Rhein-Pfalz Kreis Bereit zum atomaren Gegenschlag

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In der Nacht zum 1. September 1966 war es vorbei. Die Missiles wurden außer Dienst gestellt. Auf dem Grünstadter Berg breitete sich Stille aus, Die Klimaanlagen zur Kühlung der elektronischen Systeme der Mace Missiles hatten um 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit aufgehört zu surren. Der Lärm der Anlagen gehörte zum Alltag der 63 Soldaten der US Air Force in Europe (USAFE), die hier stationiert waren, schreiben George Mindling und Robert Bolton in ihrem Buch „U.S. Air Force Tactical Missiles“. Wenn aus irgendwelchen technischen Gründen die Anlagen nicht liefen, der Lärm aufgehört hatte, schreckten die Männer im Schlaf hoch, berichtet Robert Bolton, der viereinhalb Jahre als Techniker Dienst tat. Über sechs Jahre war die Station Teil des Abschreckungskonzepts der Nato gegen die Staaten des Warschauer Pakts. Tag und Nacht standen die Flugkörper in ihren Startpositionen, konnten in 15 Minuten startklar gemacht werden, um einen Angriff aus dem Osten mit einem Gegenschlag zu beantworten. Die Mace Missiles, Typ TM-76 A, hatten eine Reichweite von rund 1000 Kilometern. Damit waren sie wohl auf strategische Ziele wie Flugplätze und Brücken in der damaligen DDR und Polen programmiert. Dazu gibt es keine Informationen, diese Daten unterliegen der Geheimhaltung. Selbst die Mitglieder der Startcrews wussten es nicht. Die Displays der Flugkörper waren mit Pappscheiben abgedeckt, Fragen dazu hätten die Soldaten in Schwierigkeiten gebracht. Begonnen hatte die Stationierung von USAFE-Soldaten Anfang der 1950er-Jahre. Im Dezember 1952 war das Gelände von den US-Amerikanern beschlagnahmt und eine Nachrichtenstation des Geheimdienstes der US Air Force errichtete hier einen Horchposten. 1959, in der Zeit des Wettrüstens von Nato und Warschauer Pakt, wurde das Gelände hergerichtet für eine Einheit des 38. Taktischen Missile-Geschwaders in Sembach. Gebäude für technische Einrichtungen und Unterkünfte für Soldaten entstanden, Abschussplätze für Flugkörper wurden betoniert. Ende Mai 1960 wurde das von den Grünstadtern „Raketenstation“ genannte Areal bezogen und war gut sechs Jahre lang Standort für atomar bestückte Lenkgeschosse. Dass hier Atomwaffen stationiert waren, wusste wohl niemand. Darüber findet sich nichts in Chroniken oder im Stadtarchiv. Verwaist war das Areal nach dem Abzug der US-Luftwaffe, die im September 1966 die Flugkörper mit Spezialtransportern zur damaligen Air Base in Sembach gebracht hatte. 1975 wurde dann auf dem Gelände eine Nachrichtenstation der US-Armee eingerichtet, die bis 1985 in Betrieb war, aber laut der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als heutiger Besitzer erst 2007 freigegeben wurde. Später wurde das rund 25 Hektar große Areal, davon noch immer 8,6 Hektar umzäunt, ab und zu bei Nato-Manövern genutzt. Zeitweise war der umzäunte Bereich Spielplatz für ein Paintball-Team von US-Soldaten für Schießereien mit Farbbeuteln. Ein Verkauf sei nicht vorgesehen, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Es diene als Ausgleichsfläche für Bauvorhaben des Bundes. Seit Jahresbeginn wird es wieder genutzt: Die Rettungshundestaffel der Altleininger Feuerwehr darf hier mietfrei üben. Noch Fragen? Mehr zur Stationierung von Atomwaffen in der Pfalz morgen in der RHEINPFALZ am SONNTAG.

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