Rhein-Pfalz Kreis Beißfreudige Fremdlinge

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LUDWIGSHAFEN. Kaum hält der Angler die Rute ins Wasser, schon hat jemand angebissen: Mit etwas Pech klaut die Schwarzmundgrundel den Wurm. Am Bobenheim-Roxheimer Binnendamm haben sich die Einwanderer aus dem Kaspischen Meer bereits breit gemacht. Sie zählen zu den invasiven Fremdlingen hier, deren Auswirkung aufs Ökosystem noch nicht abgesehen werden kann. Auch in anderen mit dem Rhein verbundenen Gewässern im Landkreis sind sie zu finden.

Mit ihrer flachen Maulspalte wirken sie eher griesgrämig. Aber sie sind so neugierig und beißfreudig, dass der Angler sie schneller am Haken hat, als ihm lieb ist. „Es ist eine Plage“, sagt Ingo Goschinak vom Angelsportverein Roxheim. „Sie vermehren sich explosionsartig und fressen alles weg.“ „Man muss sie nicht haben“, meint Jürgen Dauth, Vorsitzender des Angelsportvereins Neuhofen. Zu finden sei sie auch im Otterstädter Altrhein. In ihrem Lebensraum bewegen sich die bis zu 25 Zentimeter langen Fische meist nur wenige hundert Meter weit. Umso überraschender ist die Geschwindigkeit, mit der sich der Fisch vom Schwarzen und Kaspischen Meer ausgebreitet hat. 1985 wurde er bei Moskau gesichtet, 1990 ist er in die USA eingewandert, vermutlich im Ballasttank von Schiffen. In den 2000er Jahren arbeitete sich die Schwarzmundgrundel von der Danziger Bucht aus die Ostseeküste entlang weiter bis zum Rhein und zur Donau vor und breitet sich derzeit voraussichtlich in die Nebenflüsse aus. Eigentlich leben die rundlichen Fische nur kurz, drei oder vier Jahre. Aber im dritten Lebensjahr legt das Weibchen bis zu knapp 4000 Eier. Ein Männchen bewacht das Nest, in dem auch weitere Weibchen ablaichen dürfen – am Ende stirbt der Fischpapa vor Entkräftung, beschreibt die Artenschutz-Organisation Nobanis das Leben der Schwarzmundgrundel. Die Forscher sind sich nicht sicher, wie der Eindringling das Ökosystem verändern wird. Zum einen sehen sie die Gefahr, dass die Grundel Parasiten einschleppt, für die einheimischen Fische nicht gewappnet sind. Zum anderen zählt die Grundel, die am Boden lebt und an ihrer Saugscheibe am Bauch erkennbar ist, zu den Laichräubern, auch wenn sie sich vorwiegend von Würmern und Krebsen ernährt. Man befürchtet, dass sie andere Friedfische wie Brassen und Rotaugen verdrängt. Denn sie konkurriert mit ihnen um Nahrung und Laichplätze. In der Zwischenzeit kommen allerdings auch Aale, Zander und Welse auf den Geschmack und sättigen sich an der vermehrungsfreudigen Grundel. Deshalb rechnen Wissenschaftler damit, dass der Raubfischbestand zunimmt und den Fremdling irgendwann in Schach halten wird. In der Zwischenzeit wird den Fischern empfohlen, aus der Not eine Tugend zu machen: Entweder können Angler die Grundeln als Köder für Zander verwenden. Oder sie essen sie kurzerhand selbst. Sie wird ähnlich zubereitet wie ein Stint, ausgenommen, in Mehl gewälzt, gebraten oder frittiert. Der Geschmack soll karpfenähnlich sein. Nils fragt Die Serie Oben paddeln Enten, Schwäne und Badegäste – aber was schwimmt unten? In der Serie stellen wir einige Bewohner in der Tiefe der Baggerweiher, im Altrhein und in Bächen vor. Von Aal bis Zander erzählen uns Angler von heimischen Fischen. |jel/umi

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