Rhein-Pfalz Kreis Bauausschuss wünscht vierten Poller

Drei Absperrbügel verhindern an der Kreuzung Kleinniedesheimer/Gutenbergstraße, dass Autos auf den Gehweg fahren. Anwohner forde
Drei Absperrbügel verhindern an der Kreuzung Kleinniedesheimer/Gutenbergstraße, dass Autos auf den Gehweg fahren. Anwohner fordern das auch an der vierten Ecke, doch dann bekommen Lkw nicht mehr die Kurve.

„Es gibt Lkw-Fahrer, die sind wenigstens vorsichtig“, sagte Frank Unvericht in der Bauausschusssitzung am Mittwoch. Andere dagegen brummten achtlos über den Bürgersteig. Klar aber ist für den Leiter des Bobenheim-Roxheimer Ordnungsamts: Ohne den Gehweg zu überfahren, kommen Sattelzüge nicht von der Kleinniedesheimer in die Gutenbergstraße beziehungsweise umgekehrt. Wenn also, wie 27 Anwohner es fordern, an der vierten Ecke der Kreuzung ein weiterer Poller eingebaut wird, ist für große Laster die Verbindung zu der Gewerbeimmobilie, in der früher mal der Paketdienstleister DHL tätig war, abgeschnitten. Und je nachdem wie notwendig die Logistik mittels Brummis ist, können die in der Sackgasse ansässigen Betriebe einpacken. Soll die Gemeinde das und etwaige Schadenersatzklagen riskieren? Der Bauausschuss hat dazu bei einer Enthaltung einstimmig Ja gesagt. Vermutlich wird der Gemeinderat in einer Woche genauso entscheiden. „Wir sind für die Sicherheit unserer Bevölkerung verantwortlich und sehen das Problem schon lange“, sagte zum Beispiel CDU-Fraktionssprecherin Sylvia Lobocki. Sie bat allerdings darum, die betreffenden Firmen frühzeitig über die anstehende Neuerung zu informieren. Wie groß die Gefahr ist, dass wegen des Pollers Gewerbe aus Bobenheim-Roxheim abwandert, kann derzeit nicht abgesehen werden. Einige der Ausschussmitglieder sowie Bürgermeister Michael Müller (SPD) halten es für möglich, dass sich die Betriebe selber etwas einfallen lassen, zum Beispiel auf kleinere Fahrzeuge umzusteigen, für die der Schleppradius auf der Kreuzung nicht zu klein ist. Auch habe es der Eigentümer und Verpächter der Gewerbeflächen in der Hand, dort Firmen anzusiedeln, für die die einzige Anbindung über die Gutenbergstraße kein Problem darstelle, sagte Müller. Angst vor Regressansprüchen scheinen die Ausschussmitglieder nicht zu haben. Der Vermieter habe schon immer gewusst, wie die Rahmenbedingungen in dem Gebiet seien, sagte Michael Remmele (CDU). Der Bürgermeister deutete illegale, von der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises geahndete Zustände auf den Grundstücken an. Auf RHEINPFALZ-Anfrage sagte gestern Michael Pack von der Kreisbauabteilung, im Zusammenhang mit der auf DHL folgenden Nutzung der großen Halle in der Gutenbergstraße hätte es eines Bauantrags bedurft, den der Eigentümer erst 2015 auf Aufforderung vorgelegt habe und den das Bauamt habe ablehnen müssen. Seinen Widerspruch dagegen habe der Verpächter 2017 zurückgezogen. „Wir haben die Nutzung aber in Absprache mit der Gemeinde noch nicht untersagt“, so Pack. Die sowohl für Anwohner und Gemeinde als auch für Firmen unbefriedigende Verkehrslage in dem relativ kleinen Gewerbegebiet West könnte geändert werden, wenn die vor Jahren erstellten und bereits genehmigten Pläne zum Bau einer den Westen von Bobenheim umfahrenden Landesstraße weiterverfolgt würden. Denn dann könnten die Gewerbeflächen von dieser neuen Straße aus erschlossen werden. Wie berichtet, hat das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium vor knapp einem Jahr die Ortsumgehung als einen von 17 wieder in den Blick zu nehmenden Straßenneubauten im Land genannt. Am Montag wurde die lange angekündigte Rangfolge veröffentlicht. Bobenheim-Roxheim steht vorläufig auf Platz 12; was genau das bedeutet, ist nicht klar. Das Land nennt aber ohnehin einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren, bis die ersten Vorhaben auf der Liste „angegangen“ werden könnten. Im Bauausschuss wurde spekuliert, dass es unter diesen Vorzeichen weitere 20, 30 Jahre dauern könnte, bis es – wenn überhaupt – mit der Ortsumgehung ernst werde. Vielleicht sei bis dahin die Elektromobilität so weit vorangeschritten, dass sich Lärm und Abgase als Probleme in der Ortsdurchfahrt erledigt hätten und man gar keine neue Straße mehr brauche. „Vielleicht fliegen wir dann, statt Auto zu fahren“, sagte Bürgermeister Müller. Der Rhein-Pfalz-Kreis hat nach Angaben von Michael Pack ein starkes Interesse am Bau einer westlichen Ortsumfahrung von Bobenheim-Roxheim als Teil des „Infrastrukturprojekts Nord“. Die Straße könnte unter Umständen unter der Regie des Kreises entstehen, meint er. Im Kreishaushalt seien dafür Mittel vorgesehen.

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