Rhein-Pfalz Kreis Bammel vor Baustellen-Kollaps

Placeholder-Image
Hochstraßen: Fass ohne Boden

Erst Nord, dann Süd: Die zuletzt vom Stadtrat vollzogene Rolle rückwärts bei der Reihenfolge der Sanierungen hat auch Bürgermeister und Landräte im Umland überrascht. Sie fordern bessere Absprachen und befürchten ein Verkehrschaos. Mehr Klarheit wünschen sich auch Unternehmen wie die BASF als größter Arbeitgeber. Der Konzern erwartet belastbare Informationen zu Umleitungskonzepten für den Lkw-Verkehr und will Pendlerströme kanalisieren. Die Bevölkerung will wissen, wie lange die bereits für Schwerlaster gesperrten Brückentrassen noch halten. Die zunächst vor dem Nordabriss geplante Renovierung des 500 Meter langen Süd-Abschnitts Pilzhochstraße galt bis vor Kurzem als „alternativlos“. Doch der Schaden ist größer als vermutet, der Eingriff teurer als gedacht. Hinzu kommt: Die Südtrasse sollte während des Nord-Rückbaus als zentrale Ausweichroute dienen. Der in der Kritik stehende Baudezernent Klaus Dillinger (CDU) hat auf viele Fragen keine Antwort. Vor der Kommunalwahl im Mai gewinnt das Thema an Brisanz. Fest steht: Staus, Lärm und Dreck werden das Stadtklima in den nächsten zehn Jahren erheblich belasten. Unklar ist, ob die aktuell geschätzten 670 Millionen Euro für beide Sanierungen reichen werden und wofür welche Zuschüsse fließen. Mit bald 1,4 Milliarden Schulden steht die Stadt mit dem Rücken an der Wand. Metropol: Widerstand wächst Enorme Sprengkraft birgt auch das Metropol-Projekt am Berliner Platz – zwei 67 und 29 Meter hoch geplante Türme mit über 180 Hotelbetten, Gastronomie, Büros, Läden und Praxen. Die Skepsis gegenüber dem bereits 2014 vorgestellten Vorhaben ist groß, in der Politik wie in der Bevölkerung. Anfang des Monats hat der Stadtrat die Pläne gegen die Stimmen zweier Oppositionsparteien zwar genehmigt, um den jahrelangen Stillstand in der Baugrube endlich zu beenden. Damit ist das Thema aber nicht vom Tisch. Befeuert hat die Debatte zuletzt ein renommierter Architekt aus Frankfurt, der die mehrfach geänderten Pläne im Zentrum „erschreckend“ nannte. Grünen-Politiker ketteten sich am Wochenende an einen Baum am benachbarten Platanenhain, auf dem ein Parkhaus für den Komplex entstehen soll. Die 55 Bäume sollen versetzt werden. Bauherr Günther Tetzner (Timon Bauregie) ist zur Reizfigur geworden. Der Mittsiebziger präsentierte in der Vergangenheit immer wieder neue Konzepte und neue Finanzpartner. Nach dem jüngsten Stadtratsbeschluss jubelte er: „Wir geben der Stadt ihr Herz zurück.“ Man könnte dagegenhalten: Er hat es ihr mit dem 2015 erfolgten Abriss der Tortenschachtel auch recht humorlos herausgerissen – und danach nur vollmundige Versprechen geliefert. Polizeipräsidium: Beengter Platz Für Unmut sorgen auch die Pläne für den Bau eines neuen Polizeipräsidiums, das am Südwestknoten für 650 Mitarbeiter auf beengter Fläche hochgezogen werden soll, ausgerechnet an der ohnehin vom Verkehr stark belasteten Heinigstraße. Der Kaufvertrag für das 4350 Quadratmeter große Areal wurde zwischen Land und Stadt nach jahrelanger Standortsuche vor zwölf Monaten unterzeichnet. Ab 2020 sollen die Arbeiten drei Jahre dauern. Der neue Dienstsitz wird aus zwei 25 und 36 Meter hohen Gebäuden mit maximal zehn Etagen bestehen, ausgelegt für 450 Arbeitsplätze auf 9100 Quadratmeter Nutzfläche. Das bisherige Präsidium, zuständig für Vorder- und Südpfalz, ist veraltet und zu klein. Die Polizei verteilt sich deshalb noch auf zehn Standorte. Pfalzwerke: Stellplätze fehlen Viele neue Kunden bringt der Innenstadt der neue Pfalzwerke-Sitz an der Wredestraße, den die Mannheimer Pro Concept AG baut und an den Energieversorger vermietet. Am Standort des früheren C&A-Gebäudes sollen 2020/21 etwa 600 Mitarbeiter einziehen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Wie für das benachbarte Metropol fehlen Parkplätze. 332 sind für die Hochhäuser vorgeschrieben, aber nur 135 in einer Tiefgarage am Platanenhain möglich, weshalb darüber 197 weitere in einem vierstöckigen Multifunktionshaus geschaffen werden sollen. 260 Stellplätze sind für die Pfalzwerke-Zentrale verbindlich, nur 90 auf dem Grundstück selbst vorgesehen. Parkplätze fehlen fürs Kundenzentrum der Technischen Werke in der Fußgängerzone. 400 Kollegen sollen dort arbeiten. Bürgerhof: Details Mitte März Nicht beantwortet ist die Parkplatz-Frage für das neue Bürgerhof-Entreé, das die Wohnungsbaugesellschaft GAG wenige Meter entfernt plant. Mitte März will sie Details nennen. Verschwinden werden viele Parkplätze im Rathaus-Center, das die Stadt Ende 2021 schließen möchte. Der Nordflügel muss dem Hochstraßenrückbau weichen. Die Alternativen sind begrenzt: Denn die 7200 Stellflächen im Stadtkern sind ordentlich ausgelastet. Offen ist die Zukunft des Sanierungsfalls Rathausturm. Dort droht die nächste Großbaustelle.

x