Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Barbara Haas erklärt, warum jeder Sterbebegleitung lernen kann

Man sollte sich rechtzeitig darüber informieren, wie man auch als Angehöriger einen sterbende Verwandten begleiten kann. Eine Mö
Man sollte sich rechtzeitig darüber informieren, wie man auch als Angehöriger einen sterbende Verwandten begleiten kann. Eine Möglichkeit dafür ist ein »Letzte-Hilfe-Kurs«.

Barbara Haas vermittelt in „Letzte-Hilfe-Kursen“ das Einmaleins der Sterbebegleitung. Ein Thema, das viele Menschen oft, solange es geht, von sich schieben. Warum man genau das nicht tun sollte, erläutert die Leiterin des Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienstes in Schifferstadt im Gespräch mit Christine Kraus.

Frau Haas, Sie sind Krankenschwester und Hospiz-Fachkraft. Warum wird der Tod in unserer Gesellschaft so an den Rand gedrängt?
Weil wir ihn nicht verstehen. Sterben ist wie ein Geheimnis, und dieses Ungewisse kann Angst machen. Es ranken sich so viele Mythen um den Tod. Manche denken wirklich, dass Tote giftig sind oder man Sterbende nicht berühren darf. Oder sie befürchten, dass Sterben gar eine recht „schmutzige Sache“ ist. Der Tod begegnet uns zwar täglich im Fernsehen in Krimis, das hat jedoch mit dem Sterben in der Realität wenig zu tun. Ich kann sowas jedenfalls nicht mehr anschauen.

Die meisten Menschen möchten in Geborgenheit zu Hause im Kreis ihrer Lieben sterben. Bin ich eine schlechte Tochter, wenn ich mir nicht zutraue, meine Eltern in dieser letzten Phase zu begleiten?
Nein, natürlich nicht. Die eigene Hilflosigkeit als Tochter steht Ihnen zu. Aber Sie können sich Unterstützung suchen und über ihre Vorbehalte sprechen. Vielleicht klärt sich dann ja einiges. Und Sie können festlegen, was Sie machen möchten und was nicht. Die Begleitung eines sterbenden Menschen kann man lernen.

Sie sprechen die „Letzte-Hilfe-Kurse“ an. Was kann ich denn lernen?
Zunächst einmal, dass das der Tod etwas ganz Natürliches ist und zum Leben dazu gehört. Das ist das erste der vier Kursmodule, von denen jedes über 45 Minuten geht. Dann befassen wir uns mit den Dingen, die man am besten schon im Voraus regelt: mit Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

Bis dahin ist das ja noch sehr theoretisch.
Im dritten Teil wird es praktisch. Da geht es darum, was man konkret tun kann, wenn man einen Sterbenden begleitet. Denn viele Menschen möchten ja etwas für ihre Lieben tun, weil sie es nicht aushalten, nichts machen zu können. Essen können sie ihnen nicht mehr anreichen, Getränke auch nicht mehr.

Aber ist es denn nicht grausam, einen sterbenden Menschen verdursten zu lassen?
Nein, das ist es nicht. Der Stoffwechsel im Körper verändert sich, Flüssigkeits- und Nahrungsbedarf verringern sich, somit hat der Patient keinen Durst oder Hunger. Aber zum Beispiel gegen den trockenen Mund können Angehörige mit einer Mundpflege etwas tun. Das probieren wir im Kurs auch aus. Und wir sprechen über weitere Dinge, die das mögliche Leiden eines Sterbenden mit einfachen Hausmitteln lindern können. Das letzte Kursmodul befasst sich dann mit Abschied nehmen und dem Umgang mit Trauernden, auch mit trauernden Kindern. Außerdem erfahren die Teilnehmer, wo sie im Ernstfall Hilfe bekommen.

Ein „Letzte-Hilfe-Kurs“ ist so betrachtet ähnlich wie ein „Erste-Hilfe-Kurs“. Den macht man ja auch nicht erst, wenn man jemand verunglücken sieht, sondern vorbeugend.
Ja, das wäre der Idealfall. Denn wenn ein Angehöriger im Sterben liegt, dann haben sie so viel anderes zu tun. Und es ist besser, sich mit etwas Abstand mit dem Thema Sterben zu befassen. Das fällt viel leichter. Und wenn es so weit ist, kann man darauf zurückgreifen. In der Zwischenzeit kann man sich ein Netzwerk aufbauen, auf das man dann zurückgreifen kann.

Wer sollte denn einen „Letzte-Hilfe-Kurs“ machen?
Eigentlich jeder. Es gibt allgemeine „Letzte-Hilfe-Kurse“, aber auch spezielle Angebote für Kinder und Teens sowie für Menschen, die in medizinischen Berufen arbeiten, oder Kurse in einfacher Sprache. Es geht ja nicht nur um die direkten Angehörigen. Ziel ist eine sorgende Gemeinschaft, also Menschen, die aufeinander achten und helfen können, wenn sie gebraucht werden.

So geschult ist man also dann so weit, den Wunsch der Eltern zu erfüllen, zu Hause zu sterben?
Das müssen Sie doch gar nicht alleine stemmen. Wir vom ambulanten Hospizdienst sind ausgebildete Pflegefachkräfte mit einer Zusatzqualifikation Palliative Care und bieten kostenfreie und professionelle Beratung, persönliche Begleitung, Hilfe und Unterstützung sowie Entlastung durch unsere ehrenamtlichen Hospizbegleiter. Wir geben Tipps, hören zu oder sind da, um mit Ihnen die Situation auszuhalten.

Warum machen Sie das? Ich würde fast sagen, warum tun Sie sich das an, jeden Tag mit dem Tod konfrontiert zu sein?
Zum einen natürlich, weil ich bewusst den Beruf gewählt habe und sehe, wie hoch der Bedarf ist. Aber vor allem, weil jede gelungene Sterbebegleitung für so vieles, was nicht so gut läuft, entschädigt. Auch wenn es vielleicht widersprüchlich klingt: Einen Menschen auf dem letzten Weg zu begleiten, kann traurig und gleichzeitig schön sein.

Termin

Auf Initiative des Seniorenbeirats Limburgerhof hält Barbara Haas einen „Letzte-Hilfe-Kurs“ am 23. März, 9.30 bis 13.30 Uhr, in der Ökumenischen Sozialstation Limburgerhof, Kirchenstraße 29. Die Teilnahme kostet 20 Euro. Anmeldung per E-Mail an lange@limburgerhof.de oder telefonisch unter 06236 691137. Weitere Infos unter www.letztehilfe.info.

Barbara Haas
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