie Nachlässe gewähre. Rhein sieht die Krankenpflegevereine als Solidargemeinschaft: „Jeder zahlt Beitrag, aber nicht jeder beansprucht Leistungen.“ Im Übrigen sei ein einseitiger Verzicht der Elisabethenvereine auf Rabattierung ein Wettbewerbsnachteil gegenüber den evangelischen und ökumenischen Pendants. Deshalb müsse die Mitgliederversammlung der Sozialstation über den einheitlichen Verzicht auf Rabatte entscheiden. Ein Verzicht auf Rabattierung bedeute für die Krankenpflegevereine, dass den Mitgliedern ein „geldwerter Vorteil“ entgehe und es damit schwerer werde, neue Mitglieder zu werben, meint Petra Constantine, Vorsitzende des Ökumenischen Krankenpflegevereins Beindersheim-Heßheim. Gabriele Sohns, Chefin des Elisabethenvereins Lambsheim, sieht durch die Beiträge gerade jene Kosten der Sozialstation finanziert, die nicht durch die Kassen abgedeckt werden. Die frühere Attraktivität der Krankenpflegevereine lag ihrer Ansicht nach auch darin begründet, dass es damals keine Pflegeversicherung gab. Caritas-Beauftragter Karl-Ludwig Hundemer empfiehlt den katholischen Elisabethenvereinen, sich auf ihre Wurzeln zu besinnen. Sie seien gegründet worden, um den Orden der Barmherzigen Schwestern von der Heiligen Elisabeth zu unterstützen. Die Ordensschwestern seien Anfang des 20. Jahrhunderts in die Dörfer gekommen, um Kindergärten, Kranken- und Nähstuben zu betreiben, also um pflegerisch, seelsorgerisch und sozial-karitativ tätig zu werden. Ähnlich könnten die Fördervereine auch heute Dienste finanzieren, die nicht von Kostenträgern wie Krankenkassen bezahlt werden. (cei/ww)