Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bauernvertreter: „Landwirtschaft ohne Gerüche gibt es nicht“

Landwirt bei der Arbeit: Zuletzt gab es in mehreren Orten Beschwerden über Gestank durch Dünger.
Landwirt bei der Arbeit: Zuletzt gab es in mehreren Orten Beschwerden über Gestank durch Dünger.

„Gotterbärmlich“, „widerlich“, „bestialisch“ – so beschrieben einige Bürger jüngst Gerüche, die landwirtschaftliche Betriebe verursacht hatten. Das sagen Bauern dazu.

Bereits im Februar ärgerten sich viele Harthausener über Gestank in ihrem Dorf. Das Thema schaffte es sogar in den Ortsgemeinderat. Wie sich herausstellte, war Dünger eines ortsansässigen landwirtschaftlichen Betriebs die Ursache. Der Betrieb beteuerte, die Beschwerden ernst zu nehmen, versicherte aber auch, dass keine Gesundheitsgefährdung vorlag. Vor wenigen Tagen gab es ähnliche Beschwerden in Speyer und Römerberg. Auch diesmal soll östlich von Harthausen ausgebrachter Dünger der Grund für die Geruchsbelästigung gewesen sein. Die Stadtverwaltung sprach von Material aus regionalem Grünschnitt und Häckselholz, bezogen aus Bad Dürkheim, das zuletzt für den Gestank sorgte. Der Düngevorgang sei in Übereinstimmung mit der Düngemittelverordnung erfolgt. Der im Februar ausgebrachte Kompost stammte laut dem landwirtschaftlichen Betrieb damals vom Kompostwerk Zeller in Mutterstadt. Es habe sich nicht um „Biotonnenware“ gehandelt. Auch damals wurden laut dem Betrieb alle Anforderungen der Bioabfall- sowie der Düngemittelverordnung erfüllt.

Zersetzungsprozess verursacht Geruch

Auf die Frage, ob sich solche Emissionen vermeiden lassen, hat der Vorsitzende des Bauern- und Winzerverbands im Rhein-Pfalz-Kreis eine klare Meinung: „Gerüche gehören zur Landwirtschaft dazu“, sagt Johannes Zehfuß. Das gelte insbesondere dann, wenn organische Stoffe eingesetzt würden. „Und wir wollen ja alle, dass so wenig Chemie wie möglich eingesetzt wird“, sagt er. Der Geruch, wegen dem nun wieder viele Stadt- und Dorfbewohner die Nase gerümpft haben, entstehe bei der biologischen Zersetzung des Komposts – und zwar hauptsächlich dann, wenn die Witterung dem Bauern nicht in die Karten spielt. Einsetzender starker Regen beim Ausbringen des Komposts könne dazu führen, dass verstärkt die als unangenehm empfundenen Gerüche entstehen. Hinzu komme: „Wenn gestreut wird, dann sind es meistens große Mengen“, erklärt der Bauernvertreter. Es könne da schon mal um 200 bis 300 Tonnen gehen. Dass dies geruchlos geschehe, funktioniere allenfalls in der Theorie. Auch Zehfuß betont aber, dass die Emissionen nicht gesundheitsschädlich und zudem nach wenigen Tagen wieder verschwunden seien. Die Alternative zu biologischen Düngern wäre laut Zehfuß, Kunstdünger aus den Chemiewerken einzusetzen.

Er selbst habe auch schon mit Beschwerden wegen des Geruchs zu tun gehabt, berichtet der Landwirt aus Böhl-Iggelheim. Dass Klagen über Gestank generell zugenommen hätten, kann er zwar nicht bestätigen, aber Zehfuß glaubt schon, dass die Empfindlichkeit zugenommen hat. „Früher gab es in jedem zweiten Haus einen Misthaufen“, verweist er auf Zeiten, in denen die Landwirtschaft noch viel präsenter in der Region war. Wer nicht selbst landwirtschaftlich tätig war, kannte zumindest einen Bauern und dessen Arbeit. Die Menschen seien dadurch mit dem Grund für solche Gerüche vertraut gewesen. Im Jahr 1960 hätten in Böhl noch rund 1000 Menschen Vieh gehalten. Heute gebe es im gesamten Rhein-Pfalz-Kreis fast keine Viehhaltung mehr. In manchen Dörfern sei kein einziger landwirtschaftlicher Betrieb übrig geblieben.

Landwirte werben um Verständnis

In Mechtersheim hält Andreas Jester mit seinem Hof die Stellung. Auch er glaubt, dass der Bezug zum ländlichen Leben langsam verloren geht. Beschwerden über Gestank sind bei ihm aber noch nicht aufgeschlagen. Der Geruch vergangene Woche, der nichts mit seinem Betrieb zu tun hatte, war nach seiner Wahrnehmung nicht extrem aufdringlich. In sozialen Netzwerken koche eben manches stärker hoch, als es den tatsächlichen Umständen entspreche.

„Wo gehobelt wird, fallen Späne“, findet Bauernvertreter Zehfuß. Den Landwirten bleibe nur übrig, um Verständnis für die Gerüche zu werben, die bei ihrer Arbeit entstehen. Denn, so sagt er: „Es wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Man kann nicht alles emissions- und geruchsfrei machen.“

„Wer Bio möchte, muss sich an Gerüche gewöhnen“

In eine ähnliche Kerbe schlägt Landwirt Gerald Binder aus Gerolsheim (Kreis Bad Dürkheim): „Biokompost ist nichts anderes als faulende organische Masse.“ In diesem Fall handle es sich um die Abfälle der Bürger selbst. „Wir möchten einen Nährstoffkreislauf, also Nährstoffe recyclen, da lässt sich Geruchsbelästigung nicht vermeiden“, teilt er auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Bei ihm habe sich aber noch niemand beschwert. Die Ursache des Problems sieht er auch in einer anderen Thematik: „In den 1950er und 1960er Jahren hatten viele Menschen selbst ein paar Schweine oder Hühner, die Gerüche waren für die meisten Leute normal.“ Heute sei das nicht mehr so. Einen Vorwurf wolle er den Menschen aber nicht machen, sie seien einfach zu weit weg von der „Urproduktion“. Woher sollten sie also wissen, was normaler Geruch ist und was nicht?

Dietmar Tartter, Landwirt und FDP-Fraktionssprecher im Gemeinderat Lambsheim, findet klare Worte: „Wenn die Leute Bio, also ökologisch angebaute Lebensmitel wollen, müssen sie sich daran gewöhnen, dass mit Kompost gedüngt wird“. Dieser rieche zu Beginn nun mal etwas. Aber es sei ein natürlicher Geruch, der nach eins bis zwei Tagen eingearbeitet sei.

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