Dudenhofen
Bestattung im Wald: „Es hat etwas Demokratisches“
Frau Wacker-Meister, immer mehr Menschen – so mein Eindruck – ziehen eine naturnahe Bestattungsform in Erwägung oder haben sich schon dafür entschieden. Zeigen Ihre Zahlen auch eine wachsende Nachfrage? Und was ist Ihre Erklärung für diesen Wunsch vieler Menschen?
Ihr Eindruck ist richtig – die Entwicklung geht hin zu naturnahen Bestattungsformen und weg von der klassischen Sargbestattung auf dem Friedhof, wie die Verbraucherinitiative Aeternitas schon im Jahr 2022 in einer repräsentativen Umfrage belegte. Diese Entwicklung spiegelt sich bei Friedwald wider, die Anzahl der Menschen, die sich in Vorsorge für einen Baum oder Platz im Friedwald entscheiden, nimmt jährlich zu, so wie die Anzahl der Verstorbenen, die jedes Jahr in einem der knapp 90 Standorte beigesetzt werden. Um herauszufinden, was die Motive und Gedanken der Menschen sind, haben wir im letzten Jahr das Rheingold Institut mit einer repräsentativen Studie beauftragt.
Zu welchen Ergebnissen kommt die Studie?
Die Bestattungsform ermöglicht über den Wald und die Natur einen versöhnlichen Umgang mit dem Tod. Für viele Menschen fühlt sich der Gedanke an die Beisetzung im Wald wie ein Nachhausekommen an. Die Wahl des Waldes als letzte Ruhestelle ist auch ein Ausdruck der eigenen Naturverbundenheit. Ein weiterer positiver Effekt der Natur in diesem Zusammenhang: Im Friedwald wirkt der Tod weniger dramatisch. Der Wald ist gleichzeitig Bestattungsort und erholsames Ausflugsziel. Dem Tod begegnet man im Friedwald eher beiläufig beim Wandern, Joggen oder auch Gassi gehen.
Welche Vorteile sehen die Menschen noch in der Bestattungsform?
Die letzte Ruhe im Wald schafft es, empfundene Widersprüche und Konflikte aufzulösen. Wie vermögend war ein Mensch oder sind die Nachkommen? Wie gut war sie oder er in das soziale Netz eingebunden? Auf dem Friedhof werden die Antworten auf diese Fragen sichtbar. Im Friedwald bleiben der Abgleich im Tod und der damit verbundene Stress aus. Durch das Grabschmuck-Verbot gleichen sich Statushierarchien aus. Der Wald hat etwas Demokratisches.
Und können Sie der Nachfrage überall gerecht werden?
Ja und nein: In den Regionen, in denen es Friedwald-Standorte gibt, können wir die Wünsche der Menschen nach der letzten Ruhe unter Bäumen erfüllen. Es gibt aber Regionen, in denen es wenig Angebote für Waldbestattungen gibt.
Können immer alle Wünsche erfüllt werden? Wie sieht es konkret in Dudenhofen aus? Wie viel Platz gibt es noch und gibt es Erweiterungsmöglichkeiten beziehungsweise -pläne?
Ja, im Friedwald Dudenhofen und unseren anderen Wäldern können wir die Wünsche erfüllen, was Baumart, Lage und Baumindividuen angeht. Es kommt praktisch nicht vor, dass Menschen bei einer Baumauswahl mit Försterin oder Förster keinen passenden Baum finden. In Dudenhofen ist noch reichlich Platz, die Bestattungswald-Fläche ist 60 Hektar groß, das entspricht ungefähr 85 Fußballfeldern, es gibt noch genügend freie Bäume und Plätze.
Wie früh sollte man sich um einen Bestattungsort im Wald kümmern?
Das ist individuell, es gibt Menschen, die sich in jungen Jahren einen Familienbaum aussuchen, andere kümmern sich um die Beisetzung ihrer Eltern und sorgen gleich für sich selbst vor, andere suchen erst im Trauerfall das Baumgrab aus. Wir wissen, dass es die Angehörigen entlastet, wenn Vorsorge getroffen wurde und die Wünsche des Verstorbenen bekannt sind, bestenfalls schon eine Grabstätte vorhanden ist. Und für die Vorsorger ist es nach unserer Erfahrung ein beruhigendes Gefühl, ein schweres Thema geregelt zu haben und wieder „parken“ zu können.
Stimmt es, dass es jährlich 600 bis 700 Bestattungen im Dudenhofener Friedwald gibt, also im Schnitt fast zwei am Tag?
Ja, das stimmt – in den letzten Jahren wurden jeweils 600 bis 700 Beisetzungen pro Jahr gemacht. Termine werden Mittwoch bis Samstag angeboten. Es gibt aber in jedem Fall genug Zeit und Raum für individuelle, würdevolle Abschiede, denn für jede Beisetzung werden zwei Stunden eingeplant und es gibt zwei Andachtsplätze und mehrere Parkplätze, so dass keinesfalls ein Kommen und Gehen herrscht, wie man es von großen städtischen Friedhöfen kennt. Der Andachtsplatz wird für jeden Beisetzungstermin reserviert, ob es eine große Feier gibt oder nicht. Er ist – wie die abbaubare Friedwald-Urne – bei der Beisetzungsgebühr inklusive.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Kirchen? Gibt es Vorbehalte von Geistlichen gegen diese Bestattungsform?
Nein, ein Friedwald ist ein nach öffentlichem Recht gewidmeter Friedhof und ein würdevoller, friedlicher Ort. Ob eine Beisetzung mit oder ohne kirchlichen Beistand stattfindet, richtet sich nach dem Wunsch der Angehörigen. Es gibt auch die Möglichkeit, die Trauerfeier in einer Kirche oder Trauerhalle zu machen und dann nur zur Beisetzung in den Friedwald zu kommen.
Planen Sie weitere Friedwald-Standorte, möglicherweise sogar in der Region?
Ja, unsere Standortentwicklung ist kontinuierlich dabei, neue Standorte zu erschließen, Partner zu finden – Waldbesitzer und Trägerkommunen –, damit wir möglichst überall ein wohnortnahes Angebot machen können. Aber im direkten Umfeld vom Friedwald Dudenhofen ist derzeit kein neuer Standort geplant.
Und wie sieht es mit den Förstern aus? Wie fügt sich ein Friedwald-Standort in die Forstwirtschaft und die Waldpflege ein?
In Dudenhofen haben wir ein Team von drei Friedwald-Försterinnen und einem Förster, sie kümmern sich um die Menschen im Wald, machen individuelle Baumauswahl Termine und begleiten die Beisetzungen. Natürlich schauen sie dabei auch nach „ihrem“ Wald, sind aber nicht in der Forstpflege tätig, das veranlasst der Waldbesitzer und das zuständige Forstamt Pfälzer Rheinauen, Forstrevier Modenbach.
Zur Sache
Die Friedwald GmbH – Eigenschreibweise FriedWald – wurde im Jahr 2000 gegründet. Das Unternehmen hat seinen Sitz im hessischen Griesheim. 2001 wurde der erste Standort im Reinhardswald bei Kassel eröffnet. Mittlerweile gibt es 88 Standorte in Deutschland und drei in Österreich mit rund 4150 Hektar Bestattungswald. Auf den rund 60 Quadratmetern westlich von Dudenhofen wachsen Baumarten wie Kiefer, Buche, Eiche, Ahorn, Linde oder Esskastanie. In der Pfalz gibt es außerdem einen Friedwald in Kirchheimbolanden. Pro Hektar werden durchschnittlich 80 Bestattungsbäume ausgewiesen. Fast 230.000 Beisetzungen haben in den Friedwald-Standorten stattgefunden. Inzwischen gibt es auch andere Anbieter von Bestattungen im Wald wie Ruheforst oder Trifelsruhe. In der Pfalz sind Waldbestattungen bei Frankenstein, Kaiserslautern, Wilgartswiesen oder Annweiler möglich.