Rhein-Pfalz Kreis Beim Lieblingseis zum Traumjob gefunden

Neuhofen. Den Meisterbrief hat sie seit Anfang des Monats in der Tasche. Dabei ist sie gerade mal 26 Jahre alt. Etwas auf die lange Bank zu schieben, ist nicht Lisa Bayers Art. Die Neuhofenerin hat nach der Ausbildung zur Malerin und Lackiererin noch ein Jahr in ihrem Ausbildungsbetrieb in Mutterstadt gearbeitet, um Berufserfahrung zu sammeln. Dann konzentrierte sie sich ganz auf die Meisterschule. „Weil man in jungen Jahren noch besser lernt“, lautet ihre einfache Begründung.
Die Begeisterung für ihr Handwerk ist der zierlichen Frau mit dem modernen Kurzhaarschnitt deutlich anzumerken. Dabei war es eher Zufall, dass sie gerade diesen beruflichen Weg eingeschlagen hat. „Ich wollte eigentlich nach der zehnten Klasse abgehen und Kfz-Mechatronikerin werden“, erzählt Lisa Bayer. Doch ihre Bewerbung war damals nicht erfolgreich. Also blieb sie weiter auf dem Gymnasium in Schifferstadt und schloss nach der zwölften Klasse mit dem schulischen Teil der Fachhochschulreife ab. Die Pfälzerin trat ein soziales Jahr an, das sie in eine Einrichtung des Arbeiter-Samariter-Bunds in Heilbronn führte. Doch obwohl ihr die Arbeit mit behinderten Kindern viel Spaß machte, kehrte sie nach einigen Wochen zurück. „Es war mir zu weit weg von meiner Familie“, sagt sie. Beim Besuch in ihrer Stammeisdiele im Industriegebiet erzählte sie dann dem Besitzer, dass sie auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sei. Dieser habe ihr dann die Nummer vom Malerbetrieb in Mutterstadt gegeben und gemeint, sie solle sich doch einfach mal dort melden. „Ich habe mich dort beworben, ein Praktikum gemacht und am 1. April 2009 meine Ausbildung angefangen. Das ging ratzfatz“, berichtet die Neuhofenerin. Auch wenn sie vorher noch gar nicht in diese Richtung gedacht hatte, gefiel ihr das Maler- und Lackiererhandwerk auf Anhieb richtig gut. „Ich musste am ersten Tag per Hand eine Decke schleifen. Es gibt nix Schlimmeres. Aber es hat mir trotzdem Spaß gemacht.“ Probleme, sich als Frau in einem typischen Männerberuf durchzusetzen, hatte Bayer nach eigener Aussage nicht. Zweifler überzeugte sie schnell, indem sie mit ihren 1,66 Meter Körpergröße genauso hart anpackte und schwer schleppte wie die kräftigen Kollegen. Man brauche einen starken Willen und Einfallsreichtum, sagt die Handwerkerin. Eine Leiter beispielsweise müsse sie immer dabei haben. Büroarbeit sei für sie nie in Frage gekommen, sagt Lisa Bayer. „Ich brauche frische Luft und den Kontakt mit anderen Leuten.“ Außerdem wurde ihr gewissermaßen das Handwerker-Gen vererbt. Ihr Vater hat einen Elektrotechnik-Betrieb in Mutterstadt, in dem auch ihre Mutter und ihr Bruder arbeiten. Wie praktisch das ist, zeigt sich am aktuellen Familienprojekt der Bayers: In Neuhofen lebt Lisa Bayer derzeit noch im Haus ihrer Eltern. Gleich gegenüber renoviert die Familie jedoch seit rund anderthalb Jahren ein Haus, in das die 26-Jährige und ihr drei Jahre jüngerer Bruder Tim gemeinsam einziehen wollen. Auf dieser Baustelle hat die frisch gebackene Meisterin gleich noch ihr Leistungsspektrum erweitert: Gerade erst hat sie eine Mauer hochgezogen. Als Dachdeckerin war sie ebenfalls schon im Einsatz. Jetzt möchte sie erst einmal als angestellte Meisterin durchstarten. Um auch mal eine neue Region und neue Kunden kennenzulernen, hat sie sich für einen Betrieb in Bad Dürkheim entschieden. Eine Selbstständigkeit strebt sie vorerst nicht an. „Das ist zu viel selbst und zu viel ständig“, erklärt die 26-Jährige lachend. Schließlich möchte sie auch wieder etwas Freizeit haben. Zum Entspannen und um den Kopf freizukriegen, unternimmt sie gerne Motorradtouren. Außerdem geht sie gerne mit ihrer französischen Bulldogge Prince spazieren – am liebsten zur Eisdiele, die sie zu ihrem Beruf geführt hat. Auch für die noch frische Beziehung zu ihrer Freundin möchte sie sich Zeit nehmen. „Und Urlaub wäre mal schön“, fügt sie hinzu. Doch der muss noch eine Weile warten.