Bobenheim-Roxheim
Basteltag abgesagt: Wie eine schöne Tradition wohl einfach verschwindet
Es war einmal vor 30 Jahren, da erfand der Lehrer und Kommunalpolitiker Jürgen Martin den Bobenheim-Roxheimer Weihnachtsbastelnachmittag für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Seitdem kamen jedes Jahr am Tag vor dem Totensonntag, also eine Woche vor dem ersten Advent, viele kleine und große Einwohner zusammen, um Christbaumschmuck und Tischdeko zu basteln, Adventskränze zu binden und bei Kaffee und frischen Waffeln Spaß zu haben. „Geschenke zu Taschengeldpreisen“ ist bis heute das Motto der Veranstaltung.
Irgendwann übernahm Manuela Lemster in ihrer Funktion als Leiterin der örtlichen Volkshochschule (VHS) die Regie und sorgte zwanzigmal, wie sie sagt, dafür, dass in der heutigen Realschule plus bis zu 350 Gäste an vielen Bastelstationen, die von Kindergärten und Vereinen betreut wurden, kreativ sein konnten. Wie so vieles musste während der Pandemie auch der Basteltag pausieren.
Ob er jemals wieder stattfinden wird, ist derzeit fraglich. Denn Manuela Lemster hat sich im Frühjahr aus völlig nachvollziehbaren privaten Gründen und weil die Volkshochschule eigentlich andere Aufgaben hat, aus dem Projekt zurückgezogen. Übertragen wollte sie es – das war naheliegend – der Jugendbeauftragten der Gemeinde, doch das ging gründlich schief.
„Dachte, ich kriege das hin“
Von Pia Maffenbeier darf man annehmen, dass sie nicht in das auf junge Familien ausgerichtete Ehrenamt gezwungen wurde, sondern es als grünes Ratsmitglied nach der Kommunalwahl 2019 erfunden hat. Sie bedauert, wie alles gekommen ist. „Ich dachte, das kriege ich schon irgendwie hin“, sagt sie auf Anfrage, nachdem sie die RHEINPFALZ am Sonntag in den Verteiler jener E-Mail aufgenommen hat, in der die späte, überraschende und schlechte Nachricht steckte. Die Nachricht nämlich, dass sie es nicht wie öffentlich versprochen hingekriegt hat, für den 25. November in der Realschule einen Basteltag zu organisieren.
Zunächst sei da im Frühjahr die Frage aufgetaucht, ob auf die Eintrittsgelder Umsatzsteuer fällig wird, wenn die Gemeinde anstelle der VHS als Veranstalter auftritt. Das Problem, dass sich in dem Fall die Einnahmen, die traditionell einem teilnehmenden Kindergarten oder Verein gespendet werden, um circa 50 Euro verringern würden, war bald gelöst. Bürgermeister Michael Müller (SPD) versprach, die Geldlücke zu schließen.
Als das eigentliche Problem entpuppte sich der Auf- und Abbau in einem Gebäude, das wegen seiner Bestimmung als Schule erst am Freitagabend zur Verfügung steht und am Montag picobello sauber und aufgeräumt sein muss. So wie hinter Manuela Lemster, die das mit ihren Kindern allein nicht mehr bewältigen kann und will, so steht auch hinter Pia Maffenbeier keine Armee von Tischerückern, Stühleschleppern und Putzfeen. Die studierte Sozialarbeiterin scheint sich ohnehin zu viel zugemutet zu haben. Im Sommer legte sie nicht nur das Amt der Jugendbeauftragten nieder, sondern auch ihr Mandat im Gemeinderat.
Beigeordnete schweigt
Am Basteltagproblem blieb sie dennoch mehr oder weniger dran. Neben der Gräf-Stiftung hätte sie sich als Ausrichter auch den Sozialverein Kunterbunt gut vorstellen können, doch dessen Vorstand winkte ab: „Ein Bastelangebot machen wir gern an dem Tag, aber die komplette Organisation übernehmen wir in der bisherigen Form nicht“, sagt Andrea Hettmannsperger, für die die Absage überraschend kommt. Zumal sie in der wiederholt gestellten Frage, ob an der Schule als Veranstaltungsort festgehalten werden soll, noch immer auf eine Antwort warte. Gestellt hat Hettmannsperger sie der Beigeordneten Simone Lobocki (FWG), die, salopp gesagt, in Maffenbeiers Beauftragtenzeit deren Chefin war. Und die man wegen ihres Jugendressorts vor seinem geistigen Auge irgendwie mit im Boot sitzen sieht.
Da saß und sitzt sie aber offenbar nicht, und sie reagiert auch nicht auf schriftliche Presseanfragen. Das Phänomen ist bekannt, kann in dem Fall aber auch damit zu haben, dass der Bürgermeister – wie immer umgehend – auf den Kontaktversuch der RHEINPFALZ reagiert hat. Er kann sich nicht vorstellen, dass die Gemeinde vor dem Hintergrund ihrer Auflagen für den Haushalt „den Basteltag als neue freiwillige Aufgabe übernimmt“. Tja, dann war’s das wohl. Oder kann sich doch noch jemand vorstellen, das Bobenheim-Roxheimer Weihnachtsbasteln zu retten?