Rhein-Pfalz Kreis „Bin als Pfälzerin akzeptiert“
Speyer. Die Speyerer Schauspielerin Sandra Steinbach gibt seit vier Jahren die Staatsanwältin im „Tatort“ aus Saarbrücken. Gerade entsteht die Episode für den Neujahrstag 2018. Steinbach spricht über Kritiken und Quoten, über das Saarland und die Pfalz und die härter gewordene Schauspielbranche.
Mir, der Schauspielerin hinter der Figur, geht es super. Ich bin gerade in Speyer, meiner Heimatstadt. Hier bin ich sowieso immer glücklich. Speyer ist aber in der Pfalz, und der „Tatort“, in dem Sie die Staatsanwältin Dubois geben, spielt im Saarland. Das grenzt für einige an Landesverrat. Ja, aber wir sind da schwer für Völkerzusammenführung. Dort hat man mich als Pfälzerin akzeptiert. Die Mauer ist sozusagen gefallen. Aber wäre es für eine Pfälzerin nicht erstrebenswert, im pfälzischen „Tatort“ in Ludwigshafen zu spielen? Nach der Schauspielschule war das auch mein erster Gang. Aber dann ergab sich das schöne Angebot, im Saarbrücker „Tatort“ die Staatsanwältin zu übernehmen. Von meiner Seite steht dem Pfälzer „Tatort“ und hier die Mörderin oder das Opfer zu spielen aber nichts im Wege. Ich würde mich sehr darüber freuen, einmal bei den Pfälzer Kollegen mitspielen zu dürfen. Janina Fautz aus Hanhofen hat kürzlich in einem Münsteraner „Tatort“ mit Professor Börne und Kommissar Thiel gespielt. Existiert unter den „Tatorten“ eigentlich ein interner Wettstreit um Kritiken und Quoten? Die Sender und die Teams schauen schon darauf und freuen sich natürlich über das ungebrochene Interesse der „Tatort“-Fans. Ich persönlich wünsche den Kollegen auch immer eine gute Quote und gute Kritiken. Gönnen zu können, finde ich wichtig in unserem Beruf. Haben Sie einen Lieblings-„Tatort“? Ich versuche schon, bei den Kollegen reinzuschauen, aber meistens habe ich Vorstellung am Theater um diese Uhrzeit. Die „Tatort“-Landschaft ist ja in den letzten Jahren sehr vielfältig geworden. Einen Liebling würde ich da nicht ausmachen wollen. Wobei der Münster-„Tatort“ auch mich sehr gut unterhält und amüsiert. Wenn ich privat Filme schaue, dann gern mit Thematiken, die sich nicht um Mord und Totschlag drehen. Die Nachrichten aus aller Welt sind sicher auch daran schuld. Es geschieht so viel Grausamkeit, Elend und Schmerz. Das widerspricht ja fast dem, was Sie in den vergangenen Jahren getan haben. Da ist schon viel Krimi dabei. Stichwort Kriminaltheater in Berlin. Stimmt, und ich spiele diese Rollen auch wirklich gern. Unsere Saarland- „Tatorte“ sind zum Glück ja auch nicht so rabiat und brutal, und unsere Theaterstücke dienen auch eher der Unterhaltung. Von meinem Wesen her bin ich mehr ein Mensch, der für Freude und positives Erleben steht. Dies würde ich auch gern einmal in meinen Rollen verkörpern. Korrigieren Sie mich, aber die Kritik ist bei „Tatorten“ aus dem Saarland wenig zimperlich. Das empfinde ich manchmal auch so. Ich habe oft das Gefühl, dass gerade in den sozialen Netzwerken eine Art Ventilfunktion einsetzt, die die Kommentatoren dort manchmal vergessen lässt, dass hinter jeder Produktion Menschen stehen, die hart für ein gutes Produkt gearbeitet haben. Zum Glück gibt es aber auch die liebevollen, lobenden Kritiken, die mich und unser Team erreichen und die sich ernsthaft mit unserem Film auseinandergesetzt haben. Und der für den 1. Januar vorgesehene Tatort, den wir gerade drehen, wird richtig toll. Hat sich Schauspiel insgesamt verändert, seit Sie fertig sind mit der Schule? Die Branche ist härter geworden, die Anzahl der Absolventen um ein Vielfaches gestiegen, deren Arbeitsmöglichkeiten aber nicht, und ohne diese sind sie schnell in einem Teufelskreis. | Interview: Stephan Alfter