Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Berufsschule: Rhein-Pfalz-Kreis erwägt Neubau

Die Baracken der Anna-Freud-Schule in Ludwigshafen. Sie sollen Containern weichen, die als Provisorium die Raumnot lindern.
Die Baracken der Anna-Freud-Schule in Ludwigshafen. Sie sollen Containern weichen, die als Provisorium die Raumnot lindern. Fotos: KUNZ

Der Rhein-Pfalz-Kreis kann sich vorstellen, eine weitere Schule zu bauen. In Frage kommt etwa eine Berufsschule. Wie passend, dass die Anna-Freud-Schule für Sozialwesen, Gesundheit und Hauswirtschaft in Ludwigshafen ziemlich heruntergekommen ist. Stadt und Kreis haben bereits miteinander gesprochen. Aber noch sind viele Fragen offen.

Voreilige Euphorie will Landrat Clemens Körner (CDU) auf keinen Fall entfachen – und auch keine Missgunst schüren. „Das, was wir an Schulbau begonnen haben, wird davon nicht beeinträchtigt“, sagt er. Vielmehr kommen die Überlegungen, die der Rhein-Pfalz-Kreis hegt, und die Aufgaben, die auf ihn zukommen würden, „on top“, wie es Körner ausdrückt, also zusätzlich hinzu. Er kann sich vorstellen, eine weitere Schule im Rhein-Pfalz-Kreis zu bauen. Naheliegend ist eine Berufsbildende Schule, solch ein Angebot gibt es im Kreis bislang noch nicht. Es ist kurz nach 16 Uhr am Montag, als der Landrat dem Kreisausschuss seine Gedanken präsentiert. Die Fraktionsvorsitzenden hat er Ende vergangener Woche informiert. Es ist alles noch ziemlich frisch.

Etwa zur selben Zeit tagt ein paar Meter weiter der Ludwigshafener Stadtrat. Dort geht es unter anderem um die Anna-Freud-Schule, die in einem katastrophalen Zustand ist. Die Unterrichtsräume im Innenhof der Berufsschule für Sozialwesen, Gesundheit und Hauswirtschaft werden auch Baracken genannt. Die Schule hat schon jetzt zwei Standorte: in der Pfalzgrafenstraße im Stadtteil Süd sowie in der Hochfeld-Grundschule in der Gartenstadt. Der Zulauf ist groß, ebenso aber auch die Raumnot. Im kommenden Schuljahr gehen knapp 1100 Schüler auf die Schule. Abhilfe sollen sechs Container schaffen, die die Baracken ersetzen sollen. So lautet der Plan der Stadtverwaltung, die das Vorhaben allerdings nur als Provisorium sieht.

17 Prozent der Ludwigshafener Berufsschüler kommen aus dem Rhein-Pfalz-Kreis

Denn im Hintergrund gab es bereits Gespräche zwischen Stadt- und Kreisverwaltung. „Vor 14 Tagen, drei Wochen etwa“, sagt Landrat Körner, „wir werden in die Pflicht genommen. Aber wir sollten uns auch in die regionale Verantwortung einbringen.“ Von den rund 12.300 Schülern der sechs Berufsbildenden Schulen in Ludwigshafen kommen mehr als 68 Prozent nicht aus Ludwigshafen. Mit 17 Prozent stammt die größte Gruppe davon aus dem Kreisgebiet. Dass sie zusammenarbeiten wollen, geben Stadt und Kreis in einer gemeinsamen Erklärung wenige Stunden vor Stadtrat und Kreisausschuss bekannt. Aus dem Austausch seien Überlegungen erwachsen, einen neuen Standort für eine Berufsbildende Schule zu suchen, heißt es. Denn in Ludwigshafen gibt es keinen Platz für einen Schulneubau. Eine Möglichkeit könnte nun der Umzug einer ganzen Schule sein. „In den Mittelpunkt dieser Überlegungen ist die Anna-Freud-Schule gerückt“, teilen die beiden Verwaltungen mit.

„Wer die Schule kennt, der weiß, dass der Zustand verbesserungswürdig ist“, sagt Peter Christ, CDU-Fraktionschef im Kreis. Er plädiert dafür, die Pläne zu verfolgen. „Wir haben eine Verantwortung für die Ausbildung“, sagt er und ist mit dieser Meinung nicht allein. „Es ist ein guter Schritt, gerade im Bereich mit einem Fachkräftemangel“, findet Elias Weinacht (Grüne). „Da braucht es einen leistungsstarken Schulträger.“ Den sieht er mit dem Kreis gegeben. Man sei dazu bereit, entsprechend den gesetzlichen Voraussetzungen Angebote in seiner Trägerschaft zu unterbreiten, ergänzt Landrat Körner. Auch SPD-Fraktionschef Hans-Dieter Schneider betont die schwierigen Verhältnisse an der Anna-Freud-Schule mit ihren beiden Standorten im Stadtgebiet. Er gibt aber auch zu bedenken: „Es muss eine komplett neue Infrastruktur geschaffen werden.“ Das kostet viel Geld. Wie viel, ist allerdings noch nicht klar. Für erste Pläne und die Suche nach einem geeigneten Standort hat der Kreis nun 100.000 Euro im Etat für 2020 reserviert.

Gespräche mit Behörden und Gemeinden

„Die Frage ist, ob die Anna-Freud-Schule 1:1 übertragen wird“, sagt Landrat Körner. Jürgen Creutzmann (FDP) regt an, auch den Bau eines Wirtschaftsgymnasiums mit in die Überlegungen einzubeziehen. Die Freud-Schule hätte zumindest einen gymnasialen Zweig mit der allgemeinen Hochschulreife als Abschluss. Dennoch gibt es laut Körner noch einige Hürden. Da es sich um einen Neubau und keine Sanierung einer Schule handelt, müsse das Land zustimmen. „Es sind noch viele, viele Gespräche nötig“, sagt er, etwa mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion und dem rheinland-pfälzischen Kultusministerium. Aber auch mit den Kreisgemeinden. Denn dort würde die neue Schule ja entstehen.

Die breite Rückendeckung des Kreisausschusses hat Körner jedenfalls, auch wenn noch viele Fragen offen sind. „Die Erreichbarkeit, etwa durch eine S-Bahn, ist verdammt wichtig“, sagt der Landrat. Und ist sich hier mit der Ludwigshafener Schuldezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) einig. Sie wird wenig später schon etwas konkreter: „Bei der Standortsuche für die Anna-Freud-Schule im Kreis spielt der ÖPNV eine große Rolle.“ Und die Reaktionen im Stadtrat auf die Idee, die Freud-Schule zu verlegen? Geradezu euphorisch.

Im Rhein-Pfalz-Kreis könnte eine neue Berufsschule entstehen.
Im Rhein-Pfalz-Kreis könnte eine neue Berufsschule entstehen.
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