RÖMERBERG RHEINPFALZ Plus Artikel Berghäuser als Mönch und Nonne provoziert

Hätte vor 150 Jahren in Berghausen Ärger gegeben: Als Nonnen verkleidete Fasnachter, hier bei einem Umzug in der Nordpfalz.
Hätte vor 150 Jahren in Berghausen Ärger gegeben: Als Nonnen verkleidete Fasnachter, hier bei einem Umzug in der Nordpfalz.

Fasnacht, Fasching oder Karneval hat im Rheinland und in den Nachbarregionen eine lange Tradition. Vor 150 Jahren ereignete sich in der Fasnachtszeit in Berghausen jedoch eine Begebenheit, die die dörflichen Gemüter derart erregte, dass sogar die Zeitung darüber berichtete.

Das Brauchtum Fasnacht steht für ausgelassene Freude, rauschende Feste und witzigem Schabernack. So war das auch schon in den Dörfern um Speyer im 19. Jahrhundert. Doch die Menschen waren nicht für jeden Spaß zu haben, wie aus einem Zeitungsbericht hervorgeht, der am 13. Februar des Jahres 1869 erschienen ist. Was war geschehen?

Wie es in dem Bericht heißt, waren am vorangegangenen Sonntagabend in einem örtlichen Tanzsaal „zwei Masken aus Speyer, ein Mönch und eine Nonne“ erschienen. Der Mönch habe eine braune Kutte mit Kapuze sowie einen Gürtel und einen langen Bart getragen. „Dieses Pärchen begann zu tanzen“, schildert die Zeitung weiter. „Die gehässige Wahl der Masken verletzte die anwesenden Berghäuser; denn es war offenbar, dass es hier auf Verhöhnung des katholischen Ordenstandes abgesehen sei.“ Die beiden Vermummten tanzten zunehmend immer eifriger und provozierten damit die Anwesenden mehr und mehr. Ein junger Mann gab sodann das Signal zur „Gegenwehr“ und äußerte lauthals verbal sein Missfallen über die Ehrverletzung. Der Disput ging schließlich soweit, dass ein anderer junge Mann den maskierten Mönch ergriff, ihn beim Kragen packte, unsanft die Tür hinaus beförderte und die Stiege hinunterstieß.

Wie es im Bericht weiter heißt, „nahm sich der katholisch getaufte Wirth, glücklicherweise der einzige ,Auchkatholik’ dahier,“ dem Religionsspötter an und wurde dabei durch einen anderen „tief verkommenen Menschen“ unterstützt. Als „Auchkatholiken wurde damals Katholiken bezeichnet, die dem liberalen Zeitgeist anhingen. Die anwesenden Berghäuser Burschen hatten offenbar eine etwas konservativere Einstellung zu ihrer Religion und verbaten sich energisch die weitere Kränkung ihres Glaubens. In Manier einer Bürgerwehr trieben sie den Mönch und die Nonne schließlich in die Flucht, so dass diese eine „Chaise bestiegen und nach Speyer heimkehrten“.

Religiöse Kränkung abwehren

Leider erfahren wir nicht, in welcher Wirtschaft das handgreifliche Ereignis stattfand. Doch mit ziemlicher Sicherheit dürfte es sich um den „Pfälzer Hof“ von Heinrich Mattern gehandelt haben. Das Lokal war auch auswärtigen Gästen bestens bekannt, denn es bestach durch räumliche Großzügigkeit mit einem stimmungsvollen Ambiente samt guter Verpflegung.

Der Schreiber des Artikels, der namentlich nicht genannt wird, kam schließlich zu der moralischen Bewertung: „Dieses entschiedene und charaktervolle Auftreten der Berghäuser verdient ebenso Anerkennung und Achtung, wie die Ungezogenheit und Gemeinheit der Religionsspötter Tadel und Verachtung“ Bemerkenswerth sei, dass staatliche Ordnungskräfte fehlten. So müsse „eben das Volk sich selber schützen, Ordnung schaffen und jede Kränkung seiner religiösen Überzeugung abwehren“.

Mehr zum Thema
x