Limburgerhof RHEINPFALZ Plus Artikel BASF-Agrarzentrum: Notfall auf Probe

Dekontamination-Station: Hier auf der orangenen Plane werden Opfer und Helfer gereinigt.
Dekontamination-Station: Hier auf der orangenen Plane werden Opfer und Helfer gereinigt.

Es passiert einmal im Jahr. Das BASF-Agrarzentrum wird zum Einsatzzentrum für die Limburgerhofer Feuerwehr und die Kollegen der Werksfeuerwehr. Reine Übungssache.

Abfallfässer sollen verräumt werden, doch dabei geht etwas schief. Eines der Fässer fällt um, es gerät in Brand und Pflanzenschutzmittel tritt aus. Ein Mitarbeiter kommt damit in Kontakt, er verliert das Bewusstsein. Was nun? Mit diesem Szenario haben die Freiwillige Feuerwehr Limburgerhof und die Werksfeuerwehr der BASF am Mittwochabend ihre Zusammenarbeit auf dem Agrarzentrum des Chemiekonzerns in Limburgerhof geübt.

Um zehn nach sieben sollte die Probe mit einem bei der Zentrale abgesetzten Notruf beginnen. Allerdings führte der Notruf zunächst zu Verwirrung. Denn Polizei sowie Rettungsdienst waren über die Übung ebenfalls im Vorfeld informiert worden. Nun war für die Zentrale unklar, wen sie denn tatsächlich alarmieren muss. Eine Frage, die sich bei einem echten Notruf natürlich nicht stelle, wie Thomas Streun, Wehrleiter Limburgerhof erläutert. Nach einem Rückruf konnte das Missverständnis schnell ausgeräumt werden und die Übung starten. Und so erreichte innerhalb der nächsten zehn Minuten die Feuerwehr Limburgerhof, die bei Einsätzen im Agrarzentrum die Einsatzleitung inne hat, die vermeintliche Unfallstelle. Hier hat sich die BASF viel Mühe gegeben, realistische, aber ungefährliche Verhältnisse zu schaffen. Die Fässer sind mit Trinkwasser gefüllt und eine Nebelmaschine erschwert die Sicht. Dann trifft die Werksfeuerwehr aus Ludwigshafen ein.

Der Bewusstlose muss aus dem Gefahrenbereich

„Priorität Nummer Eins ist die Menschenrettung“, sagt Streun. Das wissen auch die Einsatzkräfte. Binnen weniger Minuten tragen sie den Bewusstlosen auf einer Trage aus dem Gefahrenbereich. Parallel löschen zwei Kollegen „den Brand“. Bei Unfällen mit Chemikalien sei es ohnehin wichtig, entstehende Dämpfe mit Wasser niederzuschlagen, um eine weitere Kontamination zu verhindern, wie Streun erklärt.

Für das vermeintliche Opfer käme das jedoch zu spät. Hier muss anders geholfen werden: mit einer sogenannten Dekontamination-Station (kurz Dekon). Im Falle der Limburgerhofer Feuerwehr ist das eine große Plane und Ausrüstung, um das Opfer zu reinigen. Dafür wird die Kleidung aufgeschnitten und der Körper mit Wasser abgespült. Erst danach kann der Mann dem Rettungsdienst übergeben werden. Nach Beendigung des Einsatzes müssen alle Einsatzkräfte dekontaminiert werden.

Auch das Fass wird weiter gesichert. „Um weitere Schäden zu verhindern, kommt das Behältnis in ein Überfass aus Metall, welches verschlossen wird“, erläutert Streun. Dafür benötigen die Einsatzkräfte Hilfe von einem Teleskopgelenkmast (TGW). Um sich dem Fass zu nähern, tragen sie Schutzanzüge. Mit einem speziellen Fassgreifer befestigen sie das Fass. Dieses wird vom TGW in das metallische Schutzgefäß gehoben.

Um kurz vor acht wird das Überfass geschlossen. „Die Lage ist stabilisiert und es besteht keine Gefahr mehr“, sagt Christoph Rahnke, der Einsatzleiter. Nun würden noch Messungen folgen, um sicherzugehen, dass keine weiteren Schäden entstanden sind oder entstehen können. Er ist nach erster Einschätzung mit der Arbeit seiner 28 Kollegen sehr zufrieden und auch die Zusammenarbeit mit den neun Feuerwehrkräften der BASF habe sehr gut funktioniert. „Wir haben die Übungsziele erfülllt“, sagt er abschließend. Das bestätigt auch Streun und lobt insbesondere die vielen jungen Kollegen, die so etwas zum ersten Mal erlebt und gut gemeistert haben.

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