Rhein-Pfalz Kreis Bei der Hallenbeleuchtung geht noch was

Energiegespräch im Weingut Lichti: Die Berater Jonas Groschke (links) und Christoph Sauerer (rechts) suchen im Flaschenlager zus
Energiegespräch im Weingut Lichti: Die Berater Jonas Groschke (links) und Christoph Sauerer (rechts) suchen im Flaschenlager zusammen mit Andrea, Franca und Gernod Lichti (Mitte, von links) nach Stromfressern.

Mit dem reinen Stromverbrauch von 15.000 bis 19.000 Kilowattstunden im Jahr können die beiden Mitarbeiter der Mannheimer New Engineering GmbH, die im Auftrag der Energieagentur Rheinland-Pfalz im Winzerbetrieb von Andrea und Gernod Lichti den Energiecheck machen, nicht viel anfangen. Sie brauchen eine zweite Information: die Produktionsmenge. Die liege bei 60.000 bis 120.000 Liter Wein jährlich, geben die Lichtis an. Fix wird der Durchschnitt errechnet: 90.000 Liter Wein bei einem Stromverbrauch von 17.000 Kilowattstunden. Da sei energetisch einiges zu holen, urteilen Christoph Sauerer und Jonas Groschke, die schon andere Winzer besucht haben, aus ihrer Erfahrung. Dazu müssen sie sogenannte Stromfresser finden. Um sich einen Eindruck zu verschaffen, geht es auf Betriebsbesichtigung. Sanft schlängelt sich am südwestlichen Ortsausgang der Weg zum Weingut den Kirschgarten empor. Die Erwartung: steinalte Gemäuer, romantische Torbögen und verwitterte Weinkeller. Zu sehen ist aber ein modernes Weingut. Die historische Bausubstanz gab es einmal: Vor mehr als 100 Jahren führte Gernod Lichtis Urgroßvater in der Hauptstraße einen Gemischtbetrieb mit Acker-, Obst- und Weinbau. 1980 wurde es Gernod und Andrea Lichti dort zu eng, und sie zogen zum Ortsausgang, hoch in den Kirschgarten. Am Mauerwerk haben die Energieexperten schon einmal nichts zu mäkeln. Ihr erster Weg führt in die Probierstube. Was brummt da ununterbrochen? Es ist die Kühlgondel, eine Kühltruhe für Weinflaschen. Für eine optisch ansprechende Präsentation der edlen Tropfen bei Verkostungen ist diese nach oben offen, weshalb der Motor für die Kühlung ständig läuft wie bei einem offenen Kühlschrank. Andrea Lichti beschließt, aus dem Baumarkt ein Strommessgerät zu besorgen und diesem Energieverbrauch auf den Grund zu gehen. Weiter geht’s ins Flaschenlager. Zwei Hallen, von außen mit zehn, innen mit 30 Leuchtstoffröhren ausgeleuchtet. „Hier summiert sich der Stromverbrauch. Nehmt LED-Röhren“, raten die Berater aus Mannheim. Das haben sich die Lichtis schon länger gedacht. Sie beschließen, energiesparende LED-Leuchten anzuschaffen, sobald sie ihre Reserve an Röhren aufgebraucht haben. Und da die Lampen insgesamt recht brüchig sind, sollen gleich neue Fassungen und Gehäuse her. Zwischenstopp an der Spül-, Trocken- und Etikettiermaschine: Hier sieht man keine Möglichkeit zum Sparen. Und die Abfüllmaschine? „Die leihen wir von einem Dienstleister, wenn wir nach dem Pressen, Filtern und Gären den Wein in die Flaschen füllen“, sagt Gernod Lichti. Kosten sparen könnten Winzer, wenn sie Maschinen gemeinschaftlich nutzen. Doch Weinpresse, Filtermaschine und Kühlgerät zur Steuerung der Gärung – das alles sind laut Lichti Maschinen, die jeder Winzer nach der Weinernte benötigt, die könne man schlecht miteinander teilen. Bleibt die Frage, ob beim Beheizen des Flaschenlagers Strom gespart werden kann. Die Lichtis schütteln die Köpfe. Die Winter im Leiningerland seien so mild, dass sie die mit Kalksandstein gedämmten Hallen nur selten heizen müssten. Bei Winzern, sagen Sauerer und Groschke, gebe es weniger Einsparpotenzial als bei Unternehmen, deren Maschinen ständig laufen. Brauereien und Molkereien zum Beispiel. Was von Weinbauern immer öfter nachgefragt werde, das seien Fotovoltaikanlagen, wissen die Experten. Weingüter liegen ja meist in sonnenreichen Gegenden. Mit so einer Anlage liebäugeln die Lichtis schon länger. Sie bitten die Besucher um eine Einschätzung. Sauerer und Groschke nehmen das Schuppendach in Augenschein. Sie schätzen es auf 120 Quadratmeter und die Anschaffungskosten einer Solaranlage auf zirka 25.000 Euro. Gernod Lichti will’s genau wissen:„Wie viel Strom produziert die Anlage?“ „Bei schlechtem Wetter vier, bei guten 20 Kilowattstunden“, lautet die Antwort. „Dann kann ich nur bei gutem Wetter eigenen Strom verbrauchen? Dann muss ich nach der Sonne arbeiten?“, fragt der Winzer. Ja und nein, meinen Sauerer und Groschke. Am effektivsten sei es, den selbst produzierten Strom sofort zu verbrauchen, statt die 25 Cent pro Kilowattstunde aus dem Stromnetz zu beziehen. Wenn aber die Lichtis den Strom aus der Fotovoltaikanlage außerhalb der Erntezeit nicht benötigen, könnten sie ihn an das Stromnetz abgeben, gegen eine Einspeisevergütung von zirka elf Cent pro Kilowattstunde. Unterm Strich hat sich die Investition in eine solche Anlage nach Meinung der Berater in etwa fünf Jahren amortisiert. Und wie steht’s um die Nachhaltigkeit im Wingert? „Wir bewirtschaften die 20 Rebsorten in unseren Weinbergen kontrolliert umweltschonend“, sagt Lichti. Würde der Laumersheimer Winzer alle Rebzeilen seiner 17 Hektar großen Weinberge hintereinanderlegen, ergäbe das eine Länge von 72 Kilometern. Allein die Pflege der Rebstöcke kostet einen Winzer pro Hektar etwa 200 Arbeitsstunden im Jahr. Das bedeute viel Handarbeit, gespritzt werde nur gegen echten und falschen Mehltau. Und zwar mit der Recycling-Spritze, die überschüssiges Spritzmittel auffängt und wieder in den Tank zurückführt. Die Energieberater sehen in den Wingerten der Lichtis keinen Handlungsbedarf. Bei der Weinproduktion raten sie, den Energieverbrauch detailliert aufzuschlüsseln und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo zu viel Strom verbraucht wird.

Mehr zum Thema
x