Rhein-Pfalz Kreis Barrierefrei mit Bus und Bahn
Der Seniorenbeirat des Landkreises Bad Dürkheim hat sich in einem Linienbus herumkutschieren lassen – um zu schauen, wie behindertenfreundlich Haltestellen und Zugänge zur Bahn sind.
„Die Rampe ist gut. Sie ist nicht zu steil.“ Jutta Heller, Martha Kürten und Jürgen Hess begutachten die Klappe hinten im Bus, die nahtlos an den Bordstein anschließen kann. Die drei sind quasi Experten in Sachen Mobilität und Hindernisse. Heller ist mit dem Rollator unterwegs, Kürten schiebt ihren Ehemann Klaus im Rollstuhl und Hess bewegt sich eigenständig mit dem „Rolli“. Der Bus hat die erste Station erreicht, den Bahnhof in Wachenheim. Dort sind die baulichen Voraussetzungen auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gut. Für den Beiratsvorsitzenden Reinhard Fischer aus Ebertsheim und seine Kollegen in dem 15-köpfigen Gremium sind die Eindrücke und Informationen dieser Fahrt wichtig. Ihre Erkenntnisse über Barrierefreiheit oder auch Probleme für Senioren im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bringen sie in Anregungen und Empfehlungen bei Behörden und Institutionen ein. Nicht nur für ältere Menschen sind Bus und Bahn ein „Topthema“, wie es Fischer ausdrückt. Ute Brunner, die ÖPNV-Beauftragte im Kreishaus, bekräftigt, dass man bei der Fortschreibung des Kreisverkehrsplans die unterschiedlichsten Menschen im Blick habe: „Schüler, Senioren, Mütter mit Kinderwagen, Behinderte und Touristen sind mit ihren Bedürfnissen zu berücksichtigen. Wir brauchen eine Mobilitätskette für alle. Dabei gilt es alle Fortbewegungsmittel zu berücksichtigen: Wo sind Leute zu Fuß, mit dem Rad, dem Bus oder mit dem Ruftaxi unterwegs? Wie sieht die Infrastruktur aus? Wie können Angebote verbessert werden?“ Für einen Schub beim Ausbau der Barrierefreiheit im Kreis hat das gute Abschneiden des Landkreises gemeinsam mit der Stadt Neustadt beim Landeswettbewerb „Tourismus für alle“ gesorgt. Als Modellregion kommen beide Kommunen in den Genuss von Landesgeldern für die öffentlich-touristische Infrastruktur. Nach Angaben von Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) ist geplant, einen Mobilitätsmanager einzustellen, der die Maßnahmen koordinieren und sämtliche Beteiligte vernetzen soll. Lösungen „nicht nur vom Schreibtisch aus“ weiterentwickeln , das wollen auch die Geschäftsführer des Unternehmens Palatina Bus, Marcus Weigl, und des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN), Volkhard Malik. Laut Weigl sind die Palatina-Busse zu 100 Prozent behindertengerecht, Malik berichtet von einem Leitfaden zur Planung barrierefreier Haltestellen. Im VRN-Gebiet gebe es mehr als 7000 Haltestellen, die alle umgerüstet werden sollen. Den Kommunen soll der Leitfaden dabei helfen. Dass sich die Anforderungen seit den 90er-Jahren verändert haben, wird in Deidesheim und Haßloch deutlich. Dort hinkt man dem Status quo zum Teil hinterher. In Haßloch werden Probleme beim Zugang zu den Bahngleisen offensichtlich. Eine gut 40 Meter lange Rampe mit einer Steigung von zehn Prozent stellt eine enorme Behinderung dar. Rollstuhlfahrer Jürgen Hess gelingt es in einem enormen Kraftakt allein, die beiden Frauen schaffen es nur mit Unterstützung. „Ohne Hilfe kommt man oft nicht ans Ziel“, sagt Martha Kürten. Jutta Heller stimmt zu. „Es wäre mir am liebsten, wenn ich allein unterwegs sein könnte“, sagt sie. Die Barrierefreiheit steht im Blickpunkt der Busfahrt. Sie ist jedoch nur ein Mobilitätsproblem von vielen. Hinzu kommen fehlende Verbindungen, meint Heller. „Wie soll ich zum Beispiel auf die Wachtenburg kommen?“ Roswitha Mayer-Karl aus Carlsberg macht darauf aufmerksam, dass für ältere Menschen in ländlichen Regionen schon die Strecke zur nächsten Haltestelle ein Hindernis sein kann: „Ich muss drei Kilometer laufen bis zum Bus!“ Für viele Ältere, auch im Kreisseniorenbeirat, ist das Auto noch immer der wesentliche Garant für eine eigenständige Lebensgestaltung. Hinweis „Mobil bleiben mit Bus und Bahn“ heißt eine auf Senioren zielende Broschürenreihe der Unternehmen Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und Palatina Bus. Nähere Infos dazu gibt’s bei der Kreisverwaltung, Telefon 06322 9610, oder beim VRN unter 01805 8764636 (kostenpflichtig). |sum